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Im Jahr 2017 lebten 15,8 Prozent aller Personen in Deutschland in Armut. Dies war der größte Anteil in Armut lebender Personen seit Beginn der betrachteten Zeitreihe. Die Armutsquote lag 2005 bei 14,7 Prozent und fiel 2006 auf 14 Prozent ab. In den Folgejahren stieg sie geringfügig, aber stetig (mit Ausnahme von 2010), bis sie im Jahr 2018 erstmals wieder sank und auf 15,5 Prozent zurückging. Der Anstieg um 0,3 Prozentpunkte im Jahr 2015, trotz positiver wirtschaftlicher Entwicklung, ist darauf zurückzuführen, dass sich mit der Flüchtlingszuwanderung die Armutsquote der Bevölkerung mit Migrationshintergrund deutlich erhöht hat.

Auch fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung fallen die Armutsquoten in Ost- und Westdeutschland noch unterschiedlich aus. Der Abstand zwischen den neuen und alten Bundesländern wird jedoch allmählich geringer, was sowohl auf die steigende Einkommensarmut in Westdeutschland zurückzuführen ist, als auch auf die in den letzten Jahren deutlich sinkende Armutsquote in Ostdeutschland. Lag die Differenz im Jahr 2005 noch bei 7,2 Prozentpunkten, so betrug sie im Jahr 2015 nur noch 5,0 Prozentpunkte. Von 2015 auf 2016 gab es eine vergleichsweise starke Angeleichung um 1,4 Prozentpunkte, so dass die Differenz 2016 noch 3,6 Prozentpunkte betrug. Der Trend der Angleichung setzt sich auch weiterhin fort: 2018 lag die Differenz zwischen Ost und West nur noch bei 2,5 Prozentpunkten. Das entspricht einer Angleichung um 4,7 Prozentpunkte innerhalb der letzten zwölf Jahre.


Anmerkung: Ab dem Jahr 2011 basieren die Daten auf dem Zensus dieses Jahres. Bis zu diesem Zeitpunkt basiert die Hochrechnung auf der Volkszählung des Jahres 1987. Insofern ist die Interpretation der Daten vor und nach 2011 im Vergleich nur eingeschränkt möglich.
 


Weitere Erläuterungen

Armutsgrenze:
Die Armutsgrenze liegt bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten.

Armutsquote: Die Armutsquote ist der Anteil von Personen an der Gesamtbevölkerung, deren Einkommen unterhalb der 60 Prozent-Armutsgrenze liegt.

bedarfsgewichtetes Einkommen: Das bedarfsgewichtete Einkommen, auch als Äquivalenzeinkommen bezeichnet, wird herangezogen, um die Einkommen unterschiedlich großer Haushalte vergleichbar zu machen. Dabei wird berücksichtigt, dass größere Haushalte zwar einen höheren Bedarf an Wohnraum, Lebensmitteln, Kleidung etc. haben, dass in bestimmten Lebensbereichen jedoch auch, z.B. durch die gemeinsame Nutzung von Küche und Bad, gemeinsame Versicherungen etc., geringere Pro-Kopf-Kosten anfallen als in einem Ein-Personen-Haushalt. Zudem wird davon ausgegangen, dass jüngere Kinder einen geringeren Bedarf als Erwachsene haben. Das Äquivalenzeinkommen ergibt sich aus der Summe der Einkommen aller Haushaltsmitglieder, welche anschließend durch einen Wert dividiert wird, der üblicherweise anhand der „neuen OECD-Äquivalenzskala“ bestimmt wird. Der ersten erwachsenen Person im Haushalt wird der Gewichtungsfaktor 1 zugewiesen. Um die Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftens zu berücksichtigen, erhalten weitere Personen ab 14 Jahren ein Gewicht von 0,5. Kindern unter 14 Jahren wird ein Gewicht von 0,3 zugewiesen. Das Haushaltseinkommen einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren würde demnach durch den Wert 2,1 dividiert werden.

Einkommensarmut: Als einkommensarm gelten Personen, deren bedarfsgewichtetes Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt, d.h. weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten beträgt. Dabei handelt es sich um ein relatives Armutsmaß, da es sich – in Abgrenzung zur absoluten Armut – am üblichen Lebensstandard einer Gesellschaft orientiert und nicht durch das Unterschreiten des absoluten Existenzminimums gekennzeichnet ist.

mittleres Einkommen:
Das mittlere Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, ist der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen aufsteigend geordnet werden.

Nettohaushaltseinkommen:
Das Nettohaushaltseinkommen ergibt sich aus den Gesamteinkünften aller Mitglieder eines Haushaltes nach Steuern und Sozialabgaben. Zu diesen Einkünften zählen u.a. das Arbeitnehmerentgelt, Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie staatliche Transferzahlungen und Mietersparnisse durch selbst genutztes Wohneigentum.

Quellen

Amtliche Sozialberichterstattung

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