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Das Risiko, trotz eines Arbeitseinkommens in die Armut abzurutschen, hängt stark von der Branche ab. Generell gilt: Je höher das durchschnittliche Nettoeinkommen in einer Branche ist, desto geringer ist das Armutsrisiko. Vollbeschäftigte, die in der Finanz- und Versicherungsbranche, der Chemie oder dem Fahrzeugbau arbeiten, verfügen im Durchschnitt über ein hohes Nettoeinkommen, und ihre Familien geraten daher nur selten in Armut. Ganz besonders gilt dies für die Energieversorgung, welche mit ungefähr 2,2 Prozent die niedrigste Armutsquote aufweist. Zu den Wirtschaftszweigen, in denen die durchschnittlichen Nettoeinkommen gering und das Armutsrisiko hoch sind, zählen das Heim- und Sozialwesen, die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen und ganz besonders das Gastgewerbe. Letzteres nimmt mit einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von nur 1.287 Euro und einer Armutsquote von 35,8 Prozent unter den Haupteinkommensbeziehern eine Sonderstellung ein.

Weitere Erläuterungen

Armutsgrenze: Die Armutsgrenze liegt bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten.

Armutsquote: Die Armutsquote ist der Anteil von Personen an der Gesamtbevölkerung, deren Einkommen unterhalb der 60 Prozent-Armutsgrenze liegt.

bedarfsgewichtetes Einkommen: Das bedarfsgewichtete Einkommen, auch als Äquivalenzeinkommen bezeichnet, wird herangezogen, um die Einkommen unterschiedlich großer Haushalte vergleichbar zu machen. Dabei wird berücksichtigt, dass größere Haushalte zwar einen höheren Bedarf an Wohnraum, Lebensmitteln, Kleidung etc. haben, dass in bestimmten Lebensbereichen jedoch auch, z.B. durch die gemeinsame Nutzung von Küche und Bad, gemeinsame Versicherungen etc., geringere Pro-Kopf-Kosten anfallen als in einem Ein-Personen-Haushalt. Zudem wird davon ausgegangen, dass jüngere Kinder einen geringeren Bedarf als Erwachsene haben. Das Äquivalenzeinkommen ergibt sich aus der Summe der Einkommen aller Haushaltsmitglieder, welche anschließend durch einen Wert dividiert wird, der üblicherweise anhand der „neuen OECD-Äquivalenzskala“ bestimmt wird. Der ersten erwachsenen Person im Haushalt wird der Gewichtungsfaktor 1 zugewiesen. Um die Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftens zu berücksichtigen, erhalten weitere Personen ab 14 Jahren ein Gewicht von 0,5. Kindern unter 14 Jahren wird ein Gewicht von 0,3 zugewiesen. Das Haushaltseinkommen einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren würde demnach durch den Wert 2,1 dividiert werden.

Einkommensarmut: Als einkommensarm gelten Personen, deren bedarfsgewichtetes Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt, d.h. weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten beträgt. Dabei handelt es sich um ein relatives Armutsmaß, da es sich – in Abgrenzung zur absoluten Armut – am üblichen Lebensstandard einer Gesellschaft orientiert und nicht durch das Unterschreiten des absoluten Existenzminimums gekennzeichnet ist.

mittleres Einkommen: Das mittlere Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, ist der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen aufsteigend geordnet werden.

Quellen

Ergebnisse des Mikrozensus 2012, Sonderauswertung durch IT.NRW.

Weiterführende Literatur

WSI Verteilungsbericht 2013 (pdf), S. 48-56
Seils, Eric: Armutsentwicklung: Ganze Breite des Arbeitsmarktes, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2013, S. 28


 

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