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Zwischen 1991 und 2007 ist der Anteil atypisch Beschäftigter an den Kernerwerbstätigen von 12,8 auf 22,6 Prozent gestiegen. Dieser enorme Zuwachs ist auf Veränderungen der Erwerbsformen in diesem Zeitraum zurückzuführen, die sowohl den Zähler als auch den Nenner der Quote betreffen. In absoluten Zahlen ist die Kernerwerbstätigkeit zwischen 1991 und 2004 vor allem aufgrund des Beschäftigungseinbruchs im Osten zurückgegangen und hatte bis 2007 das Ausgangsniveau noch nicht wieder erreicht. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der atypisch Beschäftigten von 4,4 auf knapp 7,8 Millionen angestiegen. Den größten Beitrag lieferte die Teilzeitbeschäftigung (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2012, S.60), insbesondere in Form der ausschließlich geringfügigen Beschäftigung, welche zwischen 1991 und 2007 um mehr als zwei Millionen Kernerwerbstätige zunahm. Seit 2004 hat überdies die Zahl der befristet Beschäftigten zugenommen, was auf die gesetzlichen Erleichterungen der Befristung von Arbeitsverträgen in Verbindung mit der einsetzenden konjunkturellen Erholung zurückzuführen sein dürfte (Hohendanner 2010, S.2). Die Leiharbeit wird im Mikrozensus erst seit dem Jahr 2006 erhoben, so dass keine Aussagen über die Entwicklung in diesem Zeitraum möglich sind. Gliedert man den Zuwachs an atypischer Beschäftigung nach dem Geschlecht, dann zeigt sich, dass gut zwei Drittel des Anstiegs der atypischen Beschäftigung auf die wachsende (Teilzeit-)beschäftigung von Frauen zurückzuführen sind.

Die jüngere Entwicklung der atypischen Beschäftigung ist einerseits von der guten Konjunktur und andererseits von der Einwanderung geprägt. Das vergleichsweise hohe Wirtschaftswachstum führte nach 2011 zu einem Rückgang der atypischen Beschäftigung unter deutschen Frauen (-447.000) und Männern (-183.000). Gleichzeitig nahm die atypische Beschäftigung unter den Ausländern (+492.000) jedoch deutlich zu. Im Ergebnis ebbte der Rückgang der Quote der atypischen Beschäftigung ab und stagniert gegenwärtig. Außerdem verringerte sich der Anteil der Frauen an den atypisch Beschäftigten geringfügig.

Die Divergenz zwischen Ost- und Westdeutschland ist unübersehbar: Anfang der 1990er Jahre gab es hinsichtlich des Anteils der atypischen Beschäftigung nur geringe Unterschiede zwischen Ost und West. So lag die Quote der atypisch Beschäftigten 1992 im Westen bei 13,4 und im Osten bei 13,3 Prozent. Danach stieg der Anteil der atypisch Beschäftigten im Westen jedoch deutlich stärker an als im Osten. Der Unterschied zwischen den beiden Landesteilen hat sich seit 2007 nochmal deutlich vergrößert: Während die ostdeutsche Quote deutlich von 20,7 auf 16,3 Prozent zurückging, fiel der Rückgang im Westen vergleichsweise schwach aus. Die unterschiedliche Entwicklung in Ost und West ist primär auf die westdeutschen Frauen zurückzuführen. Per Saldo ist die gesamte Zunahme der Kernerwerbstätigkeit in der Bundesrepublik den westdeutschen Frauen zuzurechnen. Die Zunahme der atypischen Beschäftigung entfällt ganz überwiegend auf die Frauen in den westdeutschen Bundesländern.

Die wachsenden Unterschiede zwischen Ost und West zeigen sich auch bei einer regional stärker differenzierenden Betrachtung. Wie die Daten im Appendix zeigen, weisen die fünf ostdeutschen Bundesländer und Berlin nicht nur alle unterdurchschnittliche Zuwächse auf, sondern hatten 2017 auch deutlich unterdurchschnittliche Quoten atypischer Beschäftigung. Im Westen sind die Zuwächse bei der atypischen Beschäftigung über den Gesamtzeitraum betrachtet hingegen enorm. Beispielsweise ist die Quote der atypischen Beschäftigung im Saarland aktuell mit 24,0 Prozent noch immer mehr als doppelt so hoch wie 1991. Bei den Männern hat sich die Quote zwischen 1991 und 2017 von 4,3 auf 12,2 Prozent fast verdreifacht. Erstaunlich ist die Entwicklung in Baden-Württemberg, wo die atypische Beschäftigung seit der Wiedervereinigung um mehr als 10 Prozentpunkte zugenommen hat und trotz des boomenden Arbeitsmarktes in den vergangenen Jahren kaum zurückgegangen ist.


Literatur

Hohendanner, C. (2010): Unsichere Zeiten, unsichere Verträge?, in: IAB-Kurzbericht (14/2010)

Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2012): Arbeitsmärkte im Wandel, Wiesbaden

 

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