Dauerhaft Arme und Reiche in Gesamtdeutschland

 

Download Grafik (png)
Download Daten (xls)
Download Grafik, Daten, Erläuterungen (pdf)

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte sind landesweit immer mehr Haushalte dauerhaft von Armut betroffen. Im Verlauf der 1990er Jahre wächst ihr Anteil von 3,1 % auf knapp 5,2 % Der Anstieg ist damit deutlich ausgeprägter als die Zunahme in den darauffolgenden 10 Jahren (plus 0,2 Prozentpunkte auf 5,4 %). Innerhalb der dauerhaft Armen waren zu Beginn der 2000er Jahre über 2,2 % kontinuierlich von strenger Armut betroffen. Im aktuellsten Beobachtungszeitraum ist der Anteil dieser Gruppe leicht auf 2,4 % gestiegen. Das heißt: Zwischen 2011 und 2015 müssen fast zwei Millionen Menschen in Deutschland dauerhaft mit weniger als der Hälfte dessen auskommen, was der Gesellschaft im Mittel an Einkommen zur Verfügung steht.

Bei den dauerhaft Reichen fällt das Ergebnis zunächst einmal nicht so klar aus. Insgesamt ist der Bevölkerungsanteil in gesicherten gehobenen Einkommenslagen in den letzten Jahrzehnten nur leicht von 3,3 % auf 3,4 % gestiegen. Bemerkenswert ist auf den ersten Blick der deutliche Rückgang von 3,3 % (1991-1995) auf rund 2,8 % (2001-2005). Der auffällige Wert ist hier, anders als es zunächst scheinen mag, der Ausgangswert. Er fällt gerade im Vergleich zu den 2,3 %, die in demselben Zeitraum in Westdeutschland dauerhaft reich sind, sehr hoch aus. Erklären lässt sich dieser hohe Wert mit der Berechnung der Reichtumsgrenzen auf der Grundlage des jeweiligen Medianeinkommens – also dem ostdeutschen bzw. west- oder gesamtdeutschen Wert. Das mittlere Einkommen in Ostdeutschland ist in der Zeit direkt nach der Wiedervereinigung deutlich niedriger als das im Westen des Landes. Das gesamtdeutsche Medianeinkommen, und mit ihm auch die landesweite Reichtumsgrenze, ist damit ebenfalls niedriger als im Westen: Im Jahr 1995 liegt die Reichtumsgrenze aus der gesamtdeutschen Perspektive für einen Einpersonenhaushalt bei etwas unter 36.500 €, für Westdeutschland sind es über 1.000 € mehr. Ein- und derselbe Haushalt kann deswegen über der gesamtdeutschen Reichtumsgrenze liegen, während er aus rein westdeutscher Sicht nicht als reich gilt. Das erklärt den vergleichsweise hohen landesweiten Anteil an dauerhaft Reichen zu Beginn der untersuchten Jahre.

In dauerhaft großem Reichtum, also in Haushalten mit einem Einkommen von mehr als dem 3-Fachen des Medians, leben seit den 2000ern stabil etwa 0,6 % der Bevölkerung. Da hohe und vor allem höchste Einkommen im SOEP aber untererfasst sind, dürfte diese Bevölkerungsgruppe zahlreicher sein als hier angegeben.

Weitere Erläuterungen

Armutsgrenze: Die Armutsgrenze liegt bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten. Die Schwelle für große Armut liegt bei 50 Prozent dieses Einkommens.

Dauerhafte Armut/ dauerhafter Reichtum:
Ein Haushalt wird dann als dauerhaft arm bzw. reich betrachtet, wenn er über einen Zeitraum von fünf Jahren durchgehend ein verfügbares Einkommen unterhalb der Armuts- bzw. oberhalb der Reichtumsgrenze hat.

Medianeinkommen: Das mittlere Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, ist der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen aufsteigend geordnet werden.

Reichtumsgrenze: Die Reichtumsgrenze liegt bei 200 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten. Die Schwelle für großen Reichtum liegt bei 300 Prozent dieses Einkommens.

Quellen

SOEP Welle 09-33; eigene Berechnungen


 

X Neuigkeiten aus der Stiftung

Neuigkeiten aus der Stiftung

Schon gesehen? Wir haben einen neuen Newsletter. Darin: Was uns bewegt und beschäftigt, Analysen unserer Expertinnen und Experten zu aktuellen Themen, neue Veröffentlichungen und die wichtigsten Termine und Neuigkeiten. Alle zwei Wochen in Ihrem Postfach.

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Diese Website benutzt Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Die Nutzung der Cookies können Sie in Ihren Browser-Einstellungen ändern. Wir benutzen außerdem Tracking-Cookies der Tracking-Tools Matomo und Webtrekk. Diese werden nur gesetzt, wenn Sie auf den „Einverstanden“-Button klicken. Solange Sie dies nicht tun, nutzen Sie die Website und Ihre Angebote, ohne dass die genannten Tracking-Tools aktiviert werden. Durch die Betätigung des Einverstanden-Buttons willigen Sie auch in das durch Facebook Insights getätigte Tracking auf der Facebook Fanpage der Hans-Böckler-Stiftung ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Einverstanden