WSI 2018-2023

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Forschungsprogramm

Faire Arbeit, gerechte Verteilung, soziale Rechte – das WSI will mit seinen Analysen das Verständnis für die Herausforderungen der Arbeitswelt schärfen und Ansätze für Lösungen aufzeigen.

Zentrale Forschungsfragen,
Themen und Projekte


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Forschungsprojekte im Bereich

Arbeit und Arbeitsmarkt

Arbeitsintensivierung

Zahlreiche Studien (u.a. von Korunka; Haipeter; Ahlers) belegen, dass Arbeitsintensivierung ein virulentes und an Bedeutung gewinnendes Thema in der Arbeitsforschung ist – gerade auch in Zusammenhang mit der Digitalisierung. Mit der WSI-Betriebsrätebefragung 2018 sollen daher die betrieblichen Rahmenbedingungen untersucht werden, die zu hoher Arbeitsintensität führen können. Dabei sollen auch die tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten der Betriebsräte empirisch beleuchtet werden. Für ein geplantes Schwerpunktheft der WSI-Mitteilungen werden außerdem die internationale Forschungsliteratur und der Forschungsstand aufgearbeitet, um im Rahmen eines institutsübergreifenden Arbeitskreises darüber hinausgehende empirische Forschungsfragen zu entwickeln.

Projektpartner sind Mitglieder des Arbeitskreises Arbeitsintensivierung (Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz BAuA, ver.di Bundesvorstand, Sozialforschungsstelle sfs Dortmund, Landesinstitut für Arbeitsgestaltung LiA.nrw).

Projektleitung: Dr. Elke Ahlers

 

 

Gesundheitsprävention und Gefährdungsbeurteilungen – eine Frage der praktischen Umsetzung

Untersucht werden Möglichkeiten und Ansätze des Instruments der Gefährdungsbeurteilungen, wie auch die Gründe für deren mangelhafte Umsetzung in den Betrieben. Es gibt drei große empirische Datensätze, mit denen die Umsetzung der Gesundheitsprävention nachgezeichnet werden kann (die europäische ESENER-Befragung, die deutsche GDA-Betriebsbefragung und die WSI-Betriebsrätebefragung). In einem Kooperationsprojekt sollen die Ergebnisse der unterschiedlichen Datensätze gegenübergestellt und nach gemeinsamen Befunden und daraus entstehenden Handlungsnotwendigkeiten gesucht werden. Dabei sollen auch Abstimmungen und Verbesserungen der empirischen Datenlage erreicht werden.

Projektpartner sind Dr. Uwe Lenhardt und Dr. David Beck, Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz BAuA, und Prof. Nico Dragano, Universität Düsseldorf.

Projektleitung: Dr. Elke Ahlers

 

 

Humanisierung der Arbeit 4.0

In Kooperation mit der Forschungsstelle Zukunft der Arbeit wird das Themenpaket „Humanisierung der Arbeit 4.0“ von Manuela Maschke (Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung) und Elke Ahlers (WSI) bearbeitet. Das WSI widmet sich dabei besonders der Gestaltung flexibler Arbeitswelten. Viele Regelungen zum Schutze der Beschäftigten sind zu einer Zeit entstanden, in denen traditionelle Industriearbeitsplätze das Bild der Erwerbsarbeit bestimmten. Die Arbeitszeit war weitestgehend standardisiert und der Arbeitsort an den Betrieb gekoppelt. Heute sind hingegen Gestaltungskonzepte erforderlich, die an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst sind – und an mehreren Ebenen zugleich ansetzen. Nötig sind gestaltende und flankierende Regulierungskonzepte, die auch auf vorhandene Regulierung aufbauen können.

Projektteam: Dr. Elke Ahlers, Christina Schildmann

 

 

Verbesserung der Durchsetzung bestehender Regelungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes (Enforcement) – Qualitative Studie

Untersuchungen belegen, dass die bestehenden Regelungen zum Schutz der Beschäftigten (Arbeitsschutzgesetz, Arbeitszeitgesetz) zwar passend und richtig sind, aber oft an ihrer Umsetzung scheitern. So führen nur 24 Prozent der Unternehmen ganzheitliche Gefährdungsbeurteilungen durch, in denen auch psychische Belastungen berücksichtigt werden. Die Befunde zeigen auch, dass sich betriebliche Akteure in Bezug auf psychische Arbeitsbelastungen nicht verantwortlich oder nicht ausreichend geschult fühlen. Ziel des Arbeitsvorhabens ist es, diese Umsetzungsschwächen über qualitative und quantitative Studien konkreter benennen zu können. Dazu sollen Gruppeninterviews mit Betriebsräten, Betriebsärzten und weiteren betrieblichen Akteuren geführt werden.

Projektleitung: Dr. Elke Ahlers

 

 

Die Rolle von flexiblen Arbeitszeiten für das Erwerbsverhalten von Müttern nach der Elternzeit

Die Rolle von flexiblen Arbeitszeiten für das Erwerbsverhalten von Müttern nach der Elternzeit ist bisher wenig erforscht. Kommen Mütter mit flexiblen Arbeitszeiten eher wieder in den Arbeitsmarkt zurück? Und behalten sie eher ihre wöchentliche Arbeitszeit bei? Arbeitszeitarrangements wie Gleitzeit ermöglichen Beschäftigten zeitliche Freiräume und können die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Die Rückkehr von Müttern in den Arbeitsmarkt könnte daher durch Gleitzeit unterstützt werden und die Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit unnötig machen. Ebenso können Wochenendund Nachtarbeit für eine bessere Bewältigung von Kinderbetreuungsaufgaben am Tag oder in der Woche genutzt werden. Letztlich können die flexiblen Arbeitszeiten des Partners die Erwerbstätigkeit von Müttern unterstützen. Auf Basis des Sozio-Oekonomischen Panels aus den Jahren 2003 bis 2012 wird eine Ereignisdatenanalyse durchgeführt.

Projektleitung: Dr. Yvonne Lott

 

 

Flexible Arbeitszeiten in Partnerschaften: Cross-Over Effekte und partnerschaftliche Arrangements

Studien zeigen, dass Arbeitszeitarrangements von Beschäftigten Auswirkungen auf die Work-Life-Balance ihrer Partner haben können. Darüber hinaus können flexible Arbeitszeiten die partnerschaftlichen Arrangements wie die Verteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung beeinflussen. Anhand des Partnerschafts- und Familienpanels (pairfam) werden annähernd kausale Effekte von flexiblen Arbeitszeiten eines Partners auf die Work-Life-Balance des anderen Partners (so genannte Cross-Over-Effekte) bzw. auf die partnerschaftlichen Arrangements geschätzt. Das pairfam bietet sich aufgrund seiner dyadischen Datenstruktur hervorragend für diese Analyse an und ist in Hinblick auf das Projektthema bislang untererforscht. Die Ergebnisse versprechen Erkenntnisse über die Folgen flexibler Arbeitszeiten nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für ihre Partner. Darüber hinaus zeigen die Analysen auf, inwiefern flexible Arbeitszeiten die sozialen Ungleichheiten in Partnerschaften verstärken oder verringern können.

Projektleitung: Dr. Yvonne Lott

 

 

Arbeitszeitverkürzung für Weiterbildungen und Sabbaticals

In Kooperation mit der Forschungsstelle Zukunft der Arbeit werden zwei Themen bearbeitet: (1) Arbeitszeitverkürzung und Weiterbildungen und (2) Sabbaticals.

Weiterbildungen sind ein virulentes Thema in der politischen Debatte. Das Weißbuch Arbeiten 4.0 hat die notwendige Unterstützung von Weiterbildungen hervorgehoben und das persönliche Erwerbstätigenkonto vorgeschlagen. Das Projekt wird sich daher der Frage annehmen, wie Beschäftigte in ihren Weiterbildungsaktivitäten unterstützt werden können.

Wir sehen Arbeitszeitverkürzung als einen zentralen Hebel für die Förderung von Weiterbildungen an Sabbaticals erscheinen uns als ein zentrales und zukunftsträchtiges Instrument, um Beschäftigten zeitliche Freiräume zu ermöglichen. Sabbaticals sind allerdings bisher wenig im Fokus der wissenschaftlichen und politischen Debatten. Das wollen wir ändern und das Thema in der aktuellen Arbeitszeitdiskussion stark machen.

Projektteam: Dr. Yvonne Lott, Christina Schildmann

 

 

 

Flexibles Arbeiten, Arbeitsorganisation und Gender Pay Gap

Flexible Arbeitsarrangements tragen zu dem Gender Pay Gap bei. Der einkommensmindernde Effekt von Teilzeit liegt auf der Hand, aber auch Arbeitsarrangements wie selbstbestimmte Arbeitszeiten und Homeoffice verringern die Einkommen von Frauen bzw. erhöhen die Einkommen nur von Männern. Der Grund hierfür scheint die Arbeitsbewertung zu sein, die sich häufig an traditionellen Geschlechterbildern orientiert und auf der Annahme beruht, dass Frauen die örtliche und zeitliche Flexibilität eher für außerberufliche Angelegenheiten verwenden. Zudem scheint die Arbeitsorganisation ebenfalls den Gender Pay Gap zu erhöhen, etwa im Fall von Teamarbeit und einem kompetitiven Arbeitsumfeld. Das Ziel dieses Projekts ist, die Rolle verschiedener flexibler Arbeitsarrangements (vor allem mobile Arbeit) und arbeitsorganisatorischer Bedingungen (beispielsweise Bonuszahlungen, Zielvereinbarungen) für die Einkommen von Frauen und Männern zu untersuchen. Um möglichst für Selektionseffekte zu kontrollieren, sind Paneldaten am geeignetsten. Daher bieten sich vor allem das BHPS bzw. der Datensatz „Understanding Society“ an. Auch die pairfam Daten könnten für die Analyse geeignet sein. Erste Annäherungen an den Forschungsgegenstand können aber auch anhand von Querschnittsdaten erfolgen, etwa mit dem LIAB oder dem EWCS.

Projektleitung: Dr. Yvonne Lott

 

 

Umgehungen des Mindestlohns: Ausmaß und politische Empfehlungen für eine bessere Umsetzung/Kontrolle

Durch die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ist es erstmals seit längerer Zeit wieder zu spürbaren Lohnerhöhungen im Niedriglohnsektor gekommen. Mittlerweile liegen auch erste Ergebnisse zur tatsächlichen Einhaltung des Mindestlohns vor. Größere Probleme mit der Nichteinhaltung des Mindestlohns gibt es insbesondere in Branchen mit geringer Tarifbindung, mit überwiegend kleinen Betrieben und wenig Mitbestimmung. Besonders betroffen sind darüber hinaus bestimmte Vertragsformen wie Minijobs und befristete Beschäftigungsverhältnisse. Das Projekt soll einen Beitrag für ein besseres Verständnis der Risikobereiche für Mindestlohn-Umgehungen liefern und auch zu einer besseren Abschätzung der Qualität der Daten beitragen. Zudem gibt es bisher keine kausalen Analysen zur Wirkung der Kontrollintensität auf die Mindestlohn-Umgehungen in Deutschland. Nicht zuletzt sollen daraus auch Empfehlungen für eine wirksamere Gestaltung der Kontrollen abgeleitet werden. Datengrundlage sind SOEP, PASS, das IAB-Betriebspanel und die BR-Befragung. Das Projekt beginnt 2017 und läuft bis 2021. Die Daten erscheinen im jährlichen Turnus neu.

Projektleitung: Dr. Toralf Pusch

 

 

Effekte des Mindestlohns auf Arbeitsqualität und Produktivität

Bisher gibt es nur wenig internationale Literatur zu Produktivitätseffekten von Mindestlöhnen. Darüber hinaus gibt es kaum Ergebnisse für die Wirkung auf Arbeitsorganisation und -qualität. Produktivität und Arbeitsqualität dürften dabei in Zusammenhang stehen, denn aus Beschäftigtensicht höherwertige Arbeitsplätze dürften auch zu einer längeren Verweildauer im Betrieb und besserer Gesundheit beitragen. Beide Effekte sollen im Projekt genauer untersucht werden. Darüber hinaus sollen auch Betriebspanel-Daten für relevante Bestimmungsgründe der Produktivität verwendet werden. Datengrundlage sind SOEP, PASS, IAB-Betriebspanel, LPP und S-MGA. Das Projekt beginnt 2017 und läuft bis 2021.

Projektleitung: Dr. Toralf Pusch

 

 

Umfang der verdeckten Arbeitslosigkeit in Deutschland

Daten über die verdeckte (nicht registrierte) Arbeitslosigkeit sind bisher relativ ungenau (Umfang) bzw. gar nicht verfügbar (Dauer). Beispielsweise ist das ökonometrisch geschätzte IAB-Konzept der Stillen Reserve nicht stabil; die Daten schwanken stark von Jahr zu Jahr. Survey-Befragungen (EU LFS) ergeben ein stabileres Bild. Demnach gibt es in Deutschland derzeit ca. 1,5 Millionen Personen im erwerbsfähigen Alter (15-64), die gerne arbeiten würden, aber nicht als arbeitslos registriert sind. Auch diese Zahl unterschätzt vermutlich den Umfang des Problems, da in Surveys der untere und obere Rand der Einkommensverteilung in der Regel schlecht erfasst ist. Zudem weiß man wenig über die Struktur der verdeckten Arbeitslosigkeit. Beispiele für Forschungsfragen umfassen den Gesundheitszustand, den Umfang von eventuell in der Schattenwirtschaft ausgeübten Tätigkeiten und die Dauer der verdeckten Arbeitslosigkeit.

Bisherige Ergebnisse deuten darauf hin, dass die betroffenen Personen kaum auf den Arbeitsmarkt zurückkommen und zu guten Teilen schon sehr lange aus der Erwerbstätigkeit ausgeschieden sind (in Deutschland im Schnitt ca. zehn Jahre). Angesichts der geringen Chancen auf Rückkehr in den Arbeitsmarkt widmet sich das Projekt insbesondere der Frage, was arbeitsmarkt- und sozialpolitisch getan werden kann, damit es weniger Abgänge aus Erwerbstätigkeit in verdeckte Arbeitslosigkeit gibt. Auch der Gesundheitsschutz und die Arbeitsorganisation können hier eine Rolle spielen. Datengrundlage sind SIAB, SOEP, PASS-ADIAB und S-MGA.

Projektleitung: Dr. Toralf Pusch

 

 

Verbesserung der Datenqualität für die Mindestlohnforschung in Deutschland

Die bisherige Forschung zu den Effekten des Mindestlohns in Deutschland ist mit einer Vielzahl von Datenproblemen konfrontiert. Die größten Probleme gibt es bei der Arbeitszeiterfassung, die z.B. in administrativen Daten nicht abgebildet ist. Aber auch in Befragungsdatensätzen ist die Detailtiefe häufig nicht ausreichend, so werden z.B. unbezahlte Überstunden bzw. weitere Grauzonen bei Mindestlohnumgehungen kaum erfasst. Auch über die Abrechnungszeiträume und das Vorliegen von Überstundenzuschlägen gibt es unzureichende Daten. In diesem Forschungsprojekt soll mittels bestehender Daten einigen offenen Fragen nachgegangen werden. Darüber hinaus wird die Möglichkeit von Zusatzbefragungen ausgelotet, und es werden dafür geeignete Fragestellungen entwickelt.

Projektleitung: Dr. Toralf Pusch

 

 

Beschäftigtenbefragung

Welche Formen flexiblen und mobilen Arbeitens gibt es in Deutschland? Welche Beschäftigtengruppen arbeiten flexibel und mobil? Und welche Folgen hat flexibles und mobiles Arbeiten in Hinblick auf Arbeitsintensivierung, Work-Life-Balance und Gesundheit? Diese Fragen können aufgrund der erheblichen Unschärfe von Erhebungsinstrumenten bestehender Sekundärdaten bisher nur unzureichend beantwortet werden. Ziel des Projekts ist daher die Erarbeitung und Validierung von Instrumenten/ Indikatoren zur Erfassung von flexiblen und mobilen Arbeitsarrangements und die Durchführung einer repräsentativen Beschäftigtenbefragung, die ggf. als Panel weitergeführt werden kann.

Projektteam: Dr. Elke Ahlers, Dr. Yvonne Lott, Dr. Toralf Pusch

 

 

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Forschungsprojekte im Bereich

Soziale Ungleichheit und Risiken

Erwerbshybridisierung in Europa: Struktur, Dynamik, Interessenvertretung und soziale Sicherheit

Die Hybridisierung der Erwerbsarbeit wird zu einem wesentlichen Merkmal der Arbeitswelt in den EUMitgliedsländern: Erwerbsverläufe werden nicht nur durch verschiedene, aufeinander folgende Phasen abhängiger und selbstständiger Erwerbsarbeit und auch Nichterwerbstätigkeit geprägt, sondern zunehmend auch durch Mehrfachbeschäftigungen bzw. zeitgleiche Kombinationen von selbstständiger und/oder abhängiger Beschäftigung. Auch Phasen von marginaler Teilzeitbeschäftigung bzw. marginaler Selbstständigkeit als einzige Erwerbstätigkeit gewinnen im Erwerbsverlauf an Bedeutung. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Analyse der Struktur und Entwicklung hybrider Beschäftigung im Ländervergleich, die notwendige arbeits-, sozial- und kollektivrechtliche Flankierung dieser Entwicklung sowie die Frage nach der Organisierung und Interessenvertretung der betreffenden Erwerbstätigen.

Das Projekt besteht aus drei zusammenhängenden Arbeitsschwerpunkten:

(1) Im Teilprojekt „Erwerbshybridisierung – Struktur und Dynamik“ sollen Entwicklung und Struktur hybrider Erwerbsformen und ihre Bedeutung im Lebensverlauf anhand von Längsschnitt- und Paneldaten (u.a. SOEP, BHPS, Labour Supply Panel) analysiert werden. Das Teilprojekt soll ländervergleichend (Niederlande, UK, Deutschland und zu bestimmten Fragestellungen auch Polen, Italien, Dänemark, Österreich) auf einer breiten empirischen Basis ein facettenreiches Bild der Struktur und der Dynamik hybrider Erwerbstätigkeit und der damit verbundenen Erosion des Normalarbeitsverhältnisses liefern.

(2) Ein weiterer Teil des Projekts besteht in der Fortführung eines Verbundes und gemeinsamer Forschungsarbeiten von Forscher/innen aus sieben EU-Mitgliedsländern zu Fragen der arbeits-, sozial- und kollektivrechtlichen Absicherung atypischer und hybrider Erwerbstätigkeit.

(3) Ein dritter Arbeitsschwerpunkt geht der Frage nach der Organisation und Interessenvertretung von hybrid und selbstständig Erwerbstätigen im Ländervergleich nach. In den am Forschungsverbund beteiligten Ländern sollen leitfadengestützte Interviews mit Rechtsexperten und mit Vertretern von Interessenvertretungen geführt werden.

Projektleitung: PD Dr. Karin Schulze Buschoff

Publikationen:
Mikkel Mailand and Tine P. Larsen, Hybrid work - Social protection of atypical employment in Denmark. WSI Study 12, 03/2018 (pdf)

Jacqueline O' Reilly and Christine Lewis, Social protection of mainstream and marginal employment in the UK. WSI Study 15, 09/2018 (pdf)

 

 

Sozialstaat und Sozialversicherung

Der deutsche Sozialstaat baut nach wie vor in erheblichem Maße auf der öffentlichen Sozialversicherung auf. Das WSI bearbeitet Fragen nach Wandel und Weiterentwicklung der Sozialpolitik mit Schwerpunkt auf Sozialversicherung (ergänzt um Fragen der Grundsicherung) zum einen in Auseinandersetzung mit politischen Entwicklungen und Reformvorschlägen. Hier geht es beispielsweise um Reformoptionen wie die Weiterentwicklung der Sozialversicherung zur Erwerbstätigen- bzw. Bürgerversicherung oder die Bestimmung eines angemessenen Leistungsniveaus (etwa Rentenniveau).

Es behandelt zum anderen Fragestellungen aus einer vergleichenden Perspektive: Das Beispiel Österreich zeigt, dass die Institution Sozialversicherung anders ausgerichtet und gesellschaftlich eingebettet sein kann als in Deutschland. Durch eine Fallanalyse wird eine Gesamtschau auf die anderen Zweige der Sozialversicherung und die Einbettung in das weitere politische System erstellt.

In vergleichender Perspektive sollen Entwicklungen des „egalitären Kapitalismus“ in Westeuropa beleuchtet werden. Dieser steht immer wieder vor neuen, oft nicht vorhersehbaren Herausforderungen, wie etwa Finanz-/Wirtschafts-/Euro-Krise und Flüchtlingswelle. Es soll das Zusammenspiel der jeweiligen sozioökonomischen Situation mit den sozialen Sicherungssystemen mit Fokus auf verschiedene Zweige der sozialen Sicherung, den Arbeitsmarkt und die soziale Lage untersucht werden. Dabei ist eine Kombination aus Länderfallstudien und Erhebung und statistischer Auswertung eigener Daten vorgesehen.

Projektteam: Dr. Florian Blank, Dr. Eric Seils

 

 

Erbschaftsbesteuerung in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand in der materiellen Verteilungsforschung das (Arbeits-)Einkommen im Zentrum der theoretischen und empirischen Analysen. Mit zunehmendem Wohlstand rückten aber nach und nach auch das private Vermögen sowie das Kapitaleinkommen in den Vordergrund. In den letzten Jahren spielte zudem die Untersuchung von intergenerationalen Transfers (Erbschaften und Schenkungen) eine immer größere Rolle. Sie sind ein relevanter Faktor für privates Vermögen. Erbschaften und Schenkungen werden in Deutschland schon lange besteuert. Doch wie hat sich die effektive Steuerbelastung von Erbschaften seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt? Ist sie mit deren Bedeutung gestiegen oder gesunken? In einem ersten Schritt werden die über die Zeit unterschiedlichen Steuersätze, Freibeträge, Befreiungen usw. für unterschiedliche Beträge und Arten von Vermögen anhand von Gesetzestexten und Literatur recherchiert und vergleichbar gemacht. In einem zweiten Schritt wird basierend auf Durchschnittsvermögenswerten untersucht, ob eine systematische Be- oder Entlastung einiger Vermögensarten (Immobilien, Betriebsvermögen, Finanzvermögen) beobachtet werden kann. Darüber hinaus werden im Rahmen des Verteilungsmonitorings aktuelle Entwicklungen analysiert. Die Arbeit konzentriert sich insbesondere auf die Ränder der Verteilung, also die Untersuchung von Armut und Reichtum. Ein Schwerpunkt der Armutsforschung ist der Fokus auf spezielle Gruppen (Kinder, Erwerbstätige, Migrant/innen, Senioren). Hierbei wird die materielle Armut ebenso in den Blick genommen, wie die weitere Lebenslage (Bildung) und die institutionelle Bearbeitung von Armut (SGB II).

Projektleitung: Dr. Anita Tiefensee

 

 

Betriebliche und tarifliche Sozialpolitik

Im Zuge des Rückbaus staatlicher Sozialpolitik sind tarifliche und betriebliche Sozialpolitik verstärkt in die Aufmerksamkeit von Politik und Wissenschaft geraten. Analysen verschiedener Politikbereiche weisen darauf hin, dass tarifliche/betriebliche Regelungen keineswegs als einfache Kompensation für den staatlichen Rückzug zu verstehen sind. Eine systematische, politikfeldübergreifende Analyse, in der Erkenntnisse aus den einzelnen Feldern aufeinander bezogen und Zusammenhänge hergestellt werden, steht aber noch aus. Ebenso sind manche Politikbereiche noch untererforscht. Offen ist auch, inwiefern Unterschiede zwischen Politikbereichen theoretisch erklärt werden können, also unter Rückgriff etwa auf Machtressourcenansatz oder VOC. Hier kann die Betriebsrätebefragung ein wichtiges Instrument darstellen, um betriebliche und tarifliche Sozialleistungen in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Weitere Datengrundlagen für Analysen sind Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen.

Projektleitung: Dr. Florian Blank

 

 

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Forschungsprojekte im Bereich

Industrielle Beziehungen und das europäische Sozialmodell

Duales System revisited: Das Verhältnis zwischen betrieblicher und überbetrieblicher Mitbestimmung

Das deutsche System der Regulierung von Arbeit ist wiederholt mit Rückgriff auf die Figur des „dualen Systems“ beschrieben worden. Demnach obliegt es Gewerkschaften und Arbeitgebern, zentrale Standards wie Einkommen und Arbeitszeiten auf der überbetrieblichen Ebene auszuhandeln, während die betrieblichen Akteure Betriebsrat und Geschäftsleitung Fragen der Anwendung der Tarifverträge sowie der betrieblichen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen zu regeln haben. Die Frage allerdings, wo innerhalb dieser Betrachtung zweier aufeinander bezogener „Arenen“ oder auch „Kampfplätze“ die Mitbestimmung auf Unternehmensebene zu verorten ist, ist bislang weitgehend unbeantwortet geblieben. Das Forschungsprojekt will einen Beitrag dazu leisten, diese Lücke zu schließen. Im Zentrum der Analyse soll die Frage stehen, ob sich die Mitbestimmung im Aufsichtsrat quasi als „Unterabteilung“ der betrieblichen Mitbestimmung auffassen lässt („vertrauensvolles Zusammenwirken“ mit der Geschäftsleitung bei gleichzeitiger Abwertung materieller Verteilungsfragen) oder einer eigenen Funktionslogik (z.B. Machtressource der Betriebsräte oder disziplinierende Kraft) folgt.

Projektleitung: PD Dr. Martin Behrens

 

 

Zersplitterung der Mitbestimmung im öffentlichen Dienst

Die Mitbestimmung im öffentlichen Dienst Deutschlands unterliegt im letzten Jahrzehnt einem starken Wandel. Bis zum Jahr 2006 waren die Bundesländer in der Gestaltung ihrer Landespersonalvertretungsgesetze (LPVG) an die Vorgaben des Bundespersonalvertretungsgesetzes (BPers- VG) gebunden. Im Jahr 2006 wurde durch die Föderalismusreform I die Gesetzgebungskompetenz zwischen Bund und Ländern neu aufgeteilt. Durch den generellen Wegfall des Rahmenrechts verlor das BPersVG für die Länder seine Gültigkeit. In der Folge änderten viele Bundesländer ihre LPVG. Eine Zersplitterung und Differenzierung der Mitbestimmung im öffentlichen Dienst ist die Folge, auch gegenüber der Mitbestimmung in der Privatwirtschaft – ein Umstand, den die empirische industrial relations-Forschung bislang komplett ignoriert. Die forschungsleitende Frage ist daher, wie sich die Änderungen in den LPVG auf die Mitbestimmungspraxis in den Bundesländern auswirken. Zwischen den Bundesländern verglichen werden sollen die faktischen Informationsrechte der Personalräte, das „förmliche Beteiligungsverfahren“, die Wirkung des Evokationsrechts/der Einigungsstelle und Dienstvereinbarungen.

Projektleitung: Dr. Wolfram Brehmer

 

 

Lohnsetzung, Tarifpolitik und Verteilungswirkungen

Löhne haben in einer Volkswirtschaft weitreichende Verteilungswirkungen: Die Entgelthöhe und ihre Relation zur Arbeitsproduktivität hat entscheidenden Einfluss auf die funktionale Einkommensverteilung, die Spreizung der Entgelte beeinflusst die personale Einkommensverteilung direkt. Den Lohnsetzungsinstitutionen und den Strategien der Tarifparteien kommt deshalb eine wichtige Rolle für die Entwicklung gesamtgesellschaftlicher Ungleichheit zu. Das Forschungsvorhaben hat zum Ziel, die Verteilungswirkungen von Lohnsetzungsinstitutionen und Tarifpolitik umfassend zu analysieren. Anders als neoklassische Ansätze geht es davon aus, dass Produktivitätsfortschritte sich nicht automatisch in steigenden Löhnen niederschlagen, sondern der Zusammenhang durch das institutionelle Gefüge der Lohnsetzung vermittelt wird. Die Organisationsmacht der Gewerkschaften, ihre Verhandlungsstrategien und die von ihnen erzielten Tarifabschlüsse sind damit von zentralem analytischem Interesse. Tarifverträge binden jedoch immer weniger Betriebe. Deshalb fragt das Forschungsvorhaben auch, inwiefern Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur, ein Rückgang des Organisationsgrades der Gewerkschaften und Tarifflucht der Arbeitgeber zum Rückgang der Tarifbindung geführt haben – und welche Auswirkungen dies auf Entgelthöhe und Entgeltspreizung hat. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob es in Deutschland zu einer Entkopplung der Löhne in den Dienstleistungssektoren von denen im verarbeitenden Gewerbe gekommen ist. Der Fokus des Vorhabens liegt auf Deutschland, wobei auch vergleichende Analysen weiterer OECD- und EU-Länder durchgeführt werden.

Projektleitung: Dr. Malte Lübker

 

 

Stärkung der Tarifbindung in Deutschland

Der anhaltende Rückgang der Tarifbindung in Deutschland auf mittlerweile nur noch etwa 50 Prozent hat bei Tarifvertragsparteien und in der Politik zu Debatten geführt, wie der Trend gestoppt und umgekehrt werden kann. Ein Ergebnis war das 2014 verabschiedete „Tarifautonomiestärkungsgesetz“, das bisher jedoch nicht dazu beiträgt, die Tarifbindung in Deutschland wieder zu erhöhen.

Die international vergleichende Forschung zeigt, dass eine hohe Tarifbindung entweder „von unten“, d.h. durch gewerkschaftliche Organisationsmacht, oder „von oben“, d.h. durch politische Unterstützung wie AVE und anderen Regelungen, tarifdispositiven Regelungen usw. erreicht werden kann, wobei in den einzelnen Ländern beide Ansätze in jeweils unterschiedlicher Form zusammenwirken.

Auch für Deutschland lassen sich in jüngster Zeit für beide Ansätze verschiedene Beispiele finden, die auf eine Stärkung der Tarifautonomie zielen. Das Forschungsprojekt untersucht sowohl Formen der Stärkung „von unten“ (erstmalige systematische Einbeziehung nicht-tarifgebundener Unternehmen, bedingungsgebundene Tarifpolitik zur Durchsetzung von Tarifverträgen, Häuserkämpfe zur Verteidigung/Durchsetzung der Tarifbindung) als auch Maßnahmen zur Stärkung „von oben“ (Reform der Allgemeinverbindlicherklärung, tarifdispositive Regelungen). Dazu wird eine Reihe von Einzelstudien durchgeführt, die Erfahrungen, Reichweite und Grenzen verschiedener Initiativen im Hinblick auf ihren Beitrag zur Stärkung der Tarifbindung untersuchen. Zudem sollen die Einzelinitiativen im Kontext der zukünftigen Entwicklung des deutschen Tarifvertragssystems eingeordnet werden.

Projektleitung: Prof. Dr. Thorsten Schulten

 

 

Gewerkschaftliche Interessenvertretung entlang internationaler Wertschöpfungsketten: Eine Untersuchung am Beispiel der Automobilindustrie in Ungarn

Lag der Wertschöpfungsanteil der deutschen Automobilhersteller (OEM, original equipment manufacturer) an der Fahrzeugproduktion in den 1980er Jahren bei ca. 50 Prozent, so waren es 2012 noch 20 Prozent. Outsourcing, Verlagerungen und eine stark ausdifferenzierte Zuliefer- und Dienstleistungskette haben zu einer entsprechend weit gefächerten Ausdifferenzierung der Arbeitsbedingungen geführt. Analoge Prozesse prägen auch die internationale Standortpolitik der Automobilkonzerne. Im Zentrum stehen gewerkschaftlich hochorganisierte, mitbestimmte OEMs, und ein Teil der skizzierten Entwicklung ist eingebettet in ausgehandelte Standort- und Ansiedlungskompromisse. Seit 2011 vertritt die IG Metall offensiv den Anspruch, alle Beschäftigten entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu vertreten.

Das im Frühjahr 2016 begonnene Forschungsprojekt basiert auf einer sich über drei bis vier Jahre erstreckenden wissenschaftlichen Begleitung der Transnationalen Partnerschaftsinitiative (TPI) der IG Metall. Die TPI-Arbeit erstreckt sich derzeit auf internationale Partnerschaften der IG Metall mit Gewerkschaften in den USA und Ungarn – Branchenschwerpunkt ist die Zuliefersparte der Automobilindustrie. Der Fokus liegt auf der Analyse der gewählten gewerkschaftlichen Strategien sowie der Konflikte und Spannungsfelder, innerhalb derer sich das Vorhaben bewegt, und deren Bearbeitung.

Fragestellungen sind dabei unter anderem: Welche Ziele verfolgen die beteiligten Gewerkschaften (auf den verschiedenen zentralen und regionalen Ebenen)? Welche Kooperations- und Spannungsfelder ergeben sich in der Partnerschaft unterschiedlicher nationaler Branchengewerkschaften? Wo liegen die Interessen der in unterschiedliche Wettbewerbskoalitionen eingebundenen Betriebsräte bzw. gewerkschaftlichen Betriebsorganisationen bei OEMs und Zulieferbetrieben? Wie verhält es sich um die Machtressourcen der Beschäftigten der Zulieferer, wenn auf Grund enger Verkettung bereits kurze Arbeitsniederlegungen bei den Zulieferern zu Produktionsausfällen bei den OEMs führen, andererseits aber der Entzug des Werkvertrages durch das OEM-Management den Arbeitsplatzverlust bedeuten kann? Wie groß ist unter diesen Bedingungen die jeweilige Bereitschaft, ein Gefälle in den Arbeitsbedingungen zu akzeptieren?

Projektleiter: Dr. Heiner Dribbusch

 

 

Exterritorialisierung und soziale Wiedereinbettung des Arbeitsrechts durch europäisches Recht? Der Fall der Revision der Entsenderichtlinie

Die Arbeitsbedingungen entsendeter Arbeitnehmer/ innen richten sich nach den Bestimmungen des Entsendelandes. Dadurch wird das Territorialitätsprinzip des nationalen Arbeitsrechts aufgehoben. In einem Wirtschaftsraum mit so unterschiedlichen Lohn- und Regulierungsniveaus wie der EU entstehen dadurch Probleme für die Regulierung von Arbeit. Durch die EU-Osterweiterung haben sich die Lohnunterschiede zwischen den Mitgliedstaaten weiter vergrößert, zudem hat die Rechtsprechung des EuGH die Möglichkeiten zur Regulierung von Entsendung eingeschränkt.

Nach zwanzig Jahre haben sich die EU-Mitgliedstaaten auf eine Revision der Entsendrichtlinie geeinigt. Aufgrund der großen Interessendivergenzen zwischen den Mitgliedstaaten und den hohen Mehrheitserfordernissen europäischer Politik galt eine legislative Re-Regulierung von Entsendung als unwahrscheinlich. Aus dieser Perspektive ist die Revision der Entsenderichtlinie ein erklärungsbedürftiges Ereignis. Wie und warum konnten die Interessengegensätze trotz der für alle betroffenen Mitgliedstaaten hoch sensiblen Thematik überwunden werden? Die Revision der Entsenderichtlinie stellt einen Testfall für die polit-ökonomische Integrationsliteratur ebenso dar wie für die Forschung zur Interaktion von rechtlicher und politischer Integration.

Projektleiter: Dr. Daniel Seikel

 

 

Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten von grenzüberschreitend und prekär Beschäftigten

Arbeitnehmerrechte, seien es der Mindestlohn, Versammlungsfreiheit und Mitbestimmung oder Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, werden unterschiedlich implementiert. Beschäftigte in betriebsratslosen Betrieben ohne Tarifbindung und in atypischer, kurzzeitiger Beschäftigung und Leiharbeit sind besonderem Risiko ausgesetzt; insbesondere wenn sie über ausländische Unternehmen verliehen oder entsandt wurden oder sich zwischen Kurzzeitbeschäftigung und Arbeitslosigkeit bewegen. Zwei Aspekte dieser Problematik stehen dabei im Mittelpunkt: 1) Rechtsverstöße und unzureichende Umsetzung arbeitsrechtlicher oder tariflicher Standards; 2) Monitoring, Aufsicht und Kontrolle der Rechtsumsetzung. Staatliche Aufsichts- und Kontrollstrukturen wurden personell geschwächt, erweisen sich darüber hinaus aber auch strukturell als unzureichend, um die Einhaltung der Arbeitnehmerrechte zu gewährleisten. Die Situation wird durch die Erosion der betrieblichen Interessenvertretung verstärkt. Es werden neben vorhandenen Datenquellen neue Datenquellen erschlossen. Hierzu zählt etwa die Auswertung der Beratungsdaten der Beratungsstellen von „Faire Mobilität“.

Projektteam: Birgit Kraemer, Prof. Dr. Anke Hassel, Bettina Wagner

 

 

Arbeitnehmerbeteiligung und gute Unternehmensführung in Europa

Transnationale Unternehmen haben heute mehr wirtschaftliche und politische Macht als jemals zuvor. Sie sind wesentliche Akteure in der Gestaltung der Globalisierung und der wirtschaftlichen Entwicklung der Regionen in Europa. Die soziale Einbettung und politische Regulierung transnationaler Unternehmen ist eine zunehmend bedeutsame Aufgabe in der europäischen Politik. Eine wichtige, aber bislang unterschätzte Rolle spielen dabei Institutionen der Arbeitnehmerbeteiligung in der Unternehmensführung, die in über der Hälfte der Mitgliedstaaten der EU vorzufinden sind.

Die Expertengruppe „Workers‘ Voice and Good Corporate Governance in Transnational Companies in Europe“ hat sich von 2015 bis 2018 mit Fragen zur Rolle von Arbeitnehmerbeteiligung in der Corporate Governance, Unternehmensverantwortung und Restrukturierung befasst. Sie hat im Sommer 2018 ihre Ergebnisse vorgelegt und weitere Forschungsfragen formuliert. Auf der Grundlage eines neuen Datensatz mit 850 europäischen Unternehmen untersuchen wir den Zusammenhang der in der EU vorhandenen Formen der Arbeitnehmerbeteiligung und Aspekten der Unternehmensverantwortung, sozialer Ungleichheit und Beschäftigung.

 

Projektteam: Prof. Dr. Anke Hassel, Nicole Helmerich (Universität Lausanne)

 

 

INVOTUNES – National trade union involvement in the European Semester

Die Einführung des Europäischen Semesters stellt einen Einschnitt in die europäische Governancestruktur dar. Unter formaler Wahrung der Autonomie der Nationalstaaten gibt die EU nun jährlich nationalspezifische Handlungsempfehlungen zur Finanz- und Wirtschafts-, aber auch zur Tarif-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik ab. Im Anschluss müssen Regierungen die Empfehlungen in „Nationalen Reformprogrammen“ umsetzen. Das Europäische Semester sieht die Konsultation verschiedener Stakeholder vor. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schreibt insbesondere der Konsultation der Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften Bedeutung für die Legitimation des Prozesses zu.

Angesichts der Diskussion um die Demokratiedefizite der European Economic Governance zieht das Europäische Semester vermehrt wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf sich. Kritiker fokussieren auf die wirtschafts- und fiskalpolitische Ausrichtung, während optimistischere Stimmen auf die Zunahme sozialpolitischer Themen und die gestiegene Bedeutung des Konsultationsprozesses verweisen. Die Konsultation und der Einfluss der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände sind bislang untererforscht. Bisherige Untersuchungen knüpfen unzureichend an die wissenschaftliche Debatte um die European Governance und ihr Demokratiedefizit an. Diese Lücke soll das Forschungsprojekt unter Leitung des Social Europe Observatory (OSE) schließen, das nach der Beteiligung der Sozialpartner an der Ausarbeitung der Empfehlungen und Reformprogramme fragen soll.

Projektleitung: Birgit Kraemer

 

 

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Schwerpunktübergreifende Projekte

Forschungsstelle Soziales Europa

Die Forschergruppe Soziales Europa ist ein multidisziplinäres Netzwerk von Wissenschaftler/innen und Praktiker/innen, die zu Fragen der sozialen Einbettung der Marktöffnungsprozesse der Europäischen Union arbeiten. Sie konzentriert sich auf die Folgen der Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarktes für die soziale Regulierung von Arbeit und Unternehmen und für die Sozial- und Wirtschaftspolitik. Sie beschäftigt sich insbesondere mit dem Spannungsverhältnis der Möglichkeiten von Regulierungsarbitrage durch die Liberalisierung und lückenhafte Regulierung des europäischen Wirtschaftsraums und der Forderung nach einer Agenda für eine europäische Sozialpolitik durch soziale Standards für Arbeitnehmer/innen und wirtschaftsschwache Regionen. Die Forschungsstelle führt eigene Forschungsprojekte durch und bietet eine Plattform für extern finanzierte Projekte. Die finanzielle Ausstattung ermöglicht Workshops, internationalen Austausch, Publikationen und Transfer in die politische Öffentlichkeit sowie Bereitstellung und Aufarbeitung von Forschungsergebnissen und Daten.

Die Themen der Forschergruppe sind
– Mobilität von Unternehmen in der EU; Digitalisierung des Unternehmensrechts und Folgen von Rechtsunsicherheit
– Investorenverhalten in der EU; Restrukturierung und Kapitalmarktregulierung
– Arbeitnehmerfreizügigkeit; Briefkastenfirmen und Entsendung
– Soziale Standards; Mindestlohn und Grundsicherung
– Harmonisierung des Gesellschaftsrechts in der EU und Arbeitnehmerbeteiligung.

Projektteam: Prof. Dr. Anke Hassel, Dr. Daniel Seikel

 

 

Zusammenarbeit oder Abgrenzung? Gewerkschaften und rechtspopulistische Regierungsparteien

In vielen Ländern Europas haben sich rechtsextreme/ rechtspopulistische Parteien etabliert, ein Trend, dem Deutschland nun auch zu folgen scheint. Das stellt die traditionell mehrheitlich sozialdemokratisch, respektive sozialistisch geprägten Gewerkschaften Westeuropas sowohl im Verhältnis zu ihren Mitgliedern, die diese Parteien teilweise unterstützen, als auch in Bezug auf diese Parteien selbst vor besondere Herausforderungen. Dies gilt vor allem dann, wenn diese Parteien an nationalen oder regionalen Regierungen beteiligt sind. Sind unter diesen Bedingungen arbeitsfähige Beziehungen zu Politik und Regierung für die etablierten Gewerkschaften überhaupt noch möglich? Und wenn ja, wie sehen diese aus? Tritt mit der Zeit ein Gewöhnungseffekt ein, der einen pragmatischen Umgang mit diesen Parteien ermöglicht? Diesen Fragen wollen wir am Beispiel des Umgangs der jeweils führenden gewerkschaftlichen Dachverbände mit rechtsextremen/rechtspopulistischen Regierungsparteien in Österreich, Norwegen (respektive Dänemark) und der Schweiz nachgehen.

Projektteam: Dr. Florian Blank, Dr. Wolfram Brehmer, Dr. Heiner Dribbusch

 

 

Nationale Wachstumsstrategien und Wohlfahrtsstaatsreformen

Auf der Suche nach einer neuen Wachstumsdynamik verfolgen die Regierungen der entwickelten Industrienationen eigene Wachstumsstrategien, für die Reformen der sozialen Sicherung, Arbeitsmarktregulierung und Bildungssysteme eine wichtige Rolle spielen. Auf europäischer Ebene wird seit Ende der 1990er Jahre daran gearbeitet, ein Wachstumsmodell für die EU-Mitgliedstaaten zu entwickeln, das gemäß der Lissabon-Strategie „die Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt machen [soll] – einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen“ – und zu dessen Kernelementen ein „erneuerter“ sozialer Schutz gehört. Auch in der neuesten Fassung, der Strategie Europa 2020 für ein „intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“, wird für Reformen des Sozialstaates plädiert. Unlängst wurden auch in der EU-Strategie für Wettbewerbsfähigkeit wirtschaftspolitische Orientierungen (Sparmaßnahmen, Wachstum durch Kostenwettbewerb und Exportkapazitäten) mit „Strukturreformen“ der sozialen Sicherungssysteme verbunden.

Die neuere Literatur der vergleichenden politischen Ökonomie zeigt, dass sich konsistente Muster in den Zusammenhängen zwischen den Strukturen von Wirtschaft, Wirtschaftspolitik, Beschäftigungspolitik, Ausbildungssystemen und sozialer Sicherung nachweisen lassen. Beispiele dafür sind vor allem die Forschungen in der Tradition der französischen „Regulationsschule“ (Boyer, Aglietta), der „Varieties of Capitalism“-Ansatz (Hall und Soskice) und die Wohlfahrtsstaattypologie (Esping- Andersen). In diesen Arbeiten werden regelmäßig Regime oder Typen herausgearbeitet. Daher bleibt die Herangehensweise oft statisch und zu abstrakt, um den Strukturwandel im Zuge von Deindustrialisierung, dem Aufkommen einer neuen digitalen Dienstleistungswirtschaft und/oder Finanzialisierung analysieren zu können.

Ziel des Projekts ist es zu bestimmen, wie Wirtschaftspolitik und sozialstaatliche Reformen in unterschiedlichen Ländern ausgerichtet wurden, um in Zeiten der Deindustrialisierung seit Ende der 1970er Jahre neues Wachstum und mehr Beschäftigung zu generieren. Dazu dienen detaillierte Analysen der Mechanismen, die die Beziehungen zwischen Wachstumsregimen und sozialer Sicherung prägen, sowie der Umsetzung unterschiedlicher „Wachstumsstrategien“.

Projektteam: Prof. Dr. Anke Hassel, Dr. Bruno Palier (Sciences Po Paris)

 

 

Zukunft der Mittelschicht

Ein Realschulabschluss und eine solide Ausbildung, eine Stellung als Krankenschwester oder Sachbearbeiter sicherte noch Anfang der 1990er Jahre den Aufstieg in die Mittelschicht. Heute kämpfen viele dieser Menschen mit dem sozialen Abstieg. Der Arbeitsmarkt ist dabei für viele von einem Ort der Identitätsstiftung und Positionssicherung zu einer Quelle der „Irritation der Lebensführung“ ¹ geworden. Grund sind nicht mangelnde individuelle Qualifikation und Leistungsbereitschaft, sondern die Prekarisierung der Beschäftigungsverhältnisse, die Erosion der Arbeitsmarktinstitutionen und die Entwertung mittlerer Qualifikationsniveaus. Dies erklärt in der Summe, warum sich Investitionen in die eigene Ausbildung für viele nicht mehr in einer gesicherten Existenz auszahlen, und trägt dazu bei, dass sich Abstiegsängste in der Mitte der Gesellschaft ausbreiten.

Das Forschungsvorhaben knüpft an die wissenschaftlichen Diskussionen um die zunehmende Prekarisierung von Lebenslagen in der Mittelschicht an und konzentriert sich auf die zentrale Rolle des Arbeitsmarktes. Aus der Perspektive der Beschäftigten wird gefragt, wie sich die Arbeit und Lebenswirklichkeit der unteren Mittelschicht seit den frühen 1990er gewandelt haben – anhand von Berufen mit mittleren Qualifikationsanforderungen, die früher die untere Mittelschicht geprägt haben. Wie haben sich Einkommenshöhe und -stabilität entwickelt, inwiefern sind unbefristete Vollzeitstellen durch prekäre Beschäftigung ersetzt worden? Wie schätzen die Beschäftigten ihre eigene Lage ein, welche Ängste und Unsicherheiten beschäftigen sie? Welche Veränderungen waren entscheidend, wie lässt sich die untere Mittelschicht stabilisieren? Die Ergebnisse sollen theoretische Überlegungen zur Rolle des Arbeitsmarktes zur Präkarisierung der unteren Mittelschicht empirisch unterfüttern.

Projektteam: Prof. Dr. Anke Hassel, Dr. Malte Lübker, Dr. Dorothee Spannagel

 

 

Arbeitsmarkt im Wandel: Fachkräftemangel?

Die Knappheitsverhältnisse am deutschen Arbeitsmarkt haben sich in den vergangenen zehn Jahren grundlegend gewandelt. Wo einst Massenarbeitslosigkeit herrschte, scheint heute die Vollbeschäftigung in Sichtweite. Aufgrund des demografischen Wandels wird das Arbeitsangebot in den kommenden zwei Jahrzehnten voraussichtlich deutlich sinken. Aus der Perspektive von Arbeitnehmer/innen ist es zunächst einmal erfreulich, da dies bei unveränderter Nachfrage nach Arbeit zu sinkender Arbeitslosigkeit und schließlich steigenden Löhnen führen sollte. Zudem bringt dies die Hoffnung mit sich, dass der Anteil prekärer Beschäftigungsverhältnisse sinkt.

Tatsächlich hat der Anteil schwieriger Stellenbesetzungen zugenommen. Nach Angaben der Bundesagentur sind von der Altenpflege bis zur Zimmerei eine ganze Reihe von Berufen von Engpässen betroffen, ohne dass man von einem flächendeckenden Fachkräftemangel sprechen könnte. Gleichzeitig besteht in Deutschland ein ungenutztes Arbeitskräftepotential von 5,1 Millionen Menschen, die gern (mehr) arbeiten würden.

Aus arbeitnehmerorientierter Perspektive wirft eine solche Situation Fragen auf: Wie gravierend ist der Fachkräftemangel? Welche Branchen sind betroffen? Welche Rolle spielt dabei die Qualität der Arbeit? Nach welchen Regeln sollte ggf. eine Einwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten erfolgen? Welche Auswirkung hat die Einwanderung auf die Löhne und die Einkommensungleichheit?

Projektteam: Dr. Eric Seils, Dr. Elke Ahlers, Jutta Höhne, Dr. Yvonne Lott, Dr. Toralf Pusch

 

 

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