Implikationen

Die berechneten Veränderungen des Niveaus und der Struktur der Kinderarmut haben Implikationen  für die Armutspolitik:

Erstens wird die Kinderarmut in den Daten für 2016 voraussichtlich ein Niveau von 20,2 Prozent erreichen, welches etwas unter dem Höchststand (20,5 Prozent) des Jahres 2004 liegt. In den folgenden Jahren wird sie voraussichtlich wieder etwas zurückgehen, aber bei weiterer Zuwanderung auf einem erhöhten Sockel verbleiben. Somit dürfen die Anstrengungen und die damit verbundenen Aufwendungen für den Kampf gegen Kinderarmut nicht verringert werden. Der mit dem Überschreiten der Altersgrenze von 18 Jahren verbundene Kohorteneffekt lässt die jugendlichen Einwanderer zwar aus dem Fokus der Kinderarmutsstatistik verschwinden, bringt aber keine Entwarnung. Bei unzureichender Ausbildung werden viele als junge Erwachsene unter den armen Erwerbstätigen oder Arbeitslosen wieder auftauchen.

Zweitens sind seit Beginn der Einwanderungswelle Veränderungen in der Struktur der Kinderarmut zu bemerken. Diese schlagen sich unter anderem darin nieder, dass bei der Armut von kinderreichen Familien zwischen 2011 und 2015 ein kontinuierlicher Wiederanstieg um 2,8 Prozentpunkte auf 25,2 Prozent zu verzeichnen ist. Für 2016 ist ein weiterer Anstieg zu erwarten, da eingewanderte Ehepaare mit Kindern unter 18 Jahren im Schnitt mehr Kinder haben als jene ohne Migrationshintergrund (Statistisches Bundesamt 2016a, S. 13). Politisch bedeutsamer ist der Umstand, dass die Einwandererkinder einen wachsenden Anteil an den (armen) Kindern ausmachen. Ein wichtiger Aspekt der Kinderarmutspolitik der kommenden Jahre wird also darin bestehen müssen, die eingewanderten Eltern und insbesondere Mütter zu befähigen, Erwerbsarbeit zu Konditionen und Löhnen zu verrichten, die es ihnen ermöglicht, ihre Familien selbst über die Runden zu bringen. Mit Bezug auf die Kinder und Jugendlichen selbst besteht die Herausforderung darin, zukünftiger Armut durch Ausbildung zu begegnen. Es soll hier jedoch nicht der Eindruck erweckt werden, als wäre dies Bund, Ländern und Kommunen entgangen. Vielmehr unterstreichen die Zahlen die Wichtigkeit dieser Anstrengungen.

Drittens sollte nicht übersehen werden, dass trotz des zu erwartenden Rückgangs des Armutsrisikos die Masse der armen Kinder und Jugendlichen in Deutschland geboren wurde. Dies gilt umso mehr, als ihr Armutsrisiko in den letzten Jahren trotz Rekordbeschäftigung nur geringfügig gesunken ist. Sie sollten bei aller Aufmerksamkeit für die Einwanderer nicht vergessen werden.


Literatur

Bundesagentur für Arbeit. 2016. Kinder in Bedarfsgemeinschaften. Juni 2016. Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit.

Herzog-Stein, Alexander, Peter Hohlfeld, Katja Rietzler, Sabine Stephan, Thomas Theobald, Silke Tober, und Sebastian Watzka. 2017. Aufschwung setzt sich fort. Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2017/2018. IMK Report 123. Düsseldorf: IMK.

Seils, Eric, und Jutta Höhne. 2016. Kinderarmut in Deutschland.  (Zugegriffen: 12.1.16).

Seils, Eric, und Jutta Höhne. 2017. Kinderarmut & Flüchtlingskrise (pdf). (Zugegriffen: 21.4.17).

Statistisches Bundesamt. 2016a. Bevölkerung mit Migrationshintergrund - Ergebnisse des Mikrozensus. Fachserie 1 Reihe 2.2-2015. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

Statistisches Bundesamt. 2016b. Leistungen an Asylbewerber. Fachserie 13 Reihe 7. 2015: Statistisches Bundesamt.

Statistisches Bundesamt. 2017a. Inlandsproduktsberechnung - Erste Jahresergebnisse -. Fachserie 18 Reihe 1.1-2016. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

Statistisches Bundesamt. 2017b. Wanderungen. Fachserie 1 Reihe 1.2-2015. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

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