WSI-Mitteilungen Ausgabe 01/2016

Martin Heidenreich

Der Pyrrhussieg des Egalitarismus. Einkommensungleichheiten in Europa


Volltext (pdf)

WSI-Mitteilungen 1/2016, Seiten 21–31

Zusammenfassung

In diesem Beitrag wird die Frage diskutiert, wie sich Armut und Einkommensungleichheiten in Europa vor und während der Eurokrise entwickelt haben. Auf Grundlage eines europäischen Mikrodatensatzes (EU-SILC) wird die weitgehende Stabilität der inner- und zwischenstaatlichen Einkommensungleichheiten in der EU herausgearbeitet. Erklärt werden kann diese durch die fortwirkende Bedeutung der egalitären Institutionen der Nachkriegszeit (Sozialstaat, Gewerkschaften, Bildung, industrielle Arbeit), aber auch durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen. Während die zwischenstaatlichen Ungleichheiten insbesondere zwischen Nord- und Südeuropa wieder zunehmen, setzt sich die wirtschaftliche und soziale Angleichung zwischen Ost- und Westeuropa fort. Auch die institutionellen Rigiditäten einer Währungsunion tragen zu weitgehend stabilen Einkommensungleichheiten in Europa bei, allerdings auch zu Massenarbeitslosigkeit in Südeuropa. Insgesamt zeigen diese Analysen, dass die grenzübergreifenden Bedingungsfaktoren und die transnationale Wahrnehmung ungleicher Lebenslagen durch die europäische Integration zentral für das Verständnis von Ungleichheiten sind.

Abstract

This article discusses the evolution of poverty and income inequality in Europe before and during the eurozone crisis. Based on a European micro data set (EU-SILC), the substantial stability of income inequality at the national and European level is demonstrated and explained by the continuing impact of the egalitarian institutions of the postwar period (particularly the welfare state, trade unions, education and industrial work), by a higher female employment rate and by developments in southern and eastern Europe in opposite directions: While the economic and social convergence of eastern and western European countries continues, between-nation inequalities are increasing particularly between the countries of northern and southern Europe. Also the institutional rigidities of the Economic and Monetary Union contribute not only to largely stable patterns of income inequality in Europe, but also to mass unemployment in the south of Europe. In sum, cross-border conditions and transnational perceptions of living situations are becoming increasingly central to an understanding of inequality in Europe.


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