WSI-Mitteilungen Ausgabe 05/2019

Anna Gonon

Frühes Eingreifen bei psychischer Arbeitsunfähigkeit als ambivalente Strategie


Volltext (pdf)

WSI-Mitteilungen 5/2019, Seiten 335-342

Zusammenfassung

Angesichts steigender Zahlen psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeit lautet die sozialpolitische Empfehlung, auf Frühintervention am Arbeitsplatz zu setzen. Ein möglichst frühes Eingreifen soll verhindern, dass psychische Gesundheitsprobleme ernster werden und zum Verlust der Arbeitsstelle führen. Inhaltlich ist das Prinzip des frühen Eingreifens jedoch unbestimmt. Der Beitrag untersucht anhand einer qualitativen Studie in zwei Versicherungs- und einem Industrieunternehmen in der Schweiz, wie betriebliche Akteure das Prinzip des frühen Eingreifens in der Wiedereingliederung psychisch erkrankter Beschäftigter umsetzen und welche Rolle es in ihren Strategien spielt. Die analysierten Praktiken der Frühintervention zielen darauf ab, die Akzeptanz für das eingeschränkte Arbeitsvermögen der Betroffenen zu fördern. Die Akteure blenden betriebliche Faktoren, die zu psychischen Belastungen beitragen, jedoch tendenziell aus. Frühe Interventionen unterstützen die Beschäftigten dabei, sich den Leistungsanforderungen optimal anzupassen, werden aber nicht darauf ausgerichtet, gesundheitliche Risiken am Arbeitsplatz frühzeitig zu beseitigen.

Abstract

In the face of the rising figures of work incapacity due to mental illness, social policy recommendations promote the strategy of early intervention. Intervening as early as possible is intended to prevent the deterioration of health and the loss of employment. However, the principle of early intervention lacks a clear definition. This article analyses the ways in which early intervention is practised in the occupational reintegration of employees with mental disorders, as well as the role that it plays in organisational strategies. Empirically, the article is based on a qualitative study in two insurance companies and one industrial company in Switzerland. The observed early intervention practices aim at promoting the acceptance of the limited capacity to perform that employees suffering from mental disorders have. However, the actors tend to neglect an examination of the organisational factors causing psychological strain. Early interventions support employees in conforming better to performance requirements, but are not directed towards the goal of an early elimination of health risks in the workplace.

 


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