WSI-Mitteilungen Ausgabe 04/2019

Thomas Haipeter

Transnationale Artikulation von Arbeitnehmerinteressen im Weltbetriebsrat von VW


Die WSI-Mitteilungen sind über den Nomos-Verlag erhältlich.

WSI-Mitteilungen 4/2019, Seiten 260-269

Zusammenfassung

Transnationale Interessenvertretungen stehen vor der Herausforderung, einerseits gemeinsame Arbeitnehmerinteressen zu identifizieren und andererseits das Zusammenspiel zwischen lokalen, nationalen und transnationalen Interessenvertretungsebenen zu organisieren. Beide Herausforderungen verbinden sich in der Artikulationspraxis von Interessenvertretungen und sind sowohl auf Deutungsmuster als auch auf Erwartungen und Machtressourcen zu beziehen, als umkämpfter sozialer Prozess zu verstehen und als fragile Konstruktion von Interessen zu fassen. Bei VW wird die Artikulation der Interessen zum einen durch das enge Zusammenspiel der transnationalen Interessenvertretungsebenen mit den nationalen deutschen Betriebsratsgremien geprägt, die ihre nationalen Machtressourcen auch zur Unterstützung transnationalen Handelns nutzen. Ihre besondere Form erhält die transnationale Koordination bei VW zum anderen durch den formalen Rahmen der Charta der Arbeitsbeziehungen und die unterstützende und aktivierende Rolle der Generalsekretariate. Diese Artikulationspraxis hängt entscheidend von den Deutungen der Interessenvertretungen ab, in deren Zentrum die Gefahren der Standortkonkurrenz sowohl für die Standort- und Beschäftigungssicherung als auch für die Arbeitsbedingungen stehen.

Abstract

Transnational representation of workers’ interests has to cope with two challenges: to identify common interests and to organise the interplay between the local, national and transnational levels of interest representation. Both challenges form the respective practice of articulation developed by transnational interest representations. The practice of articulation has different dimensions such as interpretations, normative expectations or power. It is to be regarded as a conflictual social process, and it will be able to fix interests only partially and temporarily.
At VW the transnational articulation of interests is, on the one hand, backed up by the organisational and institutional power of the German interest representatives and the transfer of national power resources to support transnational action. On the other hand, coordination is framed by the Charter of Labour Relations and the supporting role of the general secretariat of the global works council. The practice of articulation depends on interpretations of the actors, based on the common goal of safeguarding of locations and employment as well as working conditions.

 


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