WSI-Mitteilungen Ausgabe 04/2019

Malte Lübker

Europäischer Tarifbericht des WSI - 2018/2019: Positive Tariflohnentwicklung stabilisiert Wachstum in Europa


Die WSI-Mitteilungen sind über den Nomos-Verlag erhältlich.

WSI-Mitteilungen 4/2019, Seiten 278-289

Zusammenfassung

In den EU-Ländern sind im Durchschnitt die Nominallöhne im Jahr 2018 deutlich stärker (+2,8 %) als in den Vorjahren gewachsen. Auch im laufenden Jahr setzt sich das Wachstum fast unvermindert fort. Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist die Dynamik der Tariflöhne. Diese stiegen im vergangenen Jahr in der Euro-Zone um 2,0 % – der höchste Zuwachs seit fünf Jahren. Trotz überdurchschnittlich hoher Steigerungsraten in vielen osteuropäischen Ländern besteht in Europa aber weiterhin ein erhebliches Lohngefälle, das sich an der Spannweite der jährlichen Arbeitnehmerentgelte von 9100 € (Bulgarien) bis 70 000 € (Luxemburg) ablesen lässt. Eine Verstetigung des noch immer moderaten Expansionskurses bei den Löhnen ist auch angesichts der Eintrübung der Konjunktur wirtschaftlich sinnvoll, da höhere Löhne die Binnennachfrage stärken und eine wichtige Voraussetzung für höhere Inflationserwartungen und damit mittelfristig für eine Normalisierung der Geldpolitik sind. Die Aufgabe der Tarifpolitik bleibt aber gesellschafts- und verteilungspolitisch. Eine Stärkung der Tarifvertragsinstitutionen könnte einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung des von vielen Bürgern empfundenen Gerechtigkeitsdefizits der Europäischen Union leisten.

Abstract

Within the European Union nominal wages grew by 2.8 per cent in 2018, a considerably higher rate of growth than in prior years and wage growth is set to continue almost unabated in the current year. In the eurozone, wages received a boost from a 2.0 per cent increase in negotiated wage rates last year, the largest gain in five years. Despite above-average increases in most eastern European countries, large differences in pay levels persist across Europe ; annual compensation of employees ranges from € 9,100 (Bulgaria) to € 70,000 (Luxembourg). Despite a weaker economic outlook, further wage growth remains imperative as it strengthens domestic demand. It is also an important precondition for higher inflation expectations and hence a normalisation of the ECB’s monetary policy. However, collective bargaining first and foremost serves social and distributional objectives. Strengthening Europe’s collective bargaining institutions could be an important contribution towards addressing the concerns regarding social injustice that are voiced by citizens across the EU.

 


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