WSI-Mitteilungen Ausgabe 04/2018

Jutta Allmendinger, Kerstin Jahn, Markus Promberger, Brigitte Schels, Stefan Stuth

Prekäre Beschäftigung und unsichere Haushaltslagen im Lebensverlauf: Gibt es in Deutschland ein verfestigtes Prekariat?


Die WSI-Mitteilungen sind über den Nomos-Verlag erhältlich.

WSI-Mitteilungen 4/2018, Seiten 259–269

Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund des Strukturwandels der Erwerbsarbeit in den letzten Jahrzehnten sind die Begriffe Prekariat und Prekarität nach wie vor Gegenstand aktueller Debatten. Prekäre Beschäftigung scheint in Deutschland alltäglich geworden, jedoch in sozialer Hinsicht problematisch geblieben zu sein. Für den statistischen Nachweis und die Größenbestimmung eines Prekariats, verstanden als zeitlich stabile soziale Gruppe, deren Angehörige dauerhaft wenig Chancen auf Besserung ihrer Lage haben, fehlten in Deutschland bisher jedoch Längsschnittstudien. Erschwert wird die wissenschaftliche Befundlage überdies dadurch, dass prekäre Beschäftigung und prekäre Haushaltslagen bisher meist getrennt voneinander analysiert wurden. Der Beitrag untersucht die Frage, ob sich in Deutschland tatsächlich ein verfestigtes Prekariat herausgebildet hat, indem sowohl Beschäftigungs- als auch Haushaltsverläufe mithilfe einer Typisierung durch Sequenzclusteranalysen einbezogen werden. Grundlage ist das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) in zwei Zehnjahresperioden von 1993 bis 2012; rund 10 000 befragte Erwerbspersonen werden über eine komplexe Indexbildung auf den Grad der Prekarität untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass etwa ein Achtel der deutschen Erwerbsbevölkerung dauerhaft prekär beschäftigt ist und auch im Haushaltskontext unter prekären Umständen lebt.


Abstract

WSI-Mitteilungen 4/2018, PP 259-269

Precarious employment and insecure household situations: Is there consolidated precarity in Germany?

Precariousness and the precariat remain issues in the current discourses on the structural change of employment. Precarious employment, although still socially problematic, seems to be relatively widespread in today’s Germany. However, it is still an unsolved empirical question whether there actually is a precariat, understood as a social group or class living and working under precarious conditions, with little prospects to improve their life chances over time – and if so, how large the group is. So far, there is a lack of longitudinal studies, and most of the present studies investigate either precarious employment or precarious living circumstances of households. In this paper both employment and household contexts are considered in order to answer the question whether there actually exists a stable precarized social group in Germany. The empirical analysis is based on the German Socio-Economic Panel (G-SOEP) using data for two decades from 1993 to 2012. Indices capture the complex facets and extent of precarious employment and precarious life situations in the household for a sample of about 10 000 employed individuals. Results show that about one eighth of the surveyed employed individuals in Germany are constantly in a state of precariousness, where precarious employment and precarious life situations in the household are cumulating. 


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