WSI-Mitteilungen Ausgabe 07/2017

Irene Dingeldey, Andreas Etling, Till Kathmann, Paul de Beer

Niedriglohnentwicklung und Lohnungleichheit im Drei-Länder-Vergleich – Der Einfluss kollektiver Akteure


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WSI-Mitteilungen 7/2017, Seiten 499–506

Zusammenfassung

Die unterschiedliche Entwicklung der Tarifsysteme in Europa geht mit verschiedenen Dynamiken der Entwicklung von Niedriglohn und Lohnungleichheit einher. Dies wird in diesem Aufsatz am Beispiel der Niederlande, Österreichs und Deutschlands – also weitgehend ähnlicher Ökonomien – nachvollzogen. Die Autoren ergänzen institutionelle Erklärungen, wie sie in der Literatur betont werden, durch die Analyse der Strategien der Sozialpartner und des Staates. Für Österreich zeigt sich, dass die Arbeitgeber ihre Flexibilisierungsziele in einem stabilen, umfassenden Tarifsystem nur bedingt durchsetzen können. In Verbindung mit einer Strategie der Arbeitsplatzsicherung nehmen Gewerkschaften allerdings eine moderate Lohnungleichheit und Niedriglohnanteile in Kauf. In den Niederlanden konnten die Gewerkschaften ihre solidarische Lohnpolitik trotz institutioneller Stabilität nicht realisieren, da die Regierung die relative Absenkung der unteren Löhne forcierte. In Deutschland haben die Gewerkschaften mit der erfolgreichen Durchsetzung des gesetzlichen Mindestlohns die Lohnungleichheit verringert. Zur Senkung der hohen Niedriglohnquote scheinen jedoch weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Tarifsystems notwendig.

Abstract

Looking at the Netherlands, Austria and Germany, this article shows that the differing development of tariff systems in Europe is accompanied by different dynamics of low-wage employment and wage inequality. In doing so, the authors complement institutional explanations as emphasised in the literature with an analysis of the strategies of the social partners and the state. The results can be summarised as follows: In Austria with its stable and comprehensive tariff system, employers have only partly been able to enforce their aim of increased flexibility. However, in conjunction with a strategy of safeguarding jobs, unions have accepted moderate wage inequality and a moderate share of low-wage work. In the Netherlands, despite institutional stability unions have not been successful with their solidaristic wage policy because the government pushed ahead the relative lowering of lower wages. In Germany, unions have successfully fought for a statutory minimum wage, thus reducing wage inequality. However, in order to reduce the high share of low-wage earners, further measures to stabilise the tariff system seem to be necessary.


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