WSI-Mitteilungen Ausgabe 07/2017

Hansjörg Herr

Gesetzliche Mindestlöhne im post-keynesianischen Paradigma


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WSI-Mitteilungen 7/2017, Seiten 515–522

Zusammenfassung

Der Autor diskutiert aus einer post-keynesianischen Perspektive die unterschiedlichen Funktionen, die gesetzliche Mindestlöhne in verschiedenen Ländern erfüllen können. Sie können erstens eine Orientierung für die allgemeine Lohnentwicklung geben; zweitens können sie die Lohnstruktur von unten stauchen. In beiden Fällen sollten Mindestlöhne mindestens entsprechend der mittelfristigen Produktivitätsentwicklung und der gewünschten Inflationsrate ansteigen, um die Lohnentwicklung zu stabilisieren und einen nominellen Lohnanker zu unterstützen. Wenn Mindestlöhne die Lohnstruktur von unten stauchen bzw. einen ausufernden Niedriglohnsektor verhindern, tragen sie positiv zur aggregierten Nachfrage und Beschäftigung bei. Über verschiedene Mechanismen erhöhen sie zudem die Produktivität und verbessern die langfristigen Entwicklungschancen einer Ökonomie. Bei einer deutlichen Stauchung der Lohnstruktur von unten ändert sich die Struktur von Preisen, Konsumtion und Produktion. Insgesamt sind – anders als oftmals befürchtet – von Mindestlöhnen keine negativen makroökonomischen Beschäftigungseffekte zu erwarten, im Gegenteil: Sie tragen zur Stabilität der Ökonomie bei und helfen eine inklusive Gesellschaft zu schaffen oder zu erhalten.

Abstract

From a post-Keynesian point of view, the author argues that statutory minimum wages fulfil different functions in different countries. Firstly, they can give an orientation for the general wage development. Secondly, they can reduce wage dispersion from below. In order to stabilise wage development and support a nominal wage anchor, in both cases minimum wages should at least be increased according to medium-term productivity development and the desired inflation rate. If minimum wages compress the wage structure from below or prevent a large low-wage sector they contribute positively to aggregate demand and employment. Via different mechanisms minimum wages contribute to productivity increases and increase the chance of future prosperous development. In case of substantial compression of wages from below the structure of prices changes as well as the structure of consumption and production. Overall, minimum wages do not lead to negative macroeconomic employment effects, as sometimes expected. The opposite is the case. Minimum wages contribute to the stability of the economy and help to create or defend an inclusive society.

 


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