WSI-Mitteilungen Ausgabe 04/2017

Jennie Auffenberg, Nick Krachler

Arbeitsverdichtung im Krankenhaussektor: Erfolgreiche gewerkschaftliche Strategien zur Personalbemessung


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WSI-Mitteilungen 4/2017, Seiten 269–277

Gewerkschaften im deutschen und US-amerikanischen Krankenhaussektor sehen sich einer zunehmenden Vermarktlichung ausgesetzt, die den Arbeitsdruck für Krankenhausbeschäftigte steigert. Eine Möglichkeit, diesem Problem Abhilfe zu verschaffen, ist die Festlegung verbindlicher Personalbemessungsstandards. Mit einer Kombination aus Organizing und Social Movement Unionism haben sowohl die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di an der Charité in Berlin als auch die New York State Nurses Asssociation (NYSNA) in mehreren Krankenhäusern in New York erfolgreich tarifliche Personalbemessungsstandards und weitere Maßnahmen zur Vermeidung von Arbeitsüberlastung für Pflegekräfte erstreiten können. Vor dem Hintergrund traditioneller Theorien der industriellen Beziehungen sind diese Parallelen überraschend. Anstelle makroinstitutioneller Theorien ziehen die Autoren deswegen verschiedene akteurszentrierte Ansätze heran, die Faktoren auf der lokalen Organisationsebene und die Nutzung von Ressourcen und Handlungsspielräumen in den Mittelpunkt stellen, um die sehr ähnlichen Strategiewahlen zu erklären. Der Beitrag zeigt, dass ver.di an der Charité Berlin und NYSNA unabhängig voneinander erfolgreich Schritte zur Eindämmung der Arbeitsverdichtung durch den gezielten Aufbau insbesondere ihrer Organisationsmacht und ein gesellschaftspolitisches Framing des Konflikts erzielten, das die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren begünstigte.

Abstract

Trade unions in the German and U.S hospital sectors are facing increasing marketisation leading to work intensification for employees. Mandatory staffing levels can moderate this trend. Drawing on a combination of organising and social movement unionism, the United Services Union ver.di at the Charité Berlin, as well as the New York State Nurses Association (NYSNA) in several New York City hospitals, successfully concluded a collective agreement regulating staffing levels and implementing measures to limit work overload for nurses. Against the background of traditional industrial relations theories, those parallels are surprising. Instead of macro institutional theories, the authors use actor-centered approaches that focus on the local organisational level, power-resources and opportunity structures to explain the similar strategy choices. The paper shows how ver.di at the Charité Berlin and NYSNA successfully took steps independently of each other to limit the effect of marketisation on work intensification, by building up their organisational power, drawing on resources from local, political, media and other civil society actors, and framing their conflict in socio-political terms.

 


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