WSI-Mitteilungen Ausgabe 02/2017

Ralf Kopp, Michael Schwarz

Industrie 4.0 aus der Perspektive sozialer Innovationen


Volltext (pdf)

WSI-Mitteilungen 2/2017, Seiten 89–97

Zusammenfassung

Der Beitrag beleuchtet die Debatte um Industrie 4.0 aus einer auf soziale Innovation ausgerichteten Forschungsperspektive. Überzogene Ansprüchen ihrer Protagonisten im Hinblick auf Zwangsläufigkeit, Reichweite, Bedeutung und Leistungsversprechen werden ebenso kritisch aufgezeigt wie die Risiken einer Überbewertung derart technikzentrierter Visionen. Der dadurch ausgelöste Diskurs um Arbeiten 4.0 hat inzwischen deutlich an Eigenständigkeit gewonnenen und versucht, eigene Akzente zu setzen, indem der enge industriebezogene Fokus erweitert und die sozialen Belange und gesellschaftlichen Ansprüche im Zusammenhang mit der Digitalisierung stärker betont werden. In diesem Rahmen werden sowohl soziotechnische Ansätze zur Gestaltung der digitalen Arbeitswelt weiterentwickelt als auch die Zivilgesellschaft mobilisierende Governance-Prozesse forciert, ohne jedoch bisher die Dominanz der digitalen Agenda durch Industrie 4.0 reduzieren zu können. Der Ansatz sozialer Innovation schließt die Entwicklung partizipativer Formen der Arbeits- und Technikgestaltung ein, führt aber mit der Möglichkeit zur Analyse und Gestaltung von Transformationsprozessen als intentionale Neukonfiguration sozialer Praktiken über Industrie 4.0 hinaus. Eine daran orientierte Weiterentwicklung des bestehenden Governance-Modells der digitalen Transformation, die soziale Innovationen und damit die Frage eines kreativen bedarfsorientierten Umgangs mit Digitalität ins Zentrum rückt, ist dringend erforderlich.

Abstract

In this article, the debate on Industry 4.0 is critically examined from a research perspective oriented towards social innovation. We try to confront the exaggerated claims of its proponents in terms of inevitability, scope, relevance and promises of performance, and call attention to the risks of overvaluing such technology-centric views. In the meantime the thereby emerging discourse on Work 4.0 has developed a momentum of its own and tries to set its own trends by broadening the narrow focus on manufactories and by increasingly stressing the social interests and societal claims in the context of digitalisation. In this discourse, socio-technical basic approaches for designing digital workplaces are developed further, and governance processes mobilising civil society are expedited, though without being able to reduce the dominance of the digital agenda set by Industry 4.0. Social innovation includes participatory forms of designing workplaces and technology, but also goes beyond the concept of Industry 4.0 by granting the opportunity to analyse and design processes of transformation in terms of an intentional reconfiguration of social practices. Based on that, there is an urgent need for further development of existing governance models of digital transformation that put more focus on social innovation and thereby bring the question of how to deal with digitality on a creative and need-oriented basis more into the spotlight.

 


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