WSI-Mitteilungen Ausgabe 02/2017

Irene Becker

Kritik am Konzept relativer Armut – berechtigt oder irreführend?


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WSI-Mitteilungen 2/2017, Seiten 98–107

Zusammenfassung

Im vorliegenden Beitrag werden verbreitete Einwendungen gegen das Konzept relativer Einkommensarmut aufgegriffen und vor dem Hintergrund historisch-räumlicher Kontexte von statistischen Messkonzepten diskutiert. Eine grundsätzliche Kritik bezieht sich auf die Abstraktion vom Wohlstandsniveau. Sie ist allerdings nicht methodisch ausgerichtet, sondern richtet sich gegen die Fragestellung nach Armut im Sinne von Ausgrenzung und ist somit normativ begründet. Ausgangspunkt sind Vorstellungen von absoluter Armut, die nicht konkretisiert werden, während das Konzept relativer Einkommensarmut an Standards, aber auch Anforderungen in entwickelten Gesellschaften anknüpft. Weitere Kritik richtet sich konkret gegen die Indikatoren und bezieht sich meist auf Ungenauigkeiten infolge von eindimensionalen Messungen. Die damit verbundene Problematik wird aber meist einseitig dargestellt. Denn Unschärfen gehen in zwei Richtungen und kompensieren sich tendenziell. Die unausgewogene Fokussierung auf nur eine Seite ist also irreführend. Demgegenüber sind einige Einwendungen gegen konkrete Setzungen, die in die gängige Armutsmessung einfließen, durchaus berechtigt.

Abstract

In this article widespread objections to the concept of relative poverty are addressed and discussed against the background of historical-geographical contexts of statistical measures. A fundamental criticism refers to the abstraction of the level of prosperity. It does not, however, focus on methodological aspects but rather on poverty in the sense of exclusion and is therefore based on normative reasoning: understanding and analysing poverty as social exclusion is not accepted. Rather the focus is on some kind of absolute poverty which remains vague while the concept of relative income poverty refers to standards but also requirements in developed societies. Further criticism is aimed directly at the indicators and their inaccuracies, which mainly result from one dimensional measurement. However, as that lack of precision has effects in two directions with compensating tendencies, the one sided argumentation is misleading. On the other hand, some objections to transforming the concept of relative income poverty to indicators should be discussed and investigated.

 


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