Tagungsbericht

Das war Vision Ingolstadt 2030

„Vision Ingolstadt 2030“ – unter diesem Motto kamen mehr als 500 Betriebsräte, Vertrauensleute und andere gewerkschaftlich Engagierte am Wochenende auf dem Audi-Gelände zu einer Zukunftskonferenz zusammen. Das Thema: Digitalisierung und Mitbestimmung – wie geht das (besser) zusammen? Eingeladen hatten die Hans-Böckler-Stiftung und die IG Metall Ingolstadt.


Die Fachtagung, die in der Reihe Böckler vor Ort stattfand, knüpfte an eine Initiative der IG Metall Ingolstadt mit dem Gesamtbetriebsrat Audi an: Seit 2013 diskutieren in dem Projekt „Vision 2030“ die Akteure der Mitbestimmung in inhaltlichen Debatten sowie mithilfe digitaler Mittel wie Online-Voting, wie sie sich die Beteiligung an der Transformation der Arbeitswelt vorstellen. Auch die über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Samstag stimmten darüber ab, inwieweit sie den Eindruck hätten, dass der Mensch bei der Digitalisierung der Arbeitswelt im Mittelpunkt steht. Das Ergebnis: Jeweils nahezu 40 Prozent sagten entweder: „Stimme nicht zu“, oder „Teils/teils“.

Familienministerin Katarina Barley (SPD), die mit DGB-Chef Reiner Hoffmann und Audi-Vorstand Peter Kössler ein Podium bestritt, gab sich angesichts dessen fast entrüstet. „Natürlich braucht die digitalisierte Arbeitswelt den Menschen“, so, Barley, die auch attestierte: „Die Digitalisierung bietet Chancen. Aber wir müssen aufpassen, dass der Mensch im Mittelpunkt bleibt.“ Politisch entscheidend sei, „Rahmenbedingungen“ zu setzen, die dafür sorgen, dass „Chancen und Risiken der Digitalisierung auf beiden Seiten gerecht verteilt sind.“

Reiner Hoffmann forderte, nicht zuletzt angesichts der aktuellen Verhandlung über eine künftige Regierung die Debatte sehr weit zu fassen: „Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen bedeutet mehr Partizipation – auf allen Ebenen.“ Beobachten, konstatierte der DGB-Vorsitzende, ließe sich eher das Gegenteil: „Die Politik führt zurzeit keinen wirklichen Dialog mit den Menschen.“ Großen Raum nahm in der Debatte die Bedeutung lebenslangen Lernens an – zu dem vieles gehöre, aber auch Räume, die nicht völlig der Verwahrlosung anheimgegeben wurden. Hoffmann: „Ich habe mir im Sommer mehrere Schulen angeguckt, da will man nicht mal mehr zur Toilette gehen.“ Katarina Barley gab sich wenig optimistisch, dass das „absurde Kooperationsverbot“ in der Bildung in der nächsten Legislatur kippen könnte.

In Sachen Arbeitswelt wurde deutlich, dass alle Beteiligten Gefahren in der Digitalisierung – etwa durch eine Prekarisierung der Arbeit – ebenso sehen wie Chancen, etwa durch ein flexibleres Zeitmanagement. Hoffmann wünschte sich – Vision 2030! – die Chancen der Digitalisierung so zu nutzen, „dass die Arbeitsbedingungen 2030 deutlich besser sind als heute“, auch weil es dann „80 oder 90 statt wie heute 50 Prozent Tarifbindung gibt; und „Arbeitszeiten, die sich nicht betriebswirtschaftlich, sondern am Menschen orientieren.“ Für Audi erklärte Vorstand Kössler, ein Unternehmen „brauche Menschen, die flexibel auf neue Herausforderungen reagieren.“ Als „absoluter Verfechter der Mitbestimmung“ appellierte er aber auch an die „Eigenverantwortung, die in einer modernen Arbeitswelt auch dazugehört.“ Und: „Ich behaupte: 2030 sind unsere Arbeitsplätze so sicher wie heute.“

Von Jeannette Goddar


Vision Ingolstadt 2030
"intv"-Beitrag zur Konferenz
Pressemappe Vision Ingolstadt 2030 (pdf)


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