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Arbeit aufwerten

Hans-Böckler-Stiftung

 
 

03/2019

 
 
Das tatsächliche Ausmaß der Ungleichheit in Deutschland

Verteilungsdebatte

 

Das tatsächliche Ausmaß der Ungleichheit in Deutschland

 

Von Dorothee Spannagel

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht zur sozialen Ungleichheit in Deutschland. Welche wollen Sie zuerst hören? Sagen wir die gute: Unser jüngst veröffentlichter WSI-Verteilungsbericht hat gezeigt, dass von der starken Konjunktur und der guten Lage am Arbeitsmarkt auch die Mitte der Gesellschaft kräftig profitiert hat. Gerade in den letzten fünf Jahren haben Tarifabschlüsse die Einkünfte der mittleren Einkommensgruppe kräftig steigen lassen. Die schlechte Nachricht: Der Gini-Koeffizient, das gebräuchlichste Maß für Einkommensungleichheit, zeigt für die jüngsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2016 einen historischen Höchststand an. Auch die Armutsquoten befinden sich auf einem Rekordniveau, während die Armutslücke, also der Abstand eines Haushaltseinkommens zu jener Schwelle, ab der dieser nicht mehr als arm gilt, binnen fünf Jahren um kräftige 29 Prozent gestiegen ist.

Einige ExpertInnen und JournalistInnen führen als Erklärung für das historische Hoch der Einkommensungleichheit die Fluchtzuwanderung des Jahres 2015 an, in deren Zuge viele schutzbedürftige aber eben auch einkommensschwache Menschen das Einkommensgefüge ungleicher gemacht hätten. Diesen Faktor hatten wir bei den Analysen für den Verteilungsbericht berücksichtigt, sahen aber, dass sich dadurch nur wenig am Ergebnis ändert (siehe hierzu den unten verlinkten Beitrag). Das Problem der Ungleichheit ist also zum großen Teil „hausgemacht“.

Die große sozial- und verteilungspolitische Aufgabe lautet nun, den unteren Einkommensgruppen den Anschluss an die Mitte zu ermöglichen. Hierfür gilt es, den Niedriglohnsektor auszutrocknen und durch sichere und auskömmlich bezahlte Jobs zu ersetzen, wofür die Stärkung der Tarifbindung zentral ist. Hierfür müssen alle gesellschaftlichen Kräfte mobilisiert werden, und das bedeutet auch, dass die steuerpolitisch immer weiter entlasteten „starken Schultern“ wieder einen größeren Beitrag zum Gemeinwesen tragen.

Am 17. Oktober findet in Berlin eine große Verteilungskonferenz statt, die das WSI der Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation mit dem DGB ausrichtet. Die prominente Besetzung unterstreicht den Stellenwert, den die Bekämpfung sozialer Ungleichheit haben muss. Ich würde mir wünschen, dass wir die Gelegenheit nutzen, nach Lösungen zu suchen, statt uns aufzureiben in Relativierungen des nicht mehr Relativierbaren: Die Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren wieder ungleicher geworden.

Dorothee Spannagel leitet das Referat "Verteilungsanalyse und Verteilungspolitik" des WSI

 

 
→ Verteilungskonferenz am 17. Oktober: Livestream und Programm
 
→ Verteilung der Einkommen so ungleich wie nie
 
→ Fluchtmigration ist nicht der Grund für Ungleichheit
 
→ Animationsvideo: So hat sich die Ungleichheit entwickelt
 
 

Forschung und Veröffentlichungen

 
 
 
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WSI Herbstforum 2019: Licht und Schatten des Beschäftigungsbooms

 

Das diesjährige WSI-Herbstforum nimmt sowohl die aktuelle Lage des Arbeitsmarktes und dessen Rückwirkungen auf die Beschäftigung in den Blick wie auch die künftigen Anforderungen an eine die Transformation unterstützende Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik. Jetzt anmelden!