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Weiterdenken. Mitgestalten. Mitbestimmung.

Die Mitbestimmung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer feiert 2016 gleich mehrere Geburtstage. Zwei besonders wichtige: Seit 65 Jahren entscheiden Beschäftigte in den Aufsichtsräten von Montanunternehmen mit. Seit 40 Jahren haben Kapitalgesellschaften in Deutschland mit mehr als 2.000 Beschäftigten mitbestimmte Aufsichtsräte. Die Kontrollgremien sind also paritätisch mit Vertretern von Kapitaleignern und Arbeitnehmern besetzt.

Was lässt sich mit Mitbestimmung am Arbeitsplatz und im Unternehmen erreichen? Wer sind die „Mitbestimmerinnen und Mitbestimmer“? Welche wirtschaftlichen Folgen hat es, wenn Beschäftigte mitgestalten? Wohin geht der Trend? Welche Probleme gibt es? Die Hans-Böckler-Stiftung liefert Antworten. Und Service für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Fragen und Antworten

Man hört immer mal wieder von Schwierigkeiten, wenn Beschäftigte einen Betriebsrat gründen wollen. Sind deutsche Chefs in Wahrheit gegen Mitbestimmung?

Sehr viele sicherlich nicht, sie sehen die Vorteile mündiger Mitarbeiter. Aber insbesondere in manchen eigentümergeführten Betrieben sind Schikanen gegen Betriebsratsgründungen leider keine absoluten Ausnahmen, zeigen Studien des WSI der Hans-Böckler-Stiftung. Doch es gibt auch genug gute Beispiele, in denen es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es geschafft haben, obwohl der Arbeitgeber nicht begeistert war.

Mehr dazu im Impuls 4/2014 "Mitbestimmung nicht immer erwünscht"

Praxisinfos Wie gründet man einen Betriebsrat? (pdf)

 

 

Viele haben eine Arbeit, von der sie leben können und Mitbestimmung und Gewerkschaften können etwas bewegen. Aber wie wird es in zwanzig Jahren sein? Sind die guten Zeiten dann nicht sicher vorbei?

Nein, eine Zwangsläufigkeit gibt es nicht. Wie die Arbeitswelt 2035 aussieht, hängt davon ab, wie heute und in der nahen Zukunft die Weichen gestellt werden. Die Mitbestimmungsexperten der Hans-Böckler-Stiftung haben dazu vier Szenarien entwickelt. Sie reichen von einem weltweiten Boom kooperativer Arbeitsbeziehungen bis zu heftigen Verteilungskämpfen, wenn faire Regeln auf dem Arbeitsmarkt und zur Beteiligung der Arbeitnehmer immer weiter unter Druck geraten.

Mehr dazu in der Broschüre "Mitbestimmung 2035 - Vier Szenarien" (pdf)

Veranstaltungsdokumentation im Mitbestimmungsportal

 

 

Stimmt es wirklich, dass Azubis seltener krank sind, wenn es einen Betriebsrat gibt?

In Betrieben mit Betriebsrat haben die Auszubildenden tatsächlich etwa 20 Prozent weniger Fehltage, zeigt eine breit angelegte Studie. Die Forscher erklären das so: Betriebsräte haben die Aufgabe, die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen zu Ausbildungsinhalten, Arbeitssicherheit und Arbeitszeiten von Azubis zu kontrollieren und gegen Missstände vorzugehen. Und bei besseren Arbeitsbedingungen gibt es weniger Fehltage. Das nützt auch dem Arbeitgeber.

Mehr zur Studie

Hintergrundinfo im Magazin Mitbestimmung: Was junge Leute in der JAV, der Jugendauszubildendenvertretung, bewegen können

 

 

Betriebsräte setzen sich für bessere Arbeitsbedingungen ein und schützen die Interessen der Beschäftigten. Belastet das nicht zwangsläufig den wirtschaftlichen Erfolg der Firma?

Nein, im Gegenteil. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass mitbestimmte Betriebe und Unternehmen bei vielen wirtschaftlichen Kennziffern besser abschneiden. Gut belegt ist beispielsweise, dass Betriebe mit Betriebsrat produktiver sind. Besonders stark ist der Effekt, wenn es Defizite im Management gibt, doch auch hochproduktive Unternehmen profitieren.

Mehr dazu im Impuls 10/2015 "Wirtschaftlicher mit Betriebsrat"

Zusatzinfo: Forschungsüberblick "Betriebsrat zahlt sich aus"

Praxisinfo "Wie gründet man einen Betriebsrat?" (pdf)

 

 

Das Meeting zieht sich, die Kita schließt. Was kann denn da ein Betriebsrat machen?

Einiges. Studien zeigen, dass Betriebe mit Betriebsrat häufiger eine Familienorientierte Personalpolitik betreiben als Firmen ohne Arbeitnehmervertretung. Zum einen können Betriebe ihren Beschäftigten Familienpflichten abnehmen, etwa durch die Kinderbetreuung im Betrieb. Zum anderen gibt es Möglichkeiten, den Beschäftigten selbst mehr Zeit für die Familie geben. Dazu gehören Regelungen zur Elternzeit oder flexible Arbeitszeiten. Damit solche Regelungen für alle Beschäftigten gelten und transparent sind, ist eine Betriebsvereinbarung eine gute Sache. Die kann aber nur dort ausgehandelt werden, wo es einen Betriebsrat gibt.

Studie zu familienorientierter Personalpolitik und Mitbestimmung

Auswertung von Betriebsvereinbarungen zu Chancengleichheit und Familienfreundlichkeit – inklusive Textauszügen

Work-Life-Balance: Abschied von der Präsenzkultur

 

 

Deutschland hat die Große Wirtschaftskrise von 2008 und 2009 viel besser überstanden als andere Länder. Viele sagen, das hatte auch etwas mit Mitbestimmung zu tun. Wieso?

In der Krise wurden in vielen Betrieben die Arbeitszeiten verkürzt, weil es nicht genug zu tun gab. Das funktionierte oft problemlos, weil gerade in größeren Industriebetrieben bereits sehr flexible Arbeitszeitkonten geführt werden, auf denen auch Überstunden verbucht werden. Diese „interne Flexibilisierung“ funktioniert, weil es ein seit Jahrzehnten erprobtes Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gibt, so eine Analyse des IMK der Hans-Böckler-Stiftung. Mitbestimmung in Betrieb und Unternehmen gehört dazu.

Mehr auf Seite 9 im Sonderheft Mitbestimmung des Böckler Impuls (pdf)

Weitere Forschungsergebnisse auf unserer Tagung: Was leistet die Mitbestimmung? Was sagt die Wissenschaft? am 12. Mai in Berlin.

 

 

Alle reden von Beteiligung und Demokratie. Dort, wo es Betriebsratswahlen gibt, machen rund 80 Prozent mit – mehr als bei der Bundestagswahl. Aber viele Betriebe haben keine Mitbestimmung. Wie kann das sein?

Demokratie in der Politik ist für die Menschen in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Und die große Mehrheit der Menschen in Deutschland findet, dass auch in der Wirtschaft nicht nur die Eigentümer bestimmen dürfen sollten. Trotzdem setzen erstaunlich viele darauf, ihre Rechte am Arbeitsplatz nicht um. „Man muss den Beschäftigten klarmachen, dass sie in ihrer Gemeinde ganz selbstverständlich mitbestimmen wollen und deshalb einen Gemeinderat wählen. Warum verzichten sie darauf im Unternehmen?“, erklärt der Wissenschaftler Werner Nienhüser.

Mehr dazu im Interview

Zusatzinfo: Betriebsratswahlen 2014: Knapp 80 Prozent haben sich beteiligt.

Praxisinfos: Wie gründet man eigentlich einen Betriebsrat? Und was tun, wenn der Arbeitgeber nicht begeistert ist? (pdf)

 

 

Gesetzeslücken ausnutzen, durch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Mitbestimmungsrechte im Unternehmen verlieren. Wer macht denn so etwas?

Leider immer mehr Unternehmen. Sie nutzen rechtliche Lücken, firmieren unter exotischen Rechtsformen und entziehen sich damit dem deutschen Mitbestimmungsgesetz. Darunter sind bekannte Firmen wie Air Berlin oder der Entsorger Alba. Weiteres Problem: Viele mittelständische GmbH haben gar keinen Aufsichtsrat – obwohl der eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist. Gesetzliche Reformen könnten das verhindern.

mehr im Böckler Impuls 13/2015
mehr im MBF-Report 13/2015 (pdf)

Symposium: Aktuelle Fragen zum Recht der Unternehmensmitbestimmung - Defizite und Handlungsmöglichkeiten, 21. April 2016

Auf dem Neujahrsempfang der Hans-Böckler-Stiftung skizzierte Reiner Hoffmann, Vorsitzender des DGB und des Stiftungsvorstandes, die Perspektiven der Mitbestimmung

 

 

Seit 1976 bestimmen Arbeitnehmervertreter und Gewerkschafter in den Aufsichtsräten großer deutscher Unternehmen paritätisch mit. Damals regierte eine sozialliberale Koalition. Was haben denn FDP-Politiker zum Mitbestimmungsgesetz gesagt?

Sie haben die Vorteile für Gesellschaft und Wirtschaft in den Mittelpunkt gestellt. O-Ton Otto Graf Lambsdorff in der Bundestagsdebatte vor genau 40 Jahren:

 

Neuere Studien zeigen, dass die Mitbestimmungsbefürworter damit richtig lagen: Wenn Arbeitnehmervertreterinnen und –vertreter in Aufsichtsräten auf Augenhöhe mitbestimmen können, erweitert das den Horizont in der Unternehmensleitung. Mehr im Böckler Impuls

Lambsdorffs Koalitionskollege Olaf Sund von der SPD am 18. März 1976 im Deutschen Bundestag:

 

Und gerade in der Wirtschaftskrise 2008/2009 hat sich gezeigt, welchen Wert eine durch Mitbestimmung gestärkte Vertrauenskultur hat: In der akuten Krise wurden in vielen Betrieben die Arbeitszeiten verkürzt, weil es nicht genug zu tun gab. Das ging problemlos, weil gerade in größeren Industriebetrieben bereits sehr flexible Arbeitszeitkonten geführt werden. Diese „interne Flexibilisierung“ funktioniert vor allem deshalb, weil es ein seit Jahrzehnten erprobtes Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gibt, so eine Analyse des IMK der Hans-Böckler-Stiftung.

Mehr auf Seite 9 des Sonderhefts Mitbestimmmung von Böckler Impuls (pdf)

Abschließend ein Zitat des SPD-Politikers und Gewerkschafters Hermann Rappe, ebenfalls gesprochen in der Bundestagsdebatte 1976:  

Zitat von Hermann Rappe zum Mitbestimmungsgesetz

 

 

So funktioniert Mitbestimmung – kann man das in fünf Minuten erklären?

Wenn´s sein muss, auch in drei. Das schaffen etwa die explainity-Filme in den Unterrichtsmaterialien von „Böckler Schule“. Sie behandeln Mitbestimmung im Betrieb und im Aufsichtsrat aus der Perspektive junger Leute. Wer mehr über Mitbestimmung wissen will, findet bei der Hans-Böckler-Stiftung ein reiches Info-Angebot.

Die Filme im Dossier Mitbestimmung von „Böckler Schule“

Infoseite mit Basisdaten, Glossar, FAQs und aktuellen Meldungen

Das Magazin Mitbestimmung der Hans-Böckler-Stiftung zeigt die Arbeitnehmerseite der Arbeitswelt.

Aktuelle Studien zur Mitbestimmung im Sonderheft des Infodienstes Böckler Impuls (pdf)

Praxisinfos: Wie gründet man eigentlich einen Betriebsrat? (pdf)

Orientierungs- und Handlungswissen für Mitbestimmungsprofis im Mitbestimmungsportal

 

 

Wer schafft es, Nachwuchsforscher an der Uni vor den berühmt-berüchtigten Kurzzeitverträgen zu schützen?

Der Personalrat der Viadrina-Universität. Stefani Sonntag und ihre Kolleginnen und Kollegen haben über eine Betriebsvereinbarung ausgehandelt, dass Promovierende und Postdocs künftig mindestens Dreijahresstellen an der Uni bekommen. Dafür haben sie kürzlich den Deutschen Personalrätepreis bekommen.

Die ganze Geschichte

Übrigens: In diesem Jahr sind Personalrätewahlen im Bund und in zahlreichen Bundesländern. Mehr auf den Seiten des DGB

 

 

Personalchefs, die das Soziale groß schreiben. Wo arbeiten die?

Oft in Unternehmen, in denen die Arbeitnehmer die Hälfte der Aufsichtsratsmitglieder stellen. Vor allem, wenn die Regeln der Montanmitbestimmung gelten. Solche Firmen haben Arbeitsdirektorinnen oder Arbeitsdirektoren – Personalvorstände der besonderen Art. Großer Vorteil: In vielen Unternehmen ohne Mitbestimmung ist die Personalführung nur auf der zweiten Managementebene angesiedelt. Arbeitsdirektoren sind dagegen immer Vorstandsmitglieder. Wenn es im Unternehmen schlecht läuft, können auch Arbeitsdirektoren keine Wunder vollbringen. Aber sie halten auch in schwierigen Situationen die Interessen der Beschäftigten im Auge.

Wie mitbestimmte Personalpolitik genau funktioniert, erklärt Böckler-Experte Jan-Paul Giertz im Magazin Mitbestimmung

„Mein Büro steht immer offen“ - wie Arbeitsdirektorin Birgit Dilchert bei einem Klinikverbund mit knapp 5.000 Beschäftigten für fairen Interessenausgleich sorgt.

 

 

Ein Montageband geht in die Knie, damit der Rücken des Monteurs länger durchhält. Wo gibt es denn das?

Im VW-Motorenwerk Salzgitter. Dort haben die Betriebsräte die Entwicklung einer alternsgerechten Montagelinie vorangetrieben. Sie sollte Vorbildcharakter für andere Industriebetriebe haben, sagt der Betriebsratsvorsitzende Andreas Blechner: „Es geht nicht, dass die Politik eine Rente mit 67 beschließt, aber die Arbeitsbedingungen, die werden für 18-Jährige ausgelegt.“

Mehr dazu im Interview

Praxisinfos: Wie gründet man eigentlich einen Betriebsrat? Und was tun, wenn der Arbeitgeber nicht begeistert ist? (pdf)

 

 

Teilzeitanspruch für Außendienstler? Wie bekommt man das hin?

Durch Beharrlichkeit. Acht Jahre lang hat der Betriebsrat dafür gekämpft, dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Außendienst der Vertriebsgesellschaft der Bayer Vital GmbH Stellen teilen können. Und nicht kündigen müssen, wenn sie Familie und Job unter einen Hut bringen wollen.

Die ganze Geschichte

Praxisinfos: Wie gründet man eigentlich einen Betriebsrat? Und was tun, wenn der Arbeitgeber nicht begeistert ist? (pdf)

 

 

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