Arbeitskosten steigen in Europa sehr verhalten

Albu, Nora / Herzog-Stein, Alexander / Stein, Ulrike / Zwiener, Rudolf

Arbeits- und Lohnstückkostenentwicklung 2016 im europäischen Vergleich. Reihe: IMK Report, Bd. 128.
Düsseldorf:  2017, ISSN: 1861-3683. 27 Seiten


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Kurzbeschreibung:


Das IMK analysiert regelmäßig mittels Daten von Eurostat die Entwicklung der Arbeits- und der Lohnstückkosten in Europa. Dabei wird die Entwicklung der Arbeitskosten in der Privatwirtschaft, im privaten und im öffentlichen Dienstleistungssektor und im Verarbeitenden Gewerbe in wichtigen europäischen Ländern sowie dem Euroraum als Ganzes dargestellt. In dieser aktuellen Auswertung wird auch der Frage nachgegangen, inwieweit in Deutschland die Nutzung kostengünstiger Dienstleistungen die Arbeitskosten der Industrie reduziert. Anhand von Input-Output-Rechnungen zeigt sich, dass der dadurch entstehende Kostenvorteil rund 11 % bzw. 4 Euro pro Stunde beträgt. Im Anschluss daran wird die Entwicklung der Lohnstückkosten untersucht und den Auswirkungen auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit nachgegangen.

Im Jahr 2016 kostete in Deutschland eine Arbeitsstunde in der Privatwirtschaft 33,6 Euro. Gegenüber dem Vorjahr konnte Deutschland im europäischen Länderranking knapp vom achten auf den siebten Platz vorrücken. Mit einer Veränderungsrate von 2,5 % stiegen die Arbeitskosten in Deutschland im Jahr 2016 fast einen Prozentpunkt stärker als im europäischen Durchschnitt. In den meisten Krisenländern stagnierten oder sanken die Arbeitskosten erneut. In Deutschland sind auch im Jahr 2016 die Arbeitskosten im Verarbeitenden Gewerbe mit 2,5 % etwa so stark gestiegen wie im Privaten Dienstleistungssektor. Damit hat sich der prozentuale Abstand zwischen beiden Wirtschaftsbereichen kaum verändert, er beträgt gut 21%. Das ist der größte Abstand zwischen diesen Sektoren von allen EU Mitgliedsländern.

Die Anpassungsprozesse der Krisenländer haben sich auch im Jahr 2016 fortgesetzt, so dass die durchschnittliche Lohnstückkostenentwicklung des Euroraums mit 0,9 % deutlich unter der Zielinflationsrate der EZB von knapp 2 % lag. Damit entwickelt sich der Euroraum als Ganzes nicht stabilitätskonform. In Deutschland stiegen die Lohnstückkosten um 1,8 %. Da die deutschen Lohnstückkosten aber seit Beginn der Währungsunion deutlich schwächer gestiegen sind, als mit dem Inflationsziel der EZB vereinbar, besteht noch einiger Spielraum für stärkere Lohnsteigerungen in Deutschland. Damit und vor allem mit einer expansiveren Finanzpolitik sollten die zu hohen deutschen Leistungsbilanzüberschüsse reduziert und der Anpassungsprozess in den Krisenländern unterstützt werden.



Abstract:


The Macroeconomic Policy Institute (IMK) regularly analyses, on the basis of Eurostat data, the development of labour costs and unit labour costs in Europe. This report presents labour cost trends in the private sector, disaggregated for private as well as public services and manufacturing industry, for a selection of European countries, the Euro Area and the European Union. We also examine to what extent the economies of scope achieved in Germany as a result of cost-effective upstream input from the services sector in Germany reduces the labour costs of industry. On the basis of input-output calculations, the resulting cost advantage is around 11% or 4 euros per hour. Subsequently, the report examines the development of unit labor costs in Europe and its impact on price competitiveness. In 2016 hourly labour cost in the German private sector averaged 33.6 Euros. Compared with the previous year, the German economy swapped places with the Netherlands and is now in seventh position in the ranking of EU countries. With an annual rate of change of 2.5 %, the rise in labour costs in the German private sector was above the European average (1.3 %). In most of the so-called European crisis countries hourly labour costs decreased or stagnated again. Hourly labour costs in German manufacturing and in private services rose at about the same rate (2.5 % and 2.4 % respectively). Consequently, the level difference in labour costs between the two sectors still exceeds 21 %. This is the largest intersectoral wage gap of all the EU countries.The adjustment process in the European crisis countries continued in 2015, with the result that the average rate of change in unit hourly labour cost in the Eurozone of 1.0 % was significantly below the ECB's inflation target of slightly below 2 % per annum. Therefore, the development of unit labour costs in the Euro Area as a whole is not consistent with the ECB's inflation target. In Germany unit labour costs rose by 2.0 %. Overall, since the start of the currency union the rate of growth of unit labour costs in Germany has been substantially below the ECB's inflation target and therefore there is still room for greater nominal wage increases in Germany. In combination with a more expansionary fiscal policy, this would reduce the excessively high German current account surpluses and support the adjustment process in the crisis countries.



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