Die Schuldenbremse im Bundeshaushalt seit 2011

Paetz, Christoph / Rietzler, Katja / Truger, Achim

Die wahre Belastungsprobe steht noch aus. Reihe: IMK Report, Nr. 117, September 2016.
Düsseldorf:  2016, ISSN: 1861-3683. 18 Seiten


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Kurzbeschreibung:


Die Schuldenbremse des Bundes erscheint im Rückblick als große Erfolgsgeschichte: Ständige Übererfüllung der Vorgaben für die Nettokreditaufnahme, extrem rasche Konsolidierung seit 2010, Nachahmung durch den EU-Fiskalpakt auf europäischer Ebene. Doch der Schein trügt. - Die extrem rasche Konsolidierung und die permanente Übererfüllung der Schuldenbremse gehen primär auf die gute Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung sowie niedrige Zinsen in den Jahren 2011 bis 2015 zurück. Bereits vor der Finanzkrise - also deutlich vor der Einführung der Schuldenbremse - wurden bei der Konsolidierung des Bundeshaushalts substantielle Fortschritte gemacht, vor allem aufgrund des günstigen makroökonomischen Umfeldes. - Eine kontrafaktische Simulation des IMK zeigt: Hätte sich die Konjunktur seit 2010 so ungünstig entwickelt wie noch 2009 und 2010 prognostiziert, hätte die Schuldenbremse schon sehr bald zu prozyklischen Sparmaßnahmen geführt, die die Konjunktur weiter geschwächt hätten. Die Schuldenstandsquote läge heute um 8,5 % des Bruttoinlandsprodukts höher und im Bundeshaushalt stünden rund 41 Mrd. Euro weniger für öffentliche Investitionen und Dienstleistungen zur Verfügung. - Die wahre Belastungsprobe für die Schuldenbremse in einem ungünstigen makroökonomischen Umfeld steht daher noch aus. Die Politik täte gut daran, die Regelungen der Schuldenbremse frühzeitig so anzupassen, dass dieses Instrument im Abschwung nicht zum Bumerang wird.



Abstract:


Looking back, the debt brake for the German federal government's budget seems a great success story: The targets for net borrowing were met with a wide margin each year, the budget was consolidated extremely fast since 2010 and the debt brake served as a role model for the Fiscal Compact at the European level. However, the appearance is deceptive. The rapid consolidation and the permanent overachievements are mostly due to dynamic employment and income growth as well as low interest rates in the years from 2011 to 2015. Already before the financial crisis, i.e. well before the introduction of the debt brake, the federal government made considerable progress towards a balanced budget. A counterfactual simulation of the IMK shows: Had economic activity evolved as unfavourably as forecast in 2009 and 2010, the debt brake would have called for pro-cyclical expenditure cuts very rapidly, thus further weakening the economy. Government debt in relation to GDP would be 8.5 percentage points higher today and the federal government would have about 41 billion euro less to spend on public investment and services. The real acid test for the debt brake in a less favourable macroeconomic environment is therefore still to come. Policy makers would be well-advised to adapt the debt brake in time, to prevent this fiscal instrument from back-firing in an economic downturn.



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