Über das Netzwerk

Selbstdarstellung

Das seit 1997 bestehende Forschungsnetzwerk Makroökonomie und Makropolitik (FMM) versteht sich als Plattform für Analyse, Forschung und Diskussion makroökonomischer Themen.


Es ist ein vorwiegend in Deutschland und Österreich verankertes Netzwerk, das jedoch intensiv mit ähnlich ausgerichteten Netzwerken vor allem in Europa kooperiert. Das Netzwerk arbeitet an der Wiederbelebung und Weiterentwicklung makroökonomischer Theorien, die durch die Dominanz von Neoklassik, Monetarismus, Neuklassik und Angebotspolitik besonders in Deutschland seit den 1970er Jahren mehr und mehr aus dem Blick geraten sind. Das Netzwerk versteht sich einerseits als theorieorientierte Plattform, andererseits auch als wirtschaftspolitisches Forum: Makroökonomie als theoretische Grundlage für makroökonomische Politik, die hohe Beschäftigung, umweltverträgliches Wachstum, Preisniveaustabilität, verminderte Einkommensungleichheit und Abbau von Armut anstrebt. Intendiert wird insbesondere auch der Meinungsaustausch zwischen konkurrierenden Paradigmen.

Das FMM möchte vor allem in den folgenden Fragestellungen Forschung initiieren, Forschungsergebnisse austauschen und Diskussionen organisieren; dabei sind die Zusammenhänge von ökonomischer Theorie, Institutionenbildung und Wirtschaftspolitik von besonderem Interesse. Das FMM versteht Makroökonomie in einem breiten Sinne und schließt Schnittstellen mit anderen Gebieten (z.B. Mikro- und Mesoökonomie, Politische Ökonomie) ein. Das FMM möchte zur internationalen Vernetzung der verschiedenen kritischen Strömungen beitragen. Im Einzelnen rücken folgende Forschungsfelder in den Mittelpunkt:

  • Makroökonomische Theorie: Makroökonomische Theorie bedarf aus den oben genannten Gründen der Erneuerung. Sie kann nicht zur Neoklassischen Synthese der 1960er Jahre zurückkehren. Forschungsinteresse besteht an Verbindungen zwischen Post- und Neu-Keynesianismus, insbesondere an einer Bestimmung der makroökonomischen Aktivität in der kurzen und der langen Frist sowie einer Klärung der Notwendigkeiten und der Möglichkeiten wirtschaftspolitischer Stabilisierung.
  • Erklärung und Abbau von Arbeitslosigkeit: Siebzig Jahre nach Keynes' General Theory sind die Erklärungsansätze und Therapievorschläge für Arbeitslosigkeit eher kontroverser als einheitlicher geworden. Ansätze, die Arbeitslosigkeit nicht als Gleichgewichtsphänomen deuten, sondern als Folge anhaltenden Ungleichgewichte infolge Nachfragemangels, ungeeigneter Institutionen und unzulänglicher Politikkonzeptionen, sollten daher weiter entwickelt werden.
  • Einkommensverteilung: In den meisten OECD-Ländern sinkt die Lohnquote trendmäßig, die personelle Einkommensverteilung wird ungleicher, und die Armut steigt. Wodurch ist dieser Trend entstanden, lässt er sich makroökonomisch erklären, und lassen sich Strategien für eine Trendumkehr entwickeln? Welche Rolle spielen Lohnfindungssysteme für die Lohn- und Verteilungsentwicklung? Welche Faktoren bestimmen den Gewinnzuschlag im Unternehmenssektor?
  • Geldtheorie und Geldpolitik: Auf der Grundlage und der Weiterentwicklung von Theorien endogenen Geldes stellt sich die Frage nach den kurz- und langfristigen realen Wirkungen der Geldpolitik sowie nach den Implikationen für die geldpolitischen Strategien der Zentralbanken, insbesondere der Europäischen Zentralbank. Darüber hinaus ist hier auch der Zusammenhang von Geldpolitik, Wechselkursentwicklung und internationaler Währungsordnung zu thematisieren.
  • Makroökonomie und Finanzsektor: Angesichts der dynamischen Entwicklung nationaler und globaler Finanzmärkte sowie einer zunehmende Finanzmarktorientierung auch des nicht-finanziellen Sektors stellt sich die Frage nach den Auswirkungen dieser Entwicklungen auf Konjunktur, Verteilung, Wachstum und Finanzmarktstabilität. Gleichzeitig gerät die Frage nach der adäquaten Regulierung der Vermögensmärkte und der Nicht-Banken in den Blick.
  • Europäische Integration: Bisher war der Wachstumstrend in der EU zu schwach, um die hohe Unterbeschäftigung deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig gibt es erhebliche Divergenzen innerhalb der EU, die durch die Osterweiterung noch verstärkt werden. Die Ursachen und die Folgeprobleme dieser Entwicklungen sind genauso zu analysieren wie die Implikationen für die Wirtschaftspolitik und die weitere Entwicklung der EU (Vertiefung statt Erweiterung).
  • Makropolitik: In der EWU ist nationalstaatliche Makropolitik nur noch eingeschränkt möglich. Der europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt ist Gegenstand anhaltender Kontroversen. Es stellt sich daher die Frage, wie eine wachstumsfreundliche, antizyklisch wirkende Fiskalpolitik in der EWU aussehen könnte und wie sie mit der Geld- und der Lohnpolitik so koordiniert werden kann, dass sowohl Preisstabilität als auch Wachstum gefördert werden. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf die Frage gelegt werden, wie funktionslose, ja gefährliche Lohnunterbietungswettläufe in Europa verhindert werden können.
  • Globalisierung: Die seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Währungssystems einsetzende Liberalisierung der Devisenmärkte, der grenzüberschreitenden Kapitalströme sowie des Handels hat eine Fülle neuer Probleme für entwickelte Länder geschaffen, insbesondere aber auch für Schwellenländer und arme Entwicklungsländer. Starke Wechselkursschwankungen, enorme Zahlungsbilanzungleichgewichte, rasche Ausbreitung von nationalen Finanzkrisen, Steuersenkungswettlauf und Steuervermeidung in großem Stil, ausbleibende Wachstums- und Beschäftigungsdividenden des Freihandels - all diese Probleme sind Begleiterscheinungen der Globalisierung, die verstärkt analysiert werden sollten.
  • Internationale Vergleiche: Trotz Globalisierung entwickeln sich nationale Volkswirtschaften häufig sehr unterschiedlich. Komparative Makro-Studien, die auf spezifische institutionelle Konstellationen und Makropolitik ("Marktkonstellationen") fokussieren, sind ebenso von Interesse wie der Vergleich unterschiedlicher Typen von entwickelten Marktwirtschaften ("Varieties of capitalism") im Hinblick auf Wachstum, Beschäftigung und Verteilung. In diesem Rahmen ist auch die Modellierung unterschiedlicher Ordnungsformen von Marktwirtschaften und ihrer jeweiligen Entwicklungspotenziale von Interesse.
  • Makroökonomische Aspekte von Unterentwicklung: Die Erklärung von Unterentwicklung und die Herausarbeitung von gangbaren Entwicklungsstrategien für Entwicklungs- und Schwellenländern bedarf einer stärkeren makroökonomischen Fundierung. Dies betrifft insbesondere das Wechselkursregime, die internationale Finanzarchitektur, die Rolle von Kapitalströmen, die Entwicklung des nationalen Finanzsektors, die monetäre regionale Kooperation, die Entschuldungsstrategien sowie die Prävention von Finanzkrisen.
  • Makroökonomie ökologischer Probleme: Das Klimaproblem, eine der zentralen Fragen des 21. Jahrhunderts, impliziert eine ganze Reihe von makroökonomischen Fragen - beispielsweise die Zusammenhänge von Klimaschutz, Klimaschäden und Verteilung und Wirtschaftswachstum, die makroökonomische Bedeutung von Energiepreisen und handelbaren Emissionszertifikaten, das Verhältnis von intertemporaler Ressourcenallokation und Kapitalakkumulation, die möglichen Formen der supranationalen Bewirtschaftung der Erdatmosphäre als Kollektivgut, der Umgang mit ökologischer Unsicherheit oder methodische Fragen ökonomischer Langfristanalysen.


Aktuelles Forschungsprogramm des Netzwerks (pdf)


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