Wandel der Geschlechterverhältnisse durch Digitalisierung

Forschungsschwerpunkt: Mitbestimmung

Status: Laufend

Projektnummer: 2017-432-2

Projektziel:

Das Projekt untersucht die Veränderungen von Geschlechterverhältnissen durch die Digitalisierung der Arbeitswelt (im Sinne mobiler Arbeit, Telearbeit oder Homeoffice sowie dem Einsatz von Social Media für die interne Kommunikation). Im Fokus stehen (1) Vereinbarkeit von Beruf und Familie, (2) Profilierungsmöglichkeiten und Karrierechancen sowie (3) Bewertungen geschlechtstypischer Tätigkeiten.

Veröffentlichungen:

Demuth, Ute, 2018. Sind Fraün die Gewinnerinnen?, Computer und Arbeit, 11, S. 16-18.

Carstensen, Tanja, 2018. Immer und überall. Die Digitalisierung alter Geschlechterverhältnisse, an.schläge. Das feministische Magazin, S. 24.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Bis heute sind sowohl Arbeit als auch Technik hochgradig vergeschlechtlicht. Neue Technologien bieten aber immer auch Möglichkeiten, Macht- und Geschlechterverhältnisse neu zu verhandeln und Arbeitsbedingungen zu gestalten. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft und der Arbeit vollziehen sich damit Veränderungen, die auch geschlechterpolitisch relevant sind. Dass die neuen digitalen Technologien potenziell Möglichkeiten für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, für bessere Karrierechancen für Fraün und Neubewertungen von Arbeit bieten, gilt mittlerweile als unbestritten. Bisher ist allerdings empirisch kaum geklärt, ob und wie diese Möglichkeiten bereits genutzt werden und welche konkreten Praxen im Arbeitsalltag entstanden sind. Dies betrifft sowohl die Frage, welche Angebote und Rahmenbedingungen von betrieblicher Seite geschaffen werden, als auch die Frage, wie Beschäftigte diese nutzen und welche Erfahrungen sie machen.

2. Fragestellung

Ziel des Projektvorhabens ist es, die Veränderungen und Verschiebungen von Geschlechterverhältnissen durch die Digitalisierung der Arbeitswelt in der konkreten betrieblichen Praxis zu ermitteln. Hierfür werden sowohl die betrieblichen Rahmenbedingungen und Angebote als auch die Praktiken und Erfahrungen der Beschäftigten untersucht. Das Projekt verfolgt die Fragestellung, inwiefern sich mit der Nutzung von digitalen Technologien und den damit verbundenen Aenderungen und Neuregelungen der Arbeitsorganisation genderrelevante Veränderungen ergeben. Es geht um drei Teilbereiche: (1) neue Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. Sorgearbeiten durch digitale und mobile Arbeit, (2) neue Profilierungsmöglichkeiten und Karrierechancen für Beschäftigte durch digitale Sichtbarkeiten sowie (3) Veränderungen von Bewertungen geschlechtstypischer Tätigkeiten und genderrelevante Mechanismen bei der digitalen Erfassung von Arbeitsleistungen.

3. Untersuchungsmethoden

Hierfür sollen ca. 30 qualitative Interviews mit Beschäftigten sowie ca. 15 Interviews mit Personalverantwortlichen, Betriebsräten und Gleichstellungsbeauftragten in drei Fallbetrieben unterschiedlicher Branchen geführt werden. Das Datenmaterial wird inhaltsanalytisch ausgewertet. Ergänzend werden Unternehmensrecherchen durchgeführt, betriebliche Vereinbarungen und politische Diskurse ausgewertet sowie Gruppendiskussionen durchgeführt. Das Projekt liefert wissenschaftliche Erkenntnisse, die auch als Handlungswissen für eine geschlechtergerechte Gestaltung der digitalisierten Arbeitswelt genutzt werden können.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Dr. Tanja Carstensen

Ludwig-Maximilians-Universität München Institut für Soziologie

Tanja.Carstensen@soziologie.uni-muenchen.de

Bearbeiter/in:

Ute Demuth

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

stefan-luecking@boeckler.de

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