Arbeit 4.0

Forschungsschwerpunkt: Strukturwandel und Innovation

Status: Abgeschlossen

Projektende: 31.08.2018

Projektnummer: 2015-924-1

Projektziel:

Die Umsetzung von Industrie 4.0-Konzepten wird die Arbeitswelt in Deutschland verändern. Wie dies geschehen wird, ist alles andere als vorgegeben. Das Projekt hat die Einführung von Industrie 4.0 in Betrieben des gewerkschaftlich organisierten Netzwerks „Arbeit 2020“ begleitet und bezüglich Auswirkungen aus der Sicht von Betriebsräten und Beschäftigten sowie Gestaltungsmöglichkeiten untersucht.

Veröffentlichungen:

Bosch, Gerhard, Tabea Bromberg, Thomas Haipeter und Jutta Schmitz, 2017. Industrie und Arbeit 4.0. Befunde zu Digitalisierung und Mit-bestimmung im Industriesektor auf Grundlage des Projekts „Arbeit 2020“, IAQ-Report 4, Duisburg/Essen: Universität Duisburg-Essen, 24 Seiten.

Haipeter, Thomas, 2018. Digitalisierung, Mitbestimmung und Beteiligung – auf dem Weg zur Mitbestimmung 4.0?, In: Hirsch-Kreinsen, Hartmut / Ittermann, Peter / Niehaus, Jonathan (Hrsg.), Digitalisierung industrieller Arbeit: die Version Industrie 4.0 und ihre sozialen Herausforderungen, 2. Auflage, Baden-Baden: Nomos, S. 303-321.

Haipeter, Thomas, Inger Korflür und Gabi Schilling, 2018. Neue Koordinaten für eine proaktive Betriebspolitik. Erfahrungen aus dem Gewerkschaftsprojekt "Arbeit 2020 in NRW", WSI Mitteilungen, 71(3), S. 219-226.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Unter dem Label "Industrie 4.0" wird seit einigen Jahren die Vision einer neuartigen Form der Produktionsautomatisierung diskutiert und entwickelt. Dabei verspricht Industrie 4.0 nicht weniger als eine "vierte industrielle Revolution", mit deren Hilfe die bisherigen technologischen und wirtschaftlichen Grenzen der Automatisierung überwunden werden können. Bislang ist Industrie 4.0 allerdings wenig mehr als ein Leitbild einer umfassenden Vernetzung der Produktion. Wie dieses Leitbild technisch umgesetzt und organisatorisch integriert wird, erscheint ebenso offen wie seine Auswirkungen auf Beschäftigung, Arbeit und Arbeitsbedingungen. Sowohl regressive, auf die Ersetzung und Abwertung von Arbeit, als auch progressive Lösungen, in denen Qualifikationen und Erfahrungen der Beschäftigten genutzt und ausgeweitet werden, liegen im Bereich des Möglichen. Deshalb stellt Industrie 4.0 die Arbeits- und Betriebspolitik von Betriebsräten und Gewerkschaften vor neue Herausforderungen.

2. Fragestellung

Gegenstand des Forschungsprojekts war das gewerkschaftliche Projekt "Arbeit 2020" der drei Gewerkschaften IG Metall, IG BCE und NGG, das begleitet und untersucht wurde. Dabei stand vier Forschungsfragen im Vordergrund: Erstens sollte die Sicht von Betriebsräten und Beschäftigten auf die Einführung von Industrie 4.0 in den Betrieben beleuchtet werden. Zweitens sollten die arbeitspolitischen Themen und Konzepte erfasst werden, die im Anschluss daran im Projekt "Arbeit 2020" entwickelt wurden. Drittens galt es, die Impulse zu analysieren, die vom Projekt "Arbeit 2020" auf die Mitbestimmungspraxis der Betriebsräte und die Kooperationsstrukturen in den Betriebsratsgremien ausgehen. Und viertens schliesslich ging es um die Frage, wie das gewerkschaftliche Projekt als Aktivierungsprogramm für Betriebsräte einzuordnen und zu bewerten ist.

3. Untersuchungsmethoden

Das Forschungsprojekt verknüpfte methodische Elemente der Grundlagen-, der Aktions- und der Begleitforschung und strebte eine neuartige Symbiose dieser methodischen Ausrichtungen an. Im Rahmen der Begleitforschung wurden die Aktivitäten im gewerkschaftlichen Projekt "Arbeit 2020" begleitet. Im Zentrum standen dabei Workshops in den Teilnehmerbetrieben des Projekts sowie die Qualifikationsworkshops und weitere Aktivitäten des Projekts. Es wurden Beobachtungsprotokolle verfasst und um ExpertInneninterviews ergänzt. Die Ergebnisse wurden auf Workshops mit den Gewerkschaften diskutiert. Aktionsforschung war das Projekt insoweit, als durch die Teilnahme an den betrieblichen Workshops, thematische Referate und Reflexionsrunden eigene inhaltliche Impulse im Projekt "Arbeit 2020" gesetzt werden konnten. Grundlagenforschung schliesslich bildeten die Einordnung des gewerkschaftlichen Projekts sowie die Untersuchung der Entwicklungen der Mitbestimmungspraxis der Betriebsräte.

4. Darstellung der Ergebnisse

Die Befunde des Forschungsprojekts lassen sich in vier Aussagen bündeln. Erstens konnte festgestellt werden, dass der Stand der Umsetzung von Industrie 4.0 keine Anzeichen eines disruptiven Wandels aufweist. Digitale Technologien knüpfen demnach an die vorgängigen technologischen Entwicklungspfade an mit dem Schwerunkt der Vernetzung über Softwaresysteme der betrieblichen Steürung. Dabei wurden zweitens mehrere arbeitspolitische Problemfelder und Schwerpunkte in den betrieblichen Workshops identifiziert, zu denen Qualifizierung und Führungsprobleme ebenso gehören wie Arbeitszeiten und Beschäftigungssicherung. Die auffälligsten Veränderungen der Mitbestimmungspraxis der Betriebsräte zeigten sich drittens in der häufig intensivierten Zusammenarbeit der Gremien und in der Beteiligung der Beschäftigten. Diese waren eine zentrale Ressource für Expertise und Legitimation und ermöglichten den Betriebsräten mehr Augenhöhe in den betrieblichen Arbeitsbeziehungen. Damit war viertens "Arbeit 2020" als Aktivierungsprojekt für Betriebsräte vielfach auch dort erfolgreich, wo (noch) keine spezifische Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden konnte.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Gerhard Bosch

Universität Duisburg-Essen Institut Arbeit und Qualifikation IAQ

Fakultät Gesellschaftswissenschaften

gerhard.bosch@uni-due.de

Prof. Dr. Thomas Haipeter

Universität Duisburg-Essen Institut Arbeit und Qualifikation IAQ

Raum LE 526

thomas.haipeter@uni-due.de

Bearbeiter/in:

Dr. Jutta Schmitz-Kiessler

Universität Duisburg-Essen Institut Arbeit und Qualifikation IAQ

LE 536

jutta.schmitz-kiessler@uni-due.de

Kontakt:

Dr. Marc Schietinger

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

marc-schietinger@boeckler.de

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