Bürgerämter in Deutschland

Forschungsschwerpunkt: Mitbestimmung

Status: Abgeschlossen

Projektende: 31.07.2019

Projektnummer: 2015-914-2

Projektziel:

Bürgerämter galten lange Zeit als das Erfolgsmodell der Verwaltungsmodernisierung in Richtung einer verstärkten Bürgerorientierung, sind aber in den letzten Jahren verstärkt unter Kritik geraten. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt umfassend die aktülle organisatorische, personelle und technische Situation und entwirft Vorschläge zur Optimierung der Situation.

Veröffentlichungen:

Schwab, Christian, Sabine Kuhlmann, Jörg Bogumil und Sascha Gerber, 2019. Digitalisierung der Bürgerämter in Deutschland, Study 427, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 78 Seiten.

HBS-07292

Bogumil, Jörg, Sascha Gerber, Sabine Kuhlmann und Christian Schwab, 2018. Mehr Aufgaben, mehr Arbeit, Alternative Kommunalpolitik, 2018(04), S. 36-38.

Bogumil, Jörg, Sabine Kuhlmann, Sascha Gerber und Christian Schwab, 2019. Bürgerämter in Deutschland, Modernisierung des öffentlichen Sektors, Berlin: edition sigma, 106 Seiten.

Bogumil, Jörg und Marc Seuberlich, 2016. Mehr Aufgaben, weniger Personal, Der Personalrat, 2018(12), S. 8-12.

Kuhlmann, Sabine, . Mit jedem Anliegen zum Amt. Warum die Digitalisierung der Verwaltung in Deutschland nicht vorankommt, Süddeutsche Zeitung (SZ), S. 63.

Kuhlmann, Sabine und Jörg Bogumil, 2019. The Digitalization of Local Public Services: Evidence from the German Case, In: Bergström; T.Franzke, J.; Kuhlmann, S; Wayenberg, E. (Hrsg.), The Future of Local Self-Government. Challenges for Democracy and Administration, Basingstoke, Hampshire, England, S. 1-10.

Kuhlmann, Sabine, Jörg Bogumil, M. Heuberger und S. Fazio, 2019. Local Governments into the Era of Digital Governance?. Impacts of the Digitalization on Staff Members and Citizens, Belfast: EGPA Conference, 1 Seiten.

Kuhlmann, Sabine, Christian Schwab, Jörg Bogumil und Sascha Gerber, 2019. The Digitalization of Local Public Services in Germany, In: Briesen, Detlef; Thanh Pahm, Quoc; Hand Nguyen Thi, Thuy (Hrsg.), E-Government and Administrative Reform in Germany and Vietnam, Göttingen: Cuvillier Verlag Göttingen, S. 97-106.

Schwab, Christian, Sabine Kuhlmann, Jörg Bogumil und Sascha Gerber, 2019. Digitalisierung von Verwaltungsleistungen in Bürgerämtern, In: Klenk, T.; Nullmeier, F.; Wewer, G. (Hrsg.), Handbuch Staat und Verwaltung im digitalen Zeitalter, Berlin/Heidelberg: Springer Verlag, S. 1-3.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Bürgerämter existieren in nahezu allen deutschen Städten mit über 15.000 Einwohnern. In ihnen werden die publikumsintensiven lokalen Dienstleistungen organisatorisch integriert und für die Bürger an einer Stelle gebündelt. Dieses Modell eines One-Stop-Shops ist inzwischen eine gängige Organisationsvariante lokaler Leistungserbringung und hat sich – auch unabhängig vom deutschen Beispiel – international verbreitet. In Deutschland galten die Bürgerämter lange Zeit als ein Erfolgsmodell der Verwaltungsmodernisierung. Dieses Erfolgsmodell ist in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen unter Druck geraten: durch mediale Berichterstattungen über eine mangelhafte Leistungserbringung, zu lange Wartezeiten oder Schliessungen von Aussenstellen, durch Klagen von Seiten der Mitarbeiterschaft über sich verschlechternde Arbeitsbedingungen infolge von Ueberstunden, hoher Fluktuation und hohen Krankenständen, durch den wachsenden Erfüllungsaufwand durch komplexere gesetzliche Vorgaben.

2. Fragestellung

Das Projekt geht der Frage nach, wie sich die institutionellen und personellen Rahmenbedingungen in den kommunalen Bürgerämtern im Verlauf der vergangenen fünf Jahren verändert haben und welche Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen sowie die Aufgabenerfüllung für die Bürger damit verbunden waren. Im Mittelpunkt stehen die Veränderungen in der Arbeitsorganisation, einschliesslich technologischer Innovationen, in den personellen Rahmenbedingungen sowie im Aufgabenprofil der Bürgerämter. Diese Aspekte bilden – methodisch gesprochen – die unabhängigen Untersuchungsvariablen. Ihr Einfluss auf die Performanz der Bürgerämter, d. h. die Qualität und Effizienz der Aufgabenerfüllung, sowie die Arbeitsbelastung und -zufriedenheit der Mitarbeiter, soll als abhängige Untersuchungsvariable ermittelt werden.

3. Untersuchungsmethoden

Die vorliegenden empirischen Erkenntnisse stützen sich auf einen Methodenmix, der aus einer Kombination von qualitativen und quantitativen Erhebungsverfahren besteht. Insgesamt wurde auf vier Erhebungsinstrumente zurückgegriffen:

• Schriftliche Befragung aller deutschen Kommunen (Verwaltungsleitungen, Personalvertretungen) mit über 15.000 Einwohnern,

• Schriftliche Mitarbeiterbefragungen in zwei Städten (Karlsruhe, Bochum),

• Schriftliche Bürgerbefragungen in drei Städten (Mannheim, Karlsruhe, Bochum),

• Experteninterviews in den drei Untersuchungsstädten.

4. Darstellung der Ergebnisse

Im Ergebnis zeigen sich ein Organisationswandel von Bürgerämtern insbesondere durch die Einführung von Terminsprechstunden und die zunehmende Nutzung digitaler Verwaltungsprozesse. Trotz einer unbestrittenen Zunahme der Arbeitsbelastung durch Termin- und Zeitdruck, störende Unterbrechungen bei der Arbeit, durch den Geräuschpegel in den Räumlichkeiten (häufig Grossraumbüros), mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten und zu hohe Arbeitsdichte besteht übereinstimmend eine hohe Zufriedenheit mit den Leistungen der Bürgerämter: 80% der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, 65% der Personalrätinnen und Personalräte und 50–57% der Beschäftigten äussern sich „sehr zufrieden“ oder „eher zufrieden“. Wichtig sind für die Zukunft vor allem eine angemessene Personalausstattung, verantwortungsvolle Führungsstrukturen und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Notwendig sind also weitere personelle Investitionen. Zudem bedarf es eines Ausbaus der Reformanstrengungen in Richtung einer grösseren Nutzerfreundlichkeit von Online-Angeboten, was teilweise gesetzliche Aenderungen erfordert. Dies gilt insbesondere für die Bürgeramtsdienste, die am meisten nachgefragt werden (Passangelegenheiten, Meldewesen).

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Jörg Bogumil

Ruhr-Universität Bochum Fakultät für Sozialwissenschaft

LS Vergleichende Stadt- u. Regionalpolitik

joerg.bogumil@ruhr-uni-bochum.de

Prof. Dr. Sabine Kuhlmann

Universität Potsdam Wirtschafts- u. Sozialwiss. Fakultät

sabine.kuhlmann@uni-potsdam.de

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

stefan-luecking@boeckler.de

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