Medizinische und berufliche Rehabilitationseinrichtungen

Forschungsschwerpunkt: Strukturwandel und Innovation

Status: Abgeschlossen

Projektende: 31.08.2019

Projektnummer: 2018-191-1

Projektziel:

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und einer von steigendem Leistungsdruck geprägten Gesellschaft gewinnen Dienstleistungen von Rehabilitationseinrichtungen zunehmend an Bedeutung. Trotzdem stehen Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland unter einem starken Anpassungs- und Veränderungsdruck. Hiervon ist insbesondere auch das in den Einrichtungen tätige Personal betroffen.

Veröffentlichungen:

Baldauf, Sabine und Katrin Vitols, 2019. Branchenanalyse medizinische Rehabilitation. Wirtschaftliche Perspektiven, Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen in medizinischen Rehabilitationseinrichtungen, Working Paper Forschungsförderung 160, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 124 Seiten.

HBS-07359

Böckler Impuls, 2019. Reha-Beschäftigte brauchen Unterstützung. Viele Beschäftigte in Reha-Einrichtungen klagen über hohen Arbeitsdruck bei niedrigen Löhnen, Böckler Impuls, S. 2-3.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Im Jahr 2017 wurden 1,9 Millionen Rehabilitanden von rund 123.000 Beschäftigte in mehr als 1.000 Rehabilitationseinrichtungen betreut. Der Markt für Rehabilitation ist fragmentiert. Die schwierige Ertragslage einiger Häuser aber auch die zunehmende Wachstums- und Gewinnorientierung anderer Rehabilitationseinrichtungen führen dazu, dass Kostendruck, Einspar- und Rationalisierungsprogramme in vielen Rehabilitationskliniken zum Alltag gehören. Der Kostendruck wird in dieser personalintensiven Branche oft unmittelbar an die Beschäftigten weitergegeben. Hinzukommt, dass die Fallschwere der Rehabilitanden durch eine verkürzte Verweildaür in Akutkrankenhäusern und Multimorbidität zunimmt, ohne dass die Personalbemessung in den Rehabilitationseinrichtungen entsprechend angepasst wird. Dies wirkt sich negativ auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten aus. Neue technische Möglichkeiten im Rahmen von Digitalisierung verändern darüber hinaus Tätigkeitsprofile von Mitarbeiter/innen.

2. Fragestellung

Die Branchenstudie analysiert die Rahmenbedingungen und Entwicklungstrends auf dem Rehabilitationsmarkt in Deutschland unter Einbezug der wirtschaftlichen, gesetzlichen, technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Im Mittelpunkt der Analyse steht die Frage, wie sich diese Veränderungen auf Arbeit und Beschäftigung in Rehabilitationseinrichtungen auswirken. Hierfür werden in der Studie die Trägerlandschaft in der Rehabilitationsbranche, politische Rahmensetzungen und gesetzliche Regulierungen, Struktur und Entwicklung der Rehabilitationseinrichtungen, Nachfrage nach medizinischer Rehabilitation, die Finanzierung der Rehabilitation, Geschäftsstrategien von Rehabilitationseinrichtungen sowie Trends der Digitalisierung analysiert. Außerdem werden Thesen zur künftigen Ausgestaltung der Rehabilitationsbranche herausgearbeitet.

3. Untersuchungsmethoden

Die Untersuchung stützt sich auf verschiedene empirische Untersuchungsmethoden und basiert neben einer Literaturanalyse und einer Auswertung von Daten des Statistischen Bundesamtes auf Experteninterviews und einer breit angelegten Befragung von Arbeitnehmervertretungen in Rehabilitationseinrichtungen. Die Experteninterviews dienten dazu – neben Erkenntnissen zur Branchenentwicklung – Einschätzungen über die Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen sowie die zentralen Problemlagen der Beschäftigten zu gewinnen. Die Schwerpunkte der Befragung unter Arbeitnehmervertretungen in Rehabilitationseinrichtungen mit 236 Teilnehmern/innen lagen bei Struktur und wirtschaftlichen Entwicklung der Branche, Beschäftigung und Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen in verschiedenen Berufsgruppen, Umsetzung und Auswirkung von Digitalisierung sowie Zukunft der Rehabilitationsbranche.

4. Darstellung der Ergebnisse

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass insgesamt schwierige Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen in den Rehabilitationseinrichtungen vorherrschen. Der starke Kostendruck wirkt sich häufig direkt auf die Vergütung der Beschäftigten aus und führt zu einem entsprechend niedrigen Entgelt. Es existiert ein Fachkräftemangel, der durch die Abwanderung von Personal verstärkt wird. Neben Unterschiede in der Entlohnung zwischen Rehabilitationseinrichtungen und z. B. Krankenhäusern ist die Abwanderung u. a. auch durch fehlende Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierewege in Rehabilitationseinrichtungen bedingt. Die Anforderungen an die Beschäftigten sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Die gestiegene Fallschwere der Rehabilitanden führt zu Arbeitsverdichtung und eine Zunahme der Arbeitsintensität. Hinzu kommen hohe körperliche und emotionale Arbeitsanforderungen. Die Personalbemessung wird sehr selten als angemessen eingeschätzt. Auch aus der Digitalisierung ergeben sich aus Sicht der Beschäftigten kaum Verbesserungen. Stattdessen werden negative Folgen befürchten, wie eine Zunahme der Arbeitskomplexität, die Entwertung von Erfahrungswissen und eine Einengung der Arbeitsautonomie.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Dr. Katrin Vitols

Wilke, Maack GmbH wmp consult

katrin.vitols@wilke-maack.de

Kontakt:

Dr. Marc Schietinger

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

marc-schietinger@boeckler.de

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