Neue Kultur des Helfens oder Schattenökonomie?

Engagement und Freiwilligenarbeit im Strukturwandel des Wohlfahrtsstaats


Forschungsschwerpunkt: Erwerbsarbeit

Status: Laufend

Projektende: 31.08.2021

Projektnummer: 2016-142-3

Projektziel:

Das Projekt widmet sich der Frage, inwiefern das In-Anspruch-Nehmen von Engagement und Freiwilligenarbeit im aktivierenden Staat zum Vehikel von Informalisierungs- und De-Professionalisierungsprozessen wird. Ausgehend von einer Rekonstruktion der institutionellen und diskursiven Rahmenbedingungen des Engagements, werden in den Bereichen ‚Flüchtlingshilfe‘, ‚Pflege‘ und ‚kommunale Infrastruktur‘ explorative Fallstudien in Baden-Württemberg und Berlin/Brandenburg durchgeführt, um die Funktionsmechanismen und Nutzungspraktiken des Engagements in verschiedenen Feldern und regionalen Kontexten zu rekonstruieren. Das Projekt umfasst auf drei Ebenen 1) die makrosoziologische Analyse einschlägiger politischer Diskurse, Institutionen und Policies, 2) die Analyse der Mikropolitiken von Freiwilligenarbeit (auf Basis qualitativer Interviews mit Engagierten) sowie 3) die Analyse polit-ökonomischer und professionspolitischer Implikationen der Förderung von Engagement und Freiwilligenarbeit.

Veröffentlichungen:

Weitere Informationen:

Professorin für Politische Soziologie, Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Projektleitung

Prof. Dr. Silke van Dyk

http://www.soziologie.uni-jena.de/SilkevanDyk.html

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Projektleitung

Dr. Tine Haubner

http://www.soziologie.uni-jena.de/Arbeitsbereiche/Politische+Soziologie/Mitarbeiter_innen/Dr_+des_+Tine+Haubner.html

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt "Neue Kultur des Helfens oder Schattenökonomie"

Dr. Emma Dowling

http://www.soziologie.uni-jena.de/Arbeitsbereiche/Politische+Soziologie/Mitarbeiter_innen/Dr_+Emma+Dowling.html

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Im Zuge der Restrukturierung zum aktivierenden Sozialstaat, forciert durch die Krise der Staatsfinanzen und eine Krise sozialer Reproduktion, gewinnt das sorgende Potenzial unbezahlter Arbeit – auch jenseits familiärer Kontexte – (sozial-)politisch an Bedeutung.Vor diesem Hintergrund ist eine Umdeutung der sozialen Frage in eine Frage der fürsorglichen Gemeinschaft zu beobachten, bei der zunehmend die moralische Pflicht zur gemeinwohldienlichen Aktivität aller SozialstaatsbürgerInnen proklamiert wird. Freiwilligenarbeit und Engagement avancieren dabei, so die Ausgangsbeboachtung des Projekts, in Zeiten sich krisenhaft wandelnder Familien- und Geschlechterverhältnisse zum Lebenselixier des Gegenwartskapitalismus. Tendenzen der Indienstnahme von Freiwilligenarbeit unter Quasi-Markt-Bedingungen und eine zunehmende Semi-Professionalisierung bestimmter Engagementfelder sind sich abzeichnende Folgen, deren Ausmaß und Konsequenzen bis heute weitgehend unerforscht sind.

2. Fragestellung

Während es in der Engagementsforschung an übergreifenden Zeitdiagnosen sowie an Fallstudien zu einzelnen Engagementfeldern nicht mangelt, fehlt es an wohlfahrtsstaatstheoretisch fundierten, empirischen Analysen, die die Inanspruchnahme unbezahlter oder geringfügig entschädigter Arbeit in unterschiedlichen Feldern in den Blick nehmen. Angesichts der empirisch gut belegten, politischen Adressierung des Engagements als neuer Produktivitätsressource, interessiert uns hier konkret, inwiefern das Fördern, Fordern und Indienstnehmen von Engagement und Freiwilligenarbeit im Strukturwandel des Wohlfahrtsstaats zu einem Motor der Informalisierung und Deprofessionalisierung im Bereich der sozialen Daseinsvorsorge wird. Außerdem gehen wir der Frage nach, inwiefern bestimmte Aktivitäten staatlicherseits für eine subsidiäre Daseinsfürsorge in Dienst genommen werden und schließlich wie diese Konstellation von Engagierten wie ‚HilfsempfängerInnen‘ erlebt, gedeutet und gestaltet wird.

3. Untersuchungsmethoden

Das Projekt verfolgt das Ziel einer theoretisch fundierten, empirischen Analyse konkreter Engagementfelder mithilfe eines Methodenmixes, der neben einer kombinierten Institutionen- und Diskursanalyse eine Methodentriangulation unterschiedlicher Interviewformate sowie die Sekundärauswertung vorliegender repräsentativer Daten umfasst. Dabei kommen, im Rahmen eines an der Grounded Theory orientierten Forschungsdesigns, qualitative Erhebungsmethoden wie explorative ExpertInneninterviews, problemzentrierte Interviews und Gruppendiskussionen zum Einsatz.

Da ausgehend vom bisherigen Forschungsstand zu vermuten ist, dass sich der Untersuchungsgegenstand je nach Engagementkontext sehr unterschiedlich darstellt, bislang aber keine vergleichenden Studien vorliegen, die diese Annahme fundieren würden, zielt das Forschungsvorhaben in Anlehnung an die „multi-sited ethnography“ auf eine explorative Ausleuchtung der drei Engagementfelder Pflege, Kommunale Infrastruktur und Flüchtlingshilfe.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Dr. Tine Haubner

Friedrich-Schiller-Universität Jena Institut für Soziologie

tine.haubner@uni-jena.de

Prof. Dr. Silke van Dyk

Friedrich-Schiller-Universität Jena Institut für Soziologie

Arbeitsbereich Gesellschaftsvergleich

silke.vandyk@uni-jena.de

Bearbeiter/in:

Dr. Emma Dowling

Friedrich-Schiller-Universität Jena Institut für Soziologie

emma.dowling@uni-jena.de

Kontakt:

Dr. Barbara Fulda

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

barbara-fulda@boeckler.de

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