Projektbeschreibung
Kontext
Ein zentrales Ziel der Altersvorsorge ist die Gewährleistung der materiellen Sicherheit im Alter. Um dieses Ziel erreichen zu können, müssen zwei Kriterien erfüllt sein: Zum einen ein hinreichend hohes Absicherungsniveau bei der Erstberechnung der Rentenzahlungen und zum anderen eine adäquate Anpassung der einmal zuerkannten Leistungen. Über die Effektivität der betrieblichen und privaten Altersvorsorge insbesondere im Hinblick auf die materielle Sicherheit und die Entwicklung des Versorgungsniveaus in der Nacherwerbsphase ist insbesondere im Vergleich zu den staatlichen Regelsicherungssystemen der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) und der Beamtenversorgung wenig bekannt. Dabei ist dies angesichts der zunehmenden Bedeutung der betrieblichen und privaten Vorsorge von erheblicher Relevanz, soll doch diese Vorsorge die politisch bereits beschlossenen Leistungskürzungen in den Regelsystemen auch während der Bezugszeit kompensieren.
Fragestellung
Das Vorhaben dient zur Klärung der Frage, in welchem Ausmaß die kapitalgedeckte Alterssicherung bisher dazu beigetragen hat, die Absicherung des Einkommensniveaus im Alter zu gewährleisten. Insbesondere wird untersucht, inwieweit im Rahmen der privaten Altersvorsorge die Rentenleistungen von zertifizierten und nicht zertifizierten Altersvorsorgeprodukten bisher dynamisiert wurden, inwieweit bei betrieblichen Altersvorsorgeprodukten eine Leistungsanpassung in der Auszahlungsphase erfolgte sowie inwieweit sich die Tarifmerkmale der Altersvorsorgeprodukte im Zeitablauf verändert haben.
Untersuchungsmethoden
Für die Analyse wurde auf den vollständigen Geschäftsberichtsbestand der unter die deutsche Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) fallenden Versicherungsunternehmen und Pensionskassen zurückgegriffen. Die Informationen zum Leistungspotenzial der mittelbaren Durchführungswege Direktversicherung und Pensionskasse im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung sowie der zertifizierten und nicht zertifizierten Rentenversicherungsprodukte im Rahmen der privaten Altersvorsorge wurden für den Zeitraum 2002 bis 2012 in eine Datenbank eingepflegt und mittels deskriptiver Verfahren ausgewertet.
Darstellung der Ergebnisse
- Die Analyse liefert differenzierte Resultate und zeigt z.T. beträchtliche Differenzen nach Anbietern in der Anpassung der Leistungen auf. Die Dynamiksätze, die von den einzelnen Lebensversicherungsunternehmen bzw. Pensionskassen ausgewiesen werden, schwanken zudem zwischen den einzelnen Jahren.
- Die Leistungsempfänger werden mit einem nicht stetigen Mittelzufluss und einem variablen Absicherungsniveau konfrontiert; Verlässlichkeit der materiellen Absicherung im Alter kann somit nicht gewährleistet werden.
- Da sich die Geschäftsgrundlagen in ihrer Ausgestaltung im Zeitablauf unterscheiden, bestehen für Bestandsrenten unterschiedliche Geschäftsgrundlagen nebeneinander, wodurch sich aus individueller Sicht unterschiedliche Dynamiksätze für dasselbe Jahr ergeben. Prinzipiell bewirkt die Dynamisierung eine stärkere Ungleichverteilung der verfügbaren Einkommen in der Rentenbezugsphase, und es wird eine zunehmende Heterogenität der materiellen Situation von privaten Haushalten älterer Menschen verursacht.
- Generell wurde eine Kompensation der Kürzungen im Bereich der GRV durch die private bzw. betriebliche und als teilweise ersetzend deklarierte Altersversorgung nicht erreicht.