Gerechtigkeitsansprüche an Erwerbsarbeit

- ein Trendreport


Forschungsschwerpunkt: Erwerbsarbeit

Status: Abgeschlossen

Projektende: 05.11.2012

Projektnummer: 2011-493-3

Projektziel:

Erwerbsarbeit produziert seit jeher Empfindungen, Urteile und Debatten über Gerechtigkeit. Entsprechend unübersichtlich ist die Forschungslage. Das Projekt fasst zentrale Aspekte und Trends der wissenschaftlichen Diskussion im Themenfeld "Gerechtigkeit und Erwerbsarbeit" überblicksartig zusammen. Dabei stand die Perspektive von ArbeitnehmerInnen im Hinblick auf Arbeit und Arbeitsmarkt im Fokus.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Das Thema Gerechtigkeit hat erneut Hochkonjunktur. Angesichts der von der Meinungsforschung seit langem festgestellten und durch Weltwirtschafts- und Finanzkrise vermehrten Legitimitätsverluste von Wirtschaft und Politik gewinnt die Frage nach den Gerechtigkeitsansprüchen von ArbeitnehmerInnen an Erwerbsarbeit hohe politische Relevanz. Dem stehen wachsende politische Beteiligungsansprüche gegenüber (z.B. "Stuttgart 21", Anti-AKW-, "Occupy"-Bewegung). In diesem Kontext hängen demokratische Politikoptionen und Gestaltungsmöglichkeiten auch davon ab, welche Gerechtigkeitsansprüche die ArbeitnehmerInnen in Bezug auf Erwerbsarbeit stellen und welche partizipatorischen und solidarischen Verhaltenspotenziale sich damit verbinden. Allerdings ist die allgemeine wie auch die erwerbsarbeitsbezogene Forschung und Debattte über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit relativ unübersichtlich und disparat, was die Orientierung erschwert.

2. Fragestellung

Ziel ist es, vor diesem Hintergrund einen fokussierten Überblick über wichtige Aspekte der wissenschaftlichen Diskussion im Forschungsfeld "Gerechtigkeit und Erwerbsarbeit" und die bisher vorliegenden Forschungsbefunde vorzulegen. Die vorgelegte Bestandsaufnahme und Trendbestimmung folgt dabei diesen Leitfragen: Welche Gerechtigkeitsansprüche haben ArbeitnehmerInnen heute an Erwerbsarbeit? Welche Gesichtspunkte und Dimensionen von Gerechtigkeit in der Erwerbsarbeitssphäre werden in der Forschung und in der Diskussion bislang thematisiert und welche gesicherten Befunde liegen dazu vor? Welche Forschungslücken sind erkennbar? Welche vergessenen oder bislang zu wenig genutzten Ausgangspunkte einer erwerbsarbeitsbezogenen Gerechtigkeitsforschung lassen sich ausmachen?

3. Untersuchungsmethoden

Im Zentrum stand die Literaturanalyse im Forschungsfeld "Gerechtigkeitsansprüche an Erwerbsarbeit" entlang der ausgewiesenen Leitfragen. Auf die Literatursuche und -sichtung vor allem neuerer und auch internationaler Literatur folgte deren Auswertung, und zwar in zwei Schritten: Die wichtigsten Themen, Fragestellungen und Streitpunkte, Ansätze und methodischen Zugänge sowie zentralen Befunde wurden identifiziert und zusammengefasst (Bestandsaufnahme). Auf dieser Basis war dann zu beurteilen, welche Forschungslinien sich bislang als besonders ertragreich erwiesen, welche Fragen und Themen für künftige Forschung sich abzeichnen bzw. welche Forschungslücken sich benennen lassen (Trendbestimmung).

4. Darstellung der Ergebnisse

Im Lichte der ausgewerteten Literatur erweist sich der Themenkomplex "Gerechtigkeit und Erwerbsarbeit" als ein weites, konfliktträchtiges und umkämpftes Spannungsfeld. Gerechtigkeitsansprüche sind mehrdimensional und müssen mindestens zwischen Verteilungs- und Beteiligungsgerechtigkeit, zwischen Output- und Inputlegitimation differenziert werden. Denn Erwerbsarbeitsverhältnisse sind selbst dynamisch und entwickeln sich oft widersprüchlich. Daraus ergeben sich Spannungen zwischen unterschiedlichen Anforderungen der Beschäftigungs- und Arbeitssysteme einerseits und zwischen unterschiedlichen Gerechtigkeitsansprüchen andererseits. Exemplarisch aufgezeigt wird dies an den Sollbruchstellen "Work-Life-Balance" sowie "Flexibilität, Stabilität, Sicherheit".

Zusammenfassend plädiert der Trendreport vor dem Hintergrund des Forschungsstands und erkennbarer Forschungslücken für eine subjektive und eine arbeitsbezogene Wende der Gerechtigkeitsforschung, für verstärkte Aufmerksamkeit für das Thema Geschlechtergerechtigkeit und für neue "Bewusstseinsstudien".

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Prof. Dr. Michael Schumann

Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e.V. an der Georg-August-Universität

michael.schumann@sofi.uni-goettingen.de

PD Dr. Harald Wolf

Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e.V. an der Georg-August-Universität

harald.wolf@sofi.uni-goettingen.de

Kontakt:

Dr. Barbara Fulda

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

barbara-fulda@boeckler.de

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