Forschungsprojekt: Ausgliederung und Leiharbeit bei diakonischen Sozialunternehmen

Projektziel

Während der in Kirche und Diakonie praktizierte Dritte Weg die Einheitlichkeit der Gestaltung von Arbeitsbedingungen verlangt, hat sich die Praxis diakonischer Einrichtungen hiervon weit entfernt. Das Projekt untersucht Verlaufsform und Folgen der sozialwirtschaftlichen Modernisierung und fragt nach den Konsequenzen für die Zukunft der Gestaltung kirchlichen Arbeitsrechts.

Veröffentlichungen

Dahme, Heinz-Jürgen, Gertrud Kühnlein, Anna Stefaniak und Norbert Wohlfahrt, 2012. Der "Dritte Weg" zwischen normativem Anspruch und sozialwirtschaftlicher Realität. Leiharbeit und Ausgliederung in diakonischen Sozialunternehmen:, Bochum; Dortmund; Magdeburg, 115 Seiten.

Dahme, Heinz-Jürgen, Gertrud Kühnlein, Anna Stefaniak und Norbert Wohlfahrt, 2012. Ahnungslos, tendenziös und populistisch. Eine Replik auf kritische Anmerkungen der Kirche und diakonischen Dienstgeber zur Studie "Ausgliederung und Leiharbeit in diakonischen Sozialunternehmen", Bochum, Dortmund, Magdeburg: Fachhochschule Magdeburg, 6 Seiten.

Projektbeschreibung

1. Kontext

In den letzten Jahren hat sich der Sozialsektor in Deutschland durch verschiedene politische Maßnahmen hin zu einer Sozialwirtschaft entwickelt, die man auch als betriebswirtschaftliche Revolution bezeichnen kann. Diese führt in kirchlichen Einrichtungen und bei kirchlichen Trägern zu einer Ausgründungspraxis sowie zur Nutzung von Leiharbeit, die im Widerspruch zu den normativen Postulaten einer Dienstgemeinschaft steht. Hinzu kommt der Tatbestand, dass der von den kirchlichen Verbänden praktizierte Dritte Weg den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fundamentale Rechte wie das Streikrecht vorenthält, so dass die im Wettbewerb stehenden kirchlichen Einrichtungen sich betriebswirtschaftlich besonders günstige Ausgangsbedingungen schaffen können. Zudem existieren auf landeskirchlicher Ebene unterschiedliche Grade der satzungsmäßigen Steuerung diakonischer Unternehmen, die eine weitere Differenzierung der Arbeitsbedingungen erzeugen.

2. Fragestellung

Die Fragestellung bezieht sich auf den Umfang von Ausgründungen und Nutzung von Leiharbeit in diakonischen Einrichtungen in Deutschland. Zugleich wird nach den Strukturen der Ausgliederung und der Zuordnung ausgegründeter Betriebe zur Diakonie gefragt. In Fallstudien werden die Praxen der betriebswirtschaftlichen Modernisierung betrachtet und mit Blick auf ihre Folgen für die Logik des Dritten Wegs analysiert.

3. Untersuchungsmethoden

Wesentliche Untersuchungsmethoden sind eine schriftliche Befragung (halbstandardisiert) von Mitarbeitervertretungen, mündliche Interviews mit Mitarbeitervertretern in allen landeskirchlichen Diakonischen Werken, mündliche Interviews mit ausgewählten Geschäftsführungen Diakonischer Werke und drei Fallstudien von Diakonischen Betrieben bzw. der Diakonie in Ostdeutschland.

4. Darstellung der Ergebnisse

Zentrales Ergebnis der Studie ist die Erkenntnis, dass Ausgründungen in der Diakonie flächendeckend und in den vielfältigsten Formen betrieben wird.

- Die Ausgründungspraxis dient der Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen und der Senkung von Arbeitskosten.

- Die Zuordnung ausgegründeter Betriebe zum Diakonischen Werk ist unklar und uneinheitlich.

- Die Nutzung von Leiharbeit in diakonischen Einrichtungen ist übliche Praxis. Einige diakonische Sozialunternehmen unterhalten eigene Leiharbeitsunternehmen. Anders als Ausgliederungen ist "ersetzende" Leiharbeit aber kein flächendeckendes Phänomen. Zudem hat ihre Bedeutung abgenommen.

- Hervorzuheben sind weitere vom Dritten Weg abweichende Formen der Arbeitsgestaltung: die Nutzung von einseitig durch den Arbeitgeber festgelegte Arbeitsbedingungen bei einigen Fachverbänden, Einzelarbeitsverträge als Instrument unternehmerischer Lohnkostensenkung und die unterschiedlichen landeskirchlichen Arbeitsvertragsrichtlinien, die je nach Satzung auch in anderen landeskirchlichen Diakonien genutzt werden können.

-Normatives Postulat und Empirie des Dritten Wegs weichen strukturell voneinander ab.

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