Projektbeschreibung
Kontext
Der US-amerikanische Dollar stieg zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur internationalen Reservewährung auf und hat diese Position bis heute nicht verloren. Wenn ein nationales Geld zu einem internationalen Geld wird, bringt dies ökonomische Vorteile aber auch Probleme für die Reservewährungsökonomie. Obwohl der US-Dollar seine führende Position beibehalten hat, ist der Euro doch zu einem veritablen Konkurrenten aufgestiegen. Seine Rolle als regionale Währung geht weit über den Euroraum hinaus. Reflektiert wird die wachsende internationale Funktion des Euro in einer langwährenden Aufwertung gegenüber wichtigen Handelspartnern. Die Europäische Zentralbank favorisiert, wenigstens indirekt, eine Politik des starken Euro, und generiert auf diese Weise einen erhöhten Kostendruck auf Export- wie Importsektoren.
Fragestellung
Ausgangspunkt der Untersuchung war die Frage, welche geldpolitischen Implikationen die Aufwertung des Euro zeitigt. Die Ereignisse der Wirtschafts- und Finanzkrise haben erfordert, die Fragestellung weiter zu ziehen und insgesamt der Frage nachzugehen, welche wirtschaftspolitischen Anforderungen sich aus der regionalen Währungsrolle des Euro in Zeiten von polarisierten Leistungsbilanzen, zunehmenden Staatsverschuldungen, verlangsamtem Wirtschaftswachstum und ansteigender Arbeitslosigkeit ergeben. Die Aufweichung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes und die Wendung der Europäischen Zentralbank zu unkonventioneller Geldpolitik hin wird im Kontext der globalen Wirtschaft analysiert. Eine Schlüsselrolle nimmt die Frage ein, welche Auswirkungen der relative Aufstieg des Euro und der relative Abstieg des US-Dollar für das globale Währungsgeschehen sowie den Euroraum haben.
Untersuchungsmethoden
Das Projekt kombiniert eine sekundäranalytische Vorgehensweise mit empirischen Untersuchungsmethoden, um eine theoretisch angeleitete empirische Analyse vorzulegen. Zum besseren Verständnis des Zusammenhangs von finanzieller Öffnungspolitik und Leistungsbilanzen wird ein ökonometrisches Modell vorgestellt, das eine empirische Operationalisierung erlaubt
Darstellung der Ergebnisse
Die Untersuchung entwickelt drei Szenarien, die unterschiedliche Rollen des Euro in der globalen Wirtschaft beleuchten. Das als am wahrscheinlichsten angesehene Szenario prognostiziert ein oligopolistisch verfasstes Währungsregime, bei dem der US-Dollar und der Euro unterschiedliche globale Geldfunktionen übernehmen. Ein solches Regime kann kooperativer oder konfliktueller Natur sein und dabei mehr oder weniger Stabilität für die globale Oekonomie erzeugen. Obgleich Aufwertung und internationale Geldfunktionen nicht systematisch miteinander verknüpft sind, gilt für den Euro, dass die Aufwertungsphase einen Reputationsgewinn induzierte, der sich positiv auf die internationalen Geldfunktionen auswirkte. Gleichzeitig erzeugt die Aufwertung aber auch Wettbewerbsfähigkeitsprobleme innerhalb des Euroraumes sowie der Euro-angeketteten Volkswirtschaften. Europäische Zentralbank, die Europäische Kommission und nationale Regierungen haben auf die ökonomische Krise mit weitreichenden Änderungen der wirtschaftspolitischen Regime reagiert, deren Auswirkungen auf den Euro, je nach Szenario, positiv oder negativ ausfallen können.