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Neue Werte des IMK-Konjunkturindikators: Rezessionswahrscheinlichkeit bei 36,7 Prozent, aber nur geringer Anstieg im Vergleich zum Vormonat

16.04.2019

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten in einen Abschwung gerät, bleibt auf erhöhtem Niveau, hat sich im April im Vergleich zu März aber kaum erhöht. Das zeigen die neuesten Werte, die der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung liefert. Für das Quartal von April bis Ende Juni weist der Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, ein Rezessionsrisiko von 36,7 Prozent auf. Im März waren es 35,3 Prozent. Damit zeigt das nach dem Ampelsystem arbeitende Frühwarnsystem weiter „gelb-rot“. Das signalisiert eine Situation erhöhter konjunktureller Unsicherheit mit einer Rezessionswahrscheinlichkeit von über 30 Prozent.

Das Rezessionsrisiko beruht nach Analyse des IMK aktuell maßgeblich auf realwirtschaftlichen Faktoren. Vor allem wirke der starke Rückgang der Industrieproduktion in der zweiten Hälfte 2018 nach, der trotz einer Stabilisierung in den vergangenen Monaten nicht wieder ausgeglichen ist. Weniger gravierend, aber ebenfalls negativ, schlagen die rückläufigen Auftragseingänge im produzierenden Gewerbe zu Buche – vor allem aus dem Ausland wird weniger bestellt. Stimmungsindikatoren wie der ifo-Index haben sich zuletzt etwas aufgehellt, die vorausgegangene Stimmungsverschlechterung über Monate schlägt sich aber noch im Indikator nieder. Positive Signale kommen hingegen von den Finanzmärkten. Der „Finanzmarktstress“, den das IMK mit einem zusätzlichen Indikator misst, ist moderat und im Vergleich zum Vormonat fast unverändert. Das hat eine stärkere Eintrübung des Konjunkturindikators verhindert.

„Brexit, Donald Trumps Handelskonflikte und eine schwächere Konjunktur in China bremsen den Aufschwung der deutschen Wirtschaft deutlich. Trotzdem bleibt es ein Aufschwung, aktuell sehen wir keine akute Rezessionsgefahr“, sagt IMK-Außenhandelsexpertin Dr. Sabine Stephan. „Die weiterhin intakte Binnennachfrage verhindert bislang Schlimmeres. Das ist kein kleiner Verdienst angesichts der großen außenwirtschaftlichen Belastungen.“

Prof. Dr. Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK, fügt hinzu: „Wir sind zwar noch nicht im Krisenmodus, die Wirtschaftspolitik sollte aber vorbereitet sein, um schnell zu regieren, wenn es schlimmer kommt.“ Sinnvoll wäre es aus seiner Sicht, schon jetzt Pläne für mögliche Konjunkturpakete auszuarbeiten, die man dann schnell umsetzen könne, falls sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden Monaten weiter verschlechtere.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Zum IMK-Konjunkturindikator

Kontakt

Dr. Sabine Stephan
IMK, Expertin für Außenhandel

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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