: Mein Arbeitsplatz
Filistin Younes, 29, ist Diplom-Kulturarbeiterin. Sie studierte an der Fachhochschule Potsdam Sozialwesen und Kulturarbeit. Danach zog es die gebürtige Berlinerin – Tochter einer badischen Mutter und eines palästinensischen Vaters – nach Palästina.
Ramallah, Goethe-Institut, Al-Salam Street „Noch bevor ich mein Abschlusszeugnis in Händen hielt, bin ich nach Palästina gegangen. Ich hatte mich auf der Internetseite des Goethe-Instituts in Ramallah beworben, und es hat sofort geklappt. Es ist für mich traumhaft, in meiner zweiten Heimat leben und arbeiten zu können. Genau so hatte ich es mir immer gewünscht. Ja, es war mein erster Job, und ich hatte Bammel, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, auch wegen meiner spärlichen Arabisch-Kenntnisse. In den drei Jahren am Institut habe ich verschiedenste Film-, Theater-, Tanz-, Kunst- und Musikprojekte organisiert. Unter anderem eine Performance mit der weltberühmten Berliner Tanz-Company von Sasha Waltz in Ramallah und auch in Jerusalem, ein Konzert der Berliner Musikgruppe Stereo Total, das besonders lustig wurde, als die ihren Song ‚Liebe zu dritt‘ brachten, und das Screening von Berlinale-Filmen in Palästina. Das Goethe-Institut will zum einen zeitgenössische Kunst und Kultur vermitteln, zum andern den deutsch-palästinensischen Austausch fördern. Natürlich lerne ich hier viel und kann mich immer wieder als Projektmanagerin beweisen. Besonders nervig und auch frustrierend ist es allerdings, wenn Projekte zu scheitern drohen: Eine Ausstellung, die wir nach Ramallah auch in Nablus präsentieren wollten, hing am Checkpoint fest und wurde nicht durchgelassen, das Bühnenbild von Sasha Waltz für die Aufführung in Jerusalem kam erst nach mehrfachen, stundenlangen Verhandlungen aus Ramallah raus, und unser Projekt ‚Mauersteine‘, das wir zusammen mit unserem Institut in Jerusalem gestartet hatten, konnte wegen israelischer Sicherheitsbestimmungen – die Steine waren in Ramallah bemalt worden – monatelang nicht zu den ‚Mauerstein-Dominos‘, zum Mauerfallfest nach Berlin geschickt werden.
Manchmal könnte ich von dem politischen Wahnsinn hier verrückt werden. Auch die Berliner Leichtigkeit fehlt mir zunehmend. Das Freizeitangebot ist dünn. Ich kleide mich konservativer, nehme mich ein bisschen zurück. Die soziale Kontrolle durch die Nachbarn kann man nicht ignorieren. Es wird Zeit, wieder einmal die Berliner Freiheiten zu genießen. Aber wenn ich dann in Berlin wäre, fehlte mir sicher Ramallah. Ich weiß noch nicht, was geht: Berlin, hierbleiben, weiterwandern? Vielleicht Kairo?“
Textdokumentation: Wilhelm Pauli / Foto: Amir Ali