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Mein Arbeitsplatz: Gender am Bau

Ausgabe 06/2012

Carolin Lucas, 17, macht gerade ihr Fachabitur in Bau- und Holztechnik, im Praxisteil arbeitet sie derzeit als Tischlerin. Auf den Baustellen ist sie meist die einzige Frau, mit ihren Kollegen von der Tischlerei Van Neuss aus Krefeld kommt sie bestens zurecht.

Hans-Böckler-Straße 39, 40476 Düsseldorf „Ich bin sehr kreativ und mag Holz unheimlich gerne. Schon in der neunten Klasse habe ich ein Betriebspraktikum in einer Tischlerei gemacht. Das fand ich total super. Seitdem ist für mich klar, dass ich beruflich etwas Ähnliches machen will. So passt das alles sehr gut zusammen. Nur zu dem Rollenbild, das viele im Kopf haben, passt es eben nicht. Hier, auf der Baustelle im Haus der Hans-Böckler-Stiftung, bin ich auch die einzige Frau. Ich finde das cool. Klar, die Arbeit ist körperlich anstrengend, und man saut sich auch mal ein. Da muss man schon der Typ für sein. Aber das hat wirklich nichts damit zu tun, ob man jetzt männlich oder weiblich ist. Es gibt ja auch viele Klischees über Bauarbeiter, dass sie jeder Frau hinterherpfeifen und so etwas. Ich habe das noch nie erlebt. Und wenn – dann könnte ich Kontra geben, und wenn es mal ganz schlimm kommen sollte, wären ja auch noch meine Kollegen da. Als ich angefangen habe, fanden manche Freunde das schon komisch und haben Witze gemacht. Mittlerweile haben sie aber viel Respekt, dass ich das durchziehe – auch weil ich damit ein klares Ziel verfolge. Die Arbeit ist Teil meines Fachabiturs. Im ersten Jahr bin ich jetzt drei Tage in der Tischlerei und zwei in der Schule. In der zwölften Klasse bin ich dann nur in der Schule.

Nach dem Abitur will ich Architektur oder Möbeldesign studieren. Da freue ich mich auch schon sehr drauf. Die Schule ist da genau die richtige Vorbereitung. Ich weiß jetzt aus eigener Erfahrung, wie es auf einer Baustelle zugeht. Und ich verstehe auch besser, wofür die Theorie in der Schule gut ist. Was ich dort lerne, kann ich gleich anwenden, und wenn wir eine Aufgabe bekommen – etwa auszurechnen, wie viel Holz wir für einen Tisch brauchen –, hilft mir dabei auch schon mal die Arbeit, weil wir dort kürzlich ein ähnliches Problem hatten. Aber die Arbeit ist natürlich etwas ganz anderes als die Schule. Vor allem geht die Zeit schneller rum. Jetzt ist schon wieder ein Tag vorbei, und ich frage mich, wo der hin ist. Da würde ich am liebsten den Eimer unter die Uhr stellen und die Zeit auffangen.“

Textdokumentation: Andreas Kraft / Foto: Ulrich Baatz