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WSI-Mitteilungen

Hirseland, Andreas : Gefühlte Mitte – prekäre soziale Selbstverortung von Grundsicherungsbeziehenden

Ausgabe 05/2016

WSI-Mitteilungen 5/2016, Seiten 365 – 372

Zusammenfassung

Die 2005 erfolgte Einführung des SGB II (Hartz IV) stellte eine grundlegende sozial- und arbeitsmarktpolitische Reform dar, deren gesellschaftliche Folgen bis heute umstritten sind. Kritiker sehen in der Reform einen Beitrag zur Verfestigung von Armut und zu gesellschaftlichen Spaltungstendenzen, die sich auch in einer sozialen Abwertung bis hin zur Stigmatisierung von Grundsicherungsbeziehenden zeigen. Der Beitrag geht auf der Grundlage von qualitativen Forschungsergebnissen der Frage nach, inwieweit sich die befürchtete soziale Ausgrenzung von Grundsicherungsbeziehenden in deren Wahrnehmungen niedergeschlagen hat. Mittels offener Interviews und Methoden der „graphic elicitation“ werden Gesellschaftsbilder und soziale Selbstverortungen rekonstruiert. Viele der Betroffenen fühlen sich der gesellschaftlichen Mitte zugehörig, sehen diese und ihre eigene soziale Position jedoch zugleich als bedroht an und versuchen sich gegenüber vermeintlichen Unterschichten abzugrenzen. Es zeigt sich, dass Grundsicherungsbeziehende sich vielfach in einer anomischen sozialen Lage befinden.

Abstract

The implementation of the Social Code II (SGB II - Hartz IV) in 2005 represents a fundamental reform in German social and labour market policy which has remained controversial until the present time. Critics see in the reform a contribution to a splitting of society and a reinforcement of poverty, both fostering tendencies towards the marginalisation and stigmatisation of welfare recipients. Based on qualitative data the article pursues the question of how far the feared social exclusion of welfare recipients is reflected in their perceptions. Drawing on interviews and data gathered by using the method of “graphic elicitation“ welfare recipients’ views of the society they live in and the ways they locate themselves within society are reconstructed. Many welfare recipients still make a claim to be considered as members of the middle class but are aware of the precarity of this self-classification. Thus they strongly seek to delineate themselves against those who they suspect to be members of a class below them. It is shown that recipients of basic social security provision frequently find themselves in an anomic social position.

 

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