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WSI-Mitteilungen

Blank, Florian / Schulze Buschoff, Karin : Arbeit, Leistungsgerechtigkeit und Alterssicherung im deutschen Wohlfahrtsstaat

Ausgabe 05/2013

WSI-Mitteilungen 5/2013, Seiten 313-320

Zusammenfassung

Der Beitrag beschreibt die Folgen, die aus den jüngsten politischen Reformen im Bereich der Arbeitsmarkt- und der Alterssicherungspolitik mit Blick auf die Lebenslagen und auf die soziale Ungleichheit im Alter resultieren. Argumentiert wird, dass die Bedeutung von Vorleistungen in der aktiven Erwerbsphase gewachsen ist. Die Vorleistungen der Beschäftigten determinieren maßgeblich ihre jeweiligen Lebenslagen im Alter. D. h. das Leistungsprinzip als zentrale Norm der Alterssicherung wurde durch jüngste Reformen noch gestärkt. In der Rentenversicherung zeichnet sich somit – neben einer Anerkennung von Fürsorgeleistungen – eine verstärkte Erwerbszentrierung ab. Dies gilt nicht nur in der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern für das Drei-Säulen-Modell insgesamt. Gleichzeitig haben sich die Möglichkeiten, die geforderten Vorleistungen zu erbringen, vor dem Hintergrund von Arbeitslosigkeit, prekärer Beschäftigung und längeren Ausbildungszeiten verschlechtert. Weil aber die Voraussetzungen des Leistungsprinzips erodieren, wertet der Beitrag die zunehmende Erwerbszentrierung in der Rentenversicherung als problematisch und diskutiert Handlungsoptionen: Was kann getan werden, wenn das Leistungsprinzip der deutschen Alterssicherung den Folgen des Wandels der Arbeit nicht mehr gerecht wird und damit Legitimität einbüßt?

Abstract

The article analyses the consequences of the recent political reforms in the area of labour market and old-age provisions with a particular focus on the situation of the elderly and resulting social inequality. It is argued that the importance of individual payments made into pension provisions during employment has significantly increased. The employees’ contributions determine the subsequent financial situation in retirement. This means that the significance of individual social insurance contributions as the central norm for old-age provision has increased since the recent reforms – and therefore claims against the pension insurance have also increased. The underlying “merit principle” has become intensified as the central norm of the German system of old-age provision. In addition, in pension policies contributions for old-age care play a more prominent role. These tendencies are not confined to the statutory pension insurance, but also for the so-called “three-pillar-model”. However, at the same time, the opportunities for the individual to make pension contributions - as envisaged by social policy – have been reduced due to unemployment, precarious employment, and longer vocational training time. Hence, as the foundations of the “merit principle” erode, the direction of recent policy reforms is even more problematic. The article concludes by sketching out options for reform to ease the tensions of social and economic developments on the one hand and recent reforms of pension policies on the other.

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