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WSI GenderDatenPortal: Sorgearbeit: Betreuungsquoten von Kindern unter drei Jahren nach Alter 2010-2019

Der Anteil der Kleinkinder in Tagesbetreuung hängt in Deutschland eng mit dem Kindesalter zusammen (Grafik 1): Im Jahr 2019 werden fast zwei Drittel der Kinder im Alter von 2 bis unter 3 Jahren tagsüber in einer Tageseinrichtung oder von einer Tagespflegeperson betreut. Bei Kindern von 1 bis unter 2 Jahren trifft dies auf mehr als ein Drittel (37 Prozent) zu, wäh-rend lediglich 2 Prozent der Kinder unter 1 Jahr institutionell betreut werden.

Im Beobachtungszeitraum 2010 bis 2019 sind die Betreuungsquoten von Kindern in Deutschland insgesamt stark angestiegen: Besonders die Betreuungsquote der 2- bis unter 3-jährigen Kinder hat sich stark erhöht, von 43 Prozent auf 63 Prozent. Bei den 1- bis unter 2-Jährigen ist der Anteil der betreuten Kinder innerhalb einer Dekade von 22 Prozent auf 37 Prozent angewachsen. So gut wie keine Veränderung lässt sich hingegen für den Anteil der betreuten Kinder unter 1 Jahr feststellen: ihre Betreuungsquote lag sowohl 2010 wie auch 2019 bei etwa 2 Prozent.

Der Anstieg der Betreuungsquoten verläuft gerade in den Jahren 2010 bis 2015 sehr rasant und schwächt sich erst danach deutlich ab. Am deutlichsten zeigt sich dies bei den 2- bis unter 3-Jährigen: Hier steigt die Betreuungsquote zwischen 2010 und 2015 von 43 Prozent auf 61 Prozent. In den darauffolgenden Jahren erhöht sich die Betreuungsquote dann nur noch we-nig. Hauptursache für den Anstieg der Betreuungsquote ist der politisch forcierte Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung

  • „Mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) im Jahr 2005 sowie dem Kin-derförderungsgesetz (KiföG) im Jahr 2008 wurden die gesetzlichen Grundlagen für den beschleunigten Ausbau eines bedarfsgerechten Betreuungsangebots ge-schaffen. Mit dem Kinderförderungsgesetz gibt es seit dem 1. August 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres.“ (1)
  • „Auf dem Krippengipfel von Bund, Ländern und Kommunen im Jahr 2007 wur-de vereinbart, bis zum Jahr 2013 bundesweit für 35 Prozent der Kinder unter 3 Jahren ein Angebot zur Kindertagesbetreuung in einer Kindertageseinrichtung oder durch eine Tagesmutter bzw. einen Tagesvater zu schaffen.“  (2)

Im regionalen Vergleich (Grafik 2) zeigt sich, dass die Betreuungsquoten von Kleinkindern in Ostdeutschland immer noch deutlich höher ausfallen als in Westdeutschland. Die Betreu-ungsquote der Kinder im Alter von 2 bis unter 3 Jahren liegt 2019 in Ostdeutschland bei 85 Prozent, in Westdeutschland hingegen nur bei 58 Prozent. Der größte Unterschied zeigt sich für die 1- bis unter 2-Jährigen. Ihre Betreuungsquote fällt in Ostdeutschland (66 Prozent) mehr als doppelt so hoch aus, wie in Westdeutschland (31 Prozent). 

Zwischen 2010 und 2019 hat sich der Unterschied der west- und ostdeutschen Betreuungs-quoten für Kleinkinder unter 3 Jahren insgesamt verringert, weil mit dem Ausbau der Kinder-betreuung insbesondere in Westdeutschland auch ihre Nutzung stark anstieg. 

Im Vergleich der einzelnen Bundesländer (Grafik 3) zeigen sich sogar noch größere Diffe-renzen:

  • In Thüringen werden mit 90 Prozent fast alle Kinder im Alter von 2 bis unter 3 Jahren tagsüber betreut. Mit einer Betreuungsquote von 77 Prozent stellt Berlin das ost-deutsche Schlusslicht dar, liegt damit aber fast gleichauf mit Hamburg, das westdeut-sche Bundesland mit der höchsten Betreuungsquote (80 Prozent). Die niedrigsten Be-treuungsquoten aller Bundesländer für Kinder im Alter von 2 bis unter 3 Jahren weisen das Saarland und Bayern auf (jeweils 53 Prozent).
  • Für die etwas jüngeren Kinder im Alter von 1 bis unter 2 Jahren fällt der Unter-schied zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern noch deutlicher aus: So gut wie alle ostdeutschen Bundesländer haben höhere Betreuungsquoten als die westdeut-schen (mit Ausnahme von Berlin, das eine etwas geringere Betreuungsquote aufweist als Hamburg). Die höchste Betreuungsquote weisen Kinder im Alter von 1 bis unter 2 Jahren in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf (76 Prozent), die geringste findet sich in Rheinland-Pfalz (20 Prozent). Die Betreuungsquote in den Bundeslän-dern mit hohem Betreuungsanteil ist damit fast viermal so hoch wie in den Bundeslän-dern mit niedrigem Betreuungsanteil. 




Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Esther Mader 


Literatur
Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2019). Kindertagesbetreuung regional 2018. Ein Vergleich aller Kreise in Deutschland, Wiesbaden, https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kindertagesbetreuung/Publikationen/Downloads-Kindertagesbetreuung/kindertagesbetreuung-regional-5225405187004.pdf;jsessionid=6A33D3A1568DCA7CCD418669DF0827D2.internet8731?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 15.07.2020

Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2018). Kindertagesbetreuung regional 2017. Ein Vergleich aller 412 Kreise in Deutschland, Wiesbaden, https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00045940/kindertagesbetreuung-regional-5225405177004.pdf, letzter Zugriff: 15.07.2020. 

Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2010). Kindertagesbetreuung regional 2009. Ein Vergleich aller 412 Kreise in Deutschland, Wiesbaden, https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00003538/5225405107004.pdf, letzter Zugriff: 15.07.2020


(1) Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2019). Kindertagesbetreuung regional 2018. Ein Vergleich aller Kreise in Deutschland, S. 5.

(2) Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2009). Kindertagesbetreuung regional 2010. Ein Vergleich aller Kreise in Deutschland, S. 4.

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