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Systemrelevant Podcast: Macht die Corona-Krise die Gesellschaft ungleicher?

WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch berichtet über aktuelle Daten zur Entwicklung der Ungleichheit und erklärt, warum viele der Corona-Hilfspakete Frauen benachteiligt haben.

Die Erforschung gesellschaftlicher Ungleichheiten gehört seit jeher zu den Kerninteressen unseres Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI). Dessen Direktorin Bettina Kohlrausch erklärt in der neuen Folge unseres Podcasts Systemrelevant die Hintergründe und Studiendesigns von zwei hochinteressante Studien des Instituts zu aktuellen Gerechtigkeitsfragen – die der Einkommensentwicklung und die der Corona-Hilfen des Staats in den vergangenen zwei Pandemiejahren.

So bildet der neue WSI Verteilungsbericht 2021 die gesellschaftliche Ausgangslage vor der Pandemie ab: Auf Basis von SOEP-Daten zeigt er eine finanzielle Konsolidierung der Mittelschicht und ein Rückgang von Abstiegsängsten bis ins Jahr 2019. Trotz wirtschaftlich guter Jahre und der Einführung etwa des Mindestlohns zeigen die Daten jedoch auch weiterhin eine verfestigte Unterschicht. „Es ist für eine Gesellschaft gut, wenn sie relativ egalitär aufgestellt ist. Lange Zeit gab es die Diagnose, dass das in Deutschland so ist“, so Kohlrausch. Doch Aufstiegschancen und Gleichheit seien seit der Jahrtausendwende insgesamt rückläufig, die Entwicklung des Gini-Koeffizienten bilde diese Realität an den Rändern der Gesellschaft nicht ausreichend ab.

Die Mitglieder dieser unteren Schichten sind es dann auch, die während der Corona-Zeit besonders oft durch Einkommensausfälle betroffen waren, wie unsere stiftungseigene Erwerbspersonenbefragung offenbarte, deren Ergebnisse ebenfalls im Verteilungsbericht aufgegriffen wurden. „Aber auch mehr als die Hälfte der befragten Mitglieder der unteren Mittelschicht, also Einkommensgruppen zwischen 1500 und 2000 Euro, haben angegeben, Einkommenseinbußen erlitten zu haben“, berichtet Kohlrausch.

Dass die Versuche der Regierung, mit zahllosen Maßnahmen diesen ökonomischen Schock aufzufangen, insgesamt funktioniert haben, ist weitgehend Konsens unter Ökonomen. Doch wie gerecht waren die mehr als 100 einzelnen Hilfen gestaltet – und zwar unter einer Geschlechterperspektive? Das ist Untersuchungsgegenstand der zweiten aktuellen WSI-Studie, über die Bettina Kohlrausch im Podcast berichtet.

Das Ergebnis der Studie: 38 Prozent der 108 untersuchten Maßnahmen dürften Männern eher nutzen als Frauen, für 21 Prozent ist der absehbare Nutzen für Frauen größer einzuschätzen als für Männer. Bei rund 41 Prozent ist der Nutzen für beide Geschlechter gleich groß einzuschätzen. Vom Kurzarbeitergeld zum Beispiel hätten Männer unter anderem vor allem deshalb mehr profitiert, weil sie meist mehr verdienen. „Wir haben also insgesamt eine Situation, dass Frauen stärker belastet waren durch die Pandemie, die Maßnahmen aber die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern noch weiter verschärft haben“, so Bettina Kohlrausch. Viel Arbeit für die kommende Regierung also.

Alle Informationen zum Podcast

In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.

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