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: Anzahl der Entsendungen

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Entsendung bedeutet, dass ein Arbeitnehmer im Rahmen der Dienstleistungsfreiheit von seinem Arbeitgeber in ein anderes Mitgliedsland entsandt wird. Die rechtliche Grundlage für die Entsendung bietet die Entsenderichtlinie 96/71/EC aus dem Jahre 1996. Sie legt fest, dass Arbeitnehmer für die Dauer von 3 Monaten bis zu zwei Jahren in ein anderes Land entsandt werden können und für diese Dauer unter anderem im Heimatland Sozialversicherungsbeiträge abführen können. Welche Mindestarbeitsbedingungen und Entlohnungssysteme für die Entsandten gelten, unterscheidet sich von Mitgliedsstaat zu Mitgliedsstaat. In Deutschland wurde die Entsenderichtlinie durch das Arbeitnehmerentsendegesetz in nationales Recht umgesetzt.

Wie die Abbildung zeigt, hat die Anzahl der Entsendungen in den letzten 10 Jahren stark zugenommen. Nach den neuesten verfügbaren Zahlen für das Jahr 2017 war Deutschland in 427.175 Fällen bzw. knapp 25 Prozent der gesamten Entsendungen das Zielland. Deutschland ist damit innerhalb der Europäischen Union Hauptzielland der Entsendungen. Entsandte Beschäftigte arbeiteten 2016 laut Auskunft der Bundesregierung vor allem in den Wirtschaftszweigen Bau, Fleischverarbeitung uns Schlachten und im Bereich der haushaltnahen Dienstleistungen (Pflege).

Studien und Medienberichte zu den Arbeitsbedingungen von entsandten Beschäftigten haben ergeben, dass entsandte Beschäftigte in Deutschland häufig unter den hier geltenden Mindestlöhnen beschäftigt werden. Darüber hinaus gibt es keine Information zur tatsächlichen wirtschaftlichen Tätigkeit der entsendenden Firmen, so dass Briefkastenfirmen im Ausland gegründet werden und nach Deutschland entsenden und damit die deutschen Sozialsysteme sowie auch die Lohnstandards umgehen. Um Betrugsfälle aufzudecken ist eine enge Kooperation der Kontrollinstanzen in den Aufnahmeländern mit den Heimatländern dringend notwendig.



Weitere Erläuterungen

Das A1 Formular wird vom Arbeitgeber für den zu entsendenden Beschäftigten beim national zuständigen Amt beantragt und bestätigt, dass der Beschäftigte für die Dauer der Entsendung Sozialversicherungsabgaben im Heimatland abführt. Die Anzahl der ausgestellten Formulare gibt damit Information über die jährlich beantragten Entsendungen innerhalb der EU. Da Entsendungen bis zu zwei Jahren dauern können, kann das in einem Jahr beantragte A1-Formular auch noch im Folgejahr gültig sein, ohne aber in der Statistik aufzutauchen. Gleichzeitig werden für Beschäftigte, die in einem Kalenderjahr mehrfach entsandt werden, auch mehrere Formulare beantragt. Daher kann die Zahl nur als ungefährer Richtwert genutzt werden. Sie ist die einzige aktuell verfügbare Zahl, die für alle Mitgliedstaaten einheitlich zur Verfügung steht.
 

Literatur

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. 2016. Migrationsbericht 2015. Berlin: BAMF.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. 2017a. Freizügigkeitsmonitoring: Migration von EU-Bürgern nach Deutschland. Jahresbericht 2016. Nürnberg: BAMF.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. 2017b. Wanderungsmonitoring: Erwerbsmigration nach Deutschland. Bericht für das Jahr 2016. Nürnberg: BAMF.

European Commission. verschiedene Jahrgänge. Posting of Workers. Report on A1 Portable Documents. Brussels: European Commission.

Hassel, Anke, und Bettina Wagner. 2018. Die Reform der Entsenderichtlinie: Notwendige Voraussetzung für einen besseren Binnenmarkt. Ifo-Schnelldienst 71:8–12.

ISMERI. 2012. Preparatory study for an Impact Assessment concerning the possible revision of the legislative framework on the posting of workers in the context of the provision of services. Brussels: ISMERI.

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