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Arbeitsmarkt im Wandel: Aktuelle Rahmenbedingungen in Betrieben nach Betriebsrätebefragung

Angesichts der Rahmenbedingungen in den Betrieben verwundern diese Forderungen nicht: In drei von vier Betrieben herrscht permanenter Personalmangel (73 %). 60 % der Betriebsräte betonen, dass die Beschäftigten dauerhaft unter hohem Termin- und Zeitdruck arbeiten. In fast jedem zweiten Betrieb brachten Umstrukturierungen in den letzten zwei Jahren zusätzlich Unruhe in den Betrieb (48 %).

Der ständige Arbeitsdruck wird von 77 % der Betriebsräte auch mit vermehrten gesundheitlichen Problemen der Beschäftigten in Verbindung gebracht. Diesem Problem könnte mit einem präventiven betrieblichen Ge-sundheitsschutz begegnet werden. Das Arbeitsschutzgesetz bietet mit dem Instrument der ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung (§5 ArbSchG) die Möglichkeit, Arbeitsbelastungen weitgehend zu reduzieren. Mit Gefährdungsbeurteilungen lassen sich auch komplexe psychische Arbeitsbedingungen erheben. Sie sind als stetiger Prozess gedacht, in dem regelmäßig Arbeitsbedingungen und Belastungen der Mitarbeiter bewertet bzw. abgefragt werden, um daraus entsprechenden betriebliche Arbeitsschutzmaßnahmen ableiten zu können.

Der partizipative Ansatz ist dabei von großer Bedeutung, denn nur die Beschäftigten selbst können umfassend über faktische Störungen und Belastungen am Arbeitsplatz Auskunft geben.  Gefährdungsbeurteilungen sind wichtig, um zu verhindern, dass hoher Arbeitsdruck zu ungesunden Arbeitsbedingungen führt. Viele Unternehmen scheuen aber davor zurück, sich mit den belastenden Arbeitsbedingungen im Betrieb auseinanderzusetzen. In 76 % der vom WSI befragten Betriebe sind keine ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt worden, d.h. die gesetzliche Auflage ist nicht erfüllt worden (Ahlers 2015). Genau das aber wäre eine wichtige Voraussetzung, um die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt zu meistern.

Fazit

Die Digitalisierung der Arbeit kann für die Betriebe sinnvoll genutzt werden. Die Betriebsräte zeigen sich aufgeschlossen und sehen Vorteile für die Beschäftigten. Momentan allerdings bestimmt die politische Forderung nach weiterer Flexibilisierung am Arbeitsmarkt den öffentlichen Diskurs. Im Zentrum der Debatte geht es vor allem um die Anpassung der Menschen an die Erfordernisse der Wirtschaft – nicht umgekehrt. Die hier dargelegten Befunde zeigen jedoch, dass die Unternehmen selbst den eingeforderten Wandel nicht mit den nötigen betrieblichen Rahmenbedingungen unterstützen. Erforderlich wären die Bereitstellung von ausreichend Personal, flexible Arbeitszeitregelungen mit mehr Zeitsouveränität und eine bessere Gesundheitspolitik in den Unternehmen.

ausführliche Analysen und Handlungsempfehlungen: WSI Policy Brief 20, 02/2018 (pdf)

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