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Arbeitsmarkt im Wandel: AUSSCHLIESSLICH GERINGFÜGIG ENTLOHNTE BESCHÄFTIGUNG, MÄRZ 2021

Dem Koalitionsvertrag zufolge soll die Obergrenze der geringfügig entlohnten Beschäftigung (bis dato: „450-Euro-Jobs“) in Zukunft auf 520 Euro im Monat steigen. Dies entspricht einer wöchentlichen Arbeitszeit von 10 Stunden zum avisierten Mindestlohn von 12 Euro (SPD/Die Grünen/FDP 2021, Rn. 2290–2292). Vor diesem Hintergrund werden hier aktuelle Zahlen und Informationen zu dieser Beschäftigungsform bereitgestellt:

In Deutschland gibt es nach dem Beschäftigungseinbruch in Folge der Corona-Epidemie im März 2021 noch 6,9 Millionen Beschäftigte, die einen 450-Euro-Minijob haben. Für gut 2,87 Millionen Personen ist diese Tätigkeit ein Nebenjob. Etwa 4 Millionen oder 10,7 Prozent aller Beschäftigten üben jedoch ausschließlich einen Minijob aus.

Etwa 60 Prozent der ausschließlich geringfügig beschäftigten Minijobber sind Frauen. Wie die Karte zeigt, gibt es auch große Unterschiede hinsichtlich der Verteilung nach Regionen. Generell sind 450-Euro-Minijobs als Hauptbeschäftigung in Westdeutschland mit 11,3 Prozent aller Beschäftigten viel verbreiteter als in Ostdeutschland (7,5 Prozent). Entgegen diesem Muster liegt der Kreis mit dem geringsten Anteil an ausschließlich geringfügig Beschäftigten jedoch in Westdeutschland: In Wolfsburg gehen nur 4,3 Prozent aller Beschäftigten ausschließlich einer 450-Euro-Beschäftigung nach. Sehr hohe Anteile ausschließlich geringfügig entlohnter Beschäftigter finden sich hingegen in den rheinland-pfälzischen Kreisen Trier-Saarburg (22,7 Prozent), Kusel (18,6 Prozent) und der Südwestpfalz (19,2 Prozent).

Aus Arbeitnehmerperspektive handelt es sich bei der geringfügig entlohnten Beschäftigung aus verschiedenen Gründen um eine problematische Beschäftigungsform: Erstens entsteht bei diesen Minijobs kein Anspruch auf Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld. Zweitens unterliegen die 450-Euro-Jobs selten dem Kündigungsschutz, da sie vor allem in Kleinbetrieben ausgeübt werden. Auch in größeren Betrieben setzen die Betroffenen ihren Anspruch nur in den seltensten Fällen gerichtlich durch, weil die zu erwartenden Abfindungen vergleichsweise gering ausfallen (Walwei 2021). Neben der Konzentration der 450-Euro-Jobs in besonders von den Kontaktbeschränkungen betroffenen Branchen wie dem Gastgewerbe haben der mangelnde Anspruch auf das Kurzarbeitergeld (Grabka/Braband/Göbler 2020) und die marginale Abdeckung durch den Kündigungsschutz  dazu beigetragen, dass die geringfügig entlohnte Beschäftigung zu Beginn der Corona-Krise wesentlich schneller und tiefer eingebrochen ist als die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Drittens bleiben den geringfügig entlohnten Beschäftigten oftmals Arbeitnehmerrechte wie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie Urlaub versagt (Stegmaier/Gundert/Tesching/Theuer 2015). Viertens weisen verschiedene Studien darauf hin, dass geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse in Kleinbetrieben und dort insbesondere im Gastgewerbe und im Einzelhandel reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verdrängen (Collischon/Cygan-Rehm/Riphahn 2021; Hohendanner/Stegmaier 2012).

Aktuelle Daten aus einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit zur ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigung nach Geschlecht stehen für alle Kreise Deutschlands für den März 2021 zum Download zur Verfügung.

Download Daten (xlsx)
Download Karte (png, Print-Auflösung)

Literatur

Collischon, M./Cygan-Rehm, K./Riphahn, R. T. (2021): Minijobs in Kleinbetrieben: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wird verdrängt, Nürnberg

Grabka, M./Braband, C./Göbler, K. (2020): Beschäftigte in Minijobs sind die VerlierInnen der coronabedingten Rezession, Berlin

Hohendanner, C./Stegmaier, J. (2012): Umstrittene Minijobs, Nürnberg

SPD/Die Grünen/FDP (2021): Mehr Fortschritt wagen. Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, Berlin

Stegmaier, J./Gundert, S./Tesching, K./Theuer, S. (2015): In der Praxis besteht Nachholbedarf bei Minijobbern, Nürnberg

Walwei, U. (2021): Geringfügige Beschäftigung: Ausweiten oder abschaffen?, Nürnberg

Kontakt

Ansprechpartner für alle Fragen zum WSI-Datenportal "Arbeitsmarkt im Wandel" ist Dr. Eric Seils.

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