Böckler Impuls Ausgabe 16/2016

Corporate Governance

Einer verdient wie 57

Vorstände von Dax-Unternehmen erhalten im Schnitt 57-mal so viel Geld wie die übrigen Beschäftigten. Der Corporate-Governance-Kodex sollte den Aufsichtsrat auffordern, die Verdienstrelationen schriftlich zu begründen.

Wer die Verantwortung für die Geschicke eines großen Unternehmens und damit zigtausend Arbeitsplätze trägt, sollte anständig bezahlt werden. Die Frage ist, wie hoch der Gehaltsaufschlag ausfallen darf. Die Ökonominnen Marion Weckes und Qendresa Berisha haben für die Hans-Böckler-Stiftung die sogenannte Manager-to-Worker-Pay-Ratio der 30 Dax-Unternehmen berechnet, das heißt, die Vorstandsvergütungen ins Verhältnis zu den Durchschnittsverdiensten im jeweiligen Konzern – inklusive Auslandsniederlassungen – gesetzt. Ergebnis: Im Schnitt erhalten die Vorstände das 57-fache des Durchschnittsgehalts.

Um den Abstand zwischen Vorstandsvergütungen und den Gehältern der normalen Arbeitnehmer zu begrenzen, sollte die Manager-to-Worker-Pay-Ratio eine größere Rolle im Deutschen Corporate-Governance-Kodex spielen, empfehlen Weckes und Berisha. Dort könnte festgelegt werden, dass die Vergütung der Vorstände im Verhältnis zu anderen Mitarbeitern angemessen ausfallen und im Vergütungsbericht des Aufsichtsrats nachgewiesen werden soll.

Weite Verdienstspanne

Im vergangenen Jahrzehnt ist die Manager-to-Worker-Pay-Ratio deutlich angestiegen. 2005 bekamen die Vorstände das 42-fache der Beschäftigten, 2011 erreichte die Quote mit dem 62-fachen einen vorläufigen Höchststand. Dem jüngsten ermittelten Wert von 57 liegen Daten von 2014 zugrunde. Dabei reicht die Spanne vom 17-fachen bei Beiersdorf bis zum 141-fachen bei Volkswagen. Allerdings erfolgte die Bezahlung der Manager nicht unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg. So stand VW 2014 auch in den Kategorien Umsatz, Gewinn und Beschäftigungswachstum an der Spitze.

In den USA kassieren Spitzenmanager im Schnitt das 335-fache ihrer Arbeiter und Angestellten und damit erheblich mehr als in Deutschland. Allerdings sind US-Unternehmen ab 2017 verpflichtet, die Werte auszuweisen. Es bleibe abzuwarten, so Weckes und Berisha, ob dies Konsequenzen haben wird. Eine Untersuchung der Harvard Business School zeige jedenfalls, dass die Wertschätzung der Verbraucher für ein bestimmtes Unternehmen sinkt, wenn sie wissen, dass dessen Manager sich eine allzu großzügige Vergütung gönnen. Die Ökonominnen verweisen zudem auf eine weitere Studie, die belegt, dass extrem großzügig entlohnte Manager dazu neigen, übermäßige Risiken einzugehen – woran weder Beschäftigte noch Aktionäre ein Interesse haben können.

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Quellen

Marion Weckes, Qendresa Berisha: Manager to Worker Pay Ratio (pdf), Mitbestimmungsreport Nr. 26, Oktober 2016


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