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17.12.2015

1,7 Prozent Wachstum 2015, 1,8 Prozent 2016

IMK: Deutsche Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs, Arbeitslosigkeit wächst trotz Zuwanderung kaum

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr um 1,7 Prozent wachsen und auch 2016 ihren moderaten Aufschwung fortsetzen. Dabei dürfte sich die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) leicht auf 1,8 Prozent beschleunigen. Wichtigster Wachstumstreiber ist die lebhafte Nachfrage im Inland. Doch auch die deutschen Exporteure behaupten sich trotz der Abkühlung in wichtigen Schwellenländern. Sie profitieren weiterhin vom niedrigen Eurokurs, der starken Nachfrage aus den USA und einer langsamen Erholung im Euroraum. Vor diesem Hintergrund dürfte 2016 auch die bislang schwache Entwicklung bei den Unternehmens- und den Bauinvestitionen etwas Fahrt aufnehmen. Die gute Konjunktur, aber auch die schleppende Bearbeitung von Asylanträgen und Qualifizierungsmaßnahmen für Flüchtlinge sorgen dafür, dass die Zahl der Arbeitslosen trotz der sehr starken Zuwanderung im Jahresdurchschnitt 2016 nur um 20.000 Personen zunehmen wird (mehr siehe unten im Abschnitt Arbeitsmarkt). Zu diesen Ergebnissen kommt die neue Konjunkturprognose, die das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung heute auf einer Pressekonferenz in Berlin vorstellt.

Unter dem Strich sieht das IMK die deutsche Wirtschaft „auf langsamer Fahrt“ voraus. Gegenüber ihrer Prognose vom Oktober senken die Forscher die Wachstumserwartung für 2015 minimal um 0,1 Prozentpunkte – und landen so wieder fast genau bei ihrer Vorhersage vom Dezember 2014. Für 2016 rechnen sie mit 0,2 Prozent weniger BIP-Zunahme als im Oktober. „Die zuvor erwartete Dynamik des selbsttragenden Aufschwungs hat sich leider nicht eingestellt. Dafür war und ist die Unsicherheit bei den Unternehmen zu groß“, erklärt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK.

Umso wichtiger sei es, dass es neben „dem für Deutschland üblichen konjunkturellen Antriebsfaktor“ der Ausfuhren nun ein zweites, im vergangenen Jahrzehnt kaum wirksames Antriebsaggregat gebe: den privaten Verbrauch. „Ausgelöst wurde dies durch eine beschleunigte Lohndynamik nach der Finanzmarktkrise, die aber dennoch die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in Deutschland wahrte und damit maßgeblich zum Aufbau einer zweiten Aufschwungsstütze neben dem Export beitrug“, schreiben die Konjunkturexperten. Dazu habe auch der neu eingeführte Mindestlohn beigetragen. Für das kommende Jahr rechnet das IMK mit einer Fortsetzung dieser positiven Tendenz durch spürbare nominale und reale Lohnzuwächse. Gleichzeitig nehme die Bedeutung der Inlandsnachfrage noch zu, weil die absehbare Leitzinserhöhung in den USA das Wachstum in großen Schwellenländern durch weitere Kapitalabflüsse wahrscheinlich noch einmal bremst.

Zusätzliche Impulse dürfte die deutsche Konjunktur 2016 durch etwas steigende Investitionen erhalten. Vor allem die Ausgaben für neue Gebäude dürften laut IMK zunehmen, weil die Einkommen wachsen und die Zinsen noch niedrig sind. Auch viele Unternehmen, die in diesem Jahr mit Investitionen noch gezögert haben, dürften ihre Ausgaben für neue Maschinen und sonstige Ausrüstungen moderat ausweiten. „Gleichwohl bleibt die prognostizierte Investitionsdynamik im Vergleich zu früheren Zyklen äußerst verhalten“ – und die Investitionen weiterhin eine Schwachstelle des Aufschwungs, so die Konjunkturforscher.

Kerndaten der Prognose:

Arbeitsmarkt
Das Wirtschaftswachstum lässt die Beschäftigung weiter kräftig steigen. Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland nimmt 2015 und 2016 um jeweils 0,8 Prozent im Jahresdurchschnitt zu. Da durch die sehr starke Zuwanderung auch die Zahl der Erwerbspersonen steigt, wird die Arbeitslosigkeit 2016 allerdings nicht mehr weiter sinken. Nach einem Rückgang um rund 100.000 Personen im Jahresdurchschnitt 2015 auf knapp 2,8 Millionen erwartet das IMK, dass die Zahl der Arbeitslosen im kommenden Jahr um durchschnittlich 20.000 Personen zunimmt. Den insgesamt geringen Anstieg 2016 erklären die Forscher mit der guten Konjunktur sowie mit relativ langen Asylverfahren und Qualifizierungsmaßnahmen, die dazu führen, dass die Zuwanderer zeitverzögert auf den Arbeitsmarkt gelangen. Die Arbeitslosenquote beträgt nach der IMK-Prognose in beiden Jahren 6,4 Prozent.

Außenhandel
Die deutschen Ausfuhren wachsen im Jahresdurchschnitt 2015 um 5,4 Prozent. 2016 schwächt sich die stimulierende Wirkung der Euro-Abwertung ab, zudem dürfte als Folge des niedrigen Ölpreises die Nachfrage aus den Förderländern sinken. Die Exportentwicklung bleibt mit einem durchschnittlichen Zuwachs von 4,5 Prozent aber recht robust. Die Importe legen infolge der stärkeren deutschen Binnennachfrage 2015 um 6,2 Prozent im Jahresmittel zu, 2016 um 6,0 Prozent. Der extrem hohe deutsche Leistungsbilanzüberschuss sinkt nur geringfügig.

Investitionen
Die Unternehmen weiten ihre Investitionen nur schrittweise wieder aus: 2015 dürften die Ausrüstungsinvestitionen um 4,3 Prozent wachsen, 2016 legen sie um 5 Prozent zu. Die Bauinvestitionen wachsen in diesem Jahr um 0,6 Prozent und 2,2 Prozent im kommenden Jahr.

Einkommen und Konsum
Die verfügbaren Einkommen steigen 2015 nominal um durchschnittlich 3 Prozent. Da die Inflation niedrig ist, liegt der reale Zuwachs nur wenig niedriger. 2016 legen die verfügbaren Einkommen nominal um 3,5 Prozent zu. Bei wieder zunehmender Teuerung real allerdings nur um 2,2 Prozent. Die realen privaten Konsumausgaben wachsen 2015 um 2 Prozent, 2016 um 2,2 Prozent.

Inflation und öffentliche Finanzen
Die allgemeine Preisentwicklung in Deutschland ist 2015 extrem schwach. Im Jahresdurchschnitt liegt die Teuerungsrate laut IMK bei nur 0,3 Prozent. 2016 beschleunigt sie sich auf 1,1 Prozent, bleibt damit aber weiterhin weit unter dem EZB-Inflationsziel. „Was aus Sicht der Beschäftigten im Hinblick auf hohe Realeinkommenszuwächse positiv erscheint, ist aus gesamtwirtschaftlicher Sicht problematisch“, schreiben die Düsseldorfer Forscher.

Von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung profitiert auch die öffentliche Hand, vor allem in diesem Jahr. Das Staatsbudget wird 2015 einen Überschuss von 0,9 Prozent des BIP aufweisen. Für 2016 prognostiziert das IMK einen Überschuss von 0,4 Prozent des BIP.

Weitere Informationen:

IMK Arbeitskreis Konjunktur: Auf langsamer Fahrt. Die konjunkturelle Lage in Deutschland zur Jahreswende 2015/2016 (pdf). IMK Report 110, Dezember 2015.

Videostatement von Gustav Horn

Kontakt:

Prof. Dr. Gustav A. Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK

Peter Hohlfeld
IMK, Experte für Konjunkturprognosen

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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