Böckler Impuls Ausgabe 04/2014

Einkommen

Reallöhne: Nur Tarifbeschäftigte im Plus

Die Bruttolöhne in Deutschland liegen real immer noch niedriger als im Jahr 2000. Stärker entwickelt haben sich die Tariflöhne, vor allem aber die Gewinn- und Vermögenseinkommen.

Sind die Bruttolöhne in Deutschland 2013 real, also preisbereinigt, gestiegen oder leicht zurückgegangen? Die neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes sind widersprüchlich. Klar ist aber: In der langfristigen Perspektive sind die durchschnittlichen Bruttolöhne je Beschäftigtem real gesunken: 2013 waren sie 0,7 Prozent niedriger als 2000. Das zeigt die aktuelle Verteilungsbilanz des WSI-Tarifarchivs.

Die vergangenen Jahre, in denen die Löhne real meist zulegten, haben die erheblichen Verluste noch nicht ausgeglichen, die in den 2000er-Jahren aufgelaufen waren. Schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Deregulierung am Arbeitsmarkt hatten damals die Entwicklung der Arbeitseinkommen gebremst. Der Niedriglohnsektor wuchs. Immerhin wird der Rückstand inzwischen kleiner: 2010 hatten die realen Bruttolöhne noch um 3,5 Prozent niedriger gelegen als 2000.

Deutlich kräftiger haben sich die Tariflöhne und -gehälter entwickelt. Sie waren 2013 real um 8,2 Prozent höher als im Jahr 2000. Meist beobachteten die Experten des WSI-Tarifarchivs in diesem Zeitraum eine negative Lohndrift. Das heißt: Die Bruttoeinkommen, in die unter anderem auch die Löhne der nicht nach Tarif bezahlten Arbeitnehmer einfließen, blieben hinter den Tarifeinkommen zurück.

„Das Tarifsystem war in der vergangenen Dekade mehr denn je das Rückgrat der Lohnentwicklung in Deutschland“, sagt WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck. Jedoch nahm die Prägekraft gleichzeitig ab, vor allem, weil die Tarifbindung sank. Daher schlugen Steigerungen bei den Tariflöhnen nur zum Teil auf die Bruttoverdienste durch.

Die WSI-Berechnungen machen auch deutlich, dass die Einkommen aus Vermögen und Unternehmensgewinnen die Arbeitseinkommen weit hinter sich gelassen haben: Von 2000 bis 2013 legten sie nach den neuesten Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nominal um rund 62 Prozent zu. Die nominalen Arbeitnehmerentgelte wuchsen dagegen nur um knapp 28 Prozent.

Vorübergehend ist auch hier der Abstand etwas kleiner geworden: Die Löhne machten Boden gut, die Kapitaleinkommen litten unter der Zinsschwäche. Im vergangenen Jahr hätten die Gewinn- und Vermögenseinkommen aber wieder stärker zugelegt als die Bruttolöhne, so Bispinck. „Das zeigt: Bei der Lohnentwicklung ist noch Spielraum nach oben“, sagt der Experte. „Es ist vernünftig ihn zu nutzen, denn eine weitere Stärkung der Binnennachfrage brächte Deutschland und Europa mehr wirtschaftliche Stabilität.“

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Quellen

Reinhard Bispinck leitet das WSI-Tarifarchiv.

 


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