Böckler Impuls Ausgabe 14/2005

Konjunktur

Deutsche Lohnzurückhaltung bremst Europa

Die deutsche Lohnzurückhaltung hat die Exporte beflügelt und die Binnenwirtschaft geschwächt. Tun die anderen Europäer es den Deutschen gleich, droht ganz Euroland ein realer Abwertungswettlauf, der letztlich in eine Deflation münden könnte, analysiert das IMK. Mit Gefahren für die Zukunft des Euroraums.

Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum verläuft ungleich und kommt insgesamt nicht voran. Auffällig sind  die - nun schon dauerhaft - großen Unterschiede bei der Inflation. Sie werden, so das IMK, entscheidend von der nationalen Lohnentwicklung beeinflusst.

In keinem anderen Land des Euroraums war die Lohnzurückhaltung seit Beginn der Währungsunion so stark wie in Deutschland. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen zehn Jahren nirgends so schwach entwickelt wie hier. Umso stärker stieg die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Der Außenhandelsüberschuss Deutschlands hat sich dramatisch ausweiten können - auf Kosten der anderen Länder, erläutert das IMK. In Prozent des Bruttoinlandsprodukts hat er sich seit 1999 fast versechsfacht. Frankreich und Italien indessen werden in diesem Jahr mehr importieren als exportieren.

Möglich, dass die starke Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands das Wachstum ankurbelt und zu mehr Beschäftigung und höheren Lohnzuwächsen führt als im übrigen Euroraum. Die Erholung könnte sich dann auf alle Länder übertragen. Voraussetzung dafür ist dem IMK zufolge aber, dass die Lohnpolitik korrigiert wird. Es ist somit ein Gebot der gesamtwirtschaftlichen Vernunft, dass die Verhandlungsposition der Gewerkschaften gestärkt und nicht durch Maßhalteappelle geschwächt wird. Alternativ müsste die Haushaltspolitik expansiver werden, um den durch zu niedrige Lohnzuwächse bedingten Nachfrageausfall auszugleichen.

Passiert das nicht, hält es das IMK für wahrscheinlich, dass sich der Lohndruck nach unten auf die anderen Länder überträgt und im gesamten Euroraum die Preise drückt. Die Folge: eine Abwärtsspirale, die in Stagnation und Deflation mündet.


Quellen

Gustav A. Horn, Bernd Mülhaupt, Katja Rietzler: Quo vadis Euroraum?, IMK-Report Nr. 1, August 2005.

Eckhard Hein, Achim Truger: Macroeconomic policies, wage developments, and Germany's stagnation, IMK Working Paper Nr. 1, Juli 2005. Workingpaper zum Download (pdf)

Europäische Zentralbank: Geldpolitik und Inflationsdivergenz in einem heterogenen Währungsraum, in: EZB-Monatsbericht Mai 2005.


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