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23.01.2008

Aktuelle Auswertung der ersten Bewerbungsrunde

Böckler-Aktion Bildung: Stipendien unterstützen Talente aus bildungsfernen Familien

 

Im deutschen Bildungssystem liegen große Potenziale brach, weil begabte junge Menschen aus ärmeren Familien auf ein Studium verzichten - obwohl sie die Schule mit guten oder sogar sehr guten Noten abgeschlossen haben. Zahlreiche Beispiele dafür liefert eine aktuelle Analyse der Profile von Bewerberinnen und Bewerbern auf Stipendien, die die Hans-Böckler-Stiftung im Rahmen ihrer neuen "Böckler-Aktion Bildung" vergibt.

"Wir waren selbst überrascht, wie viele junge Leute ihr Abitur oder Fachabitur glänzend schaffen, obwohl sie aus Verhältnissen stammen, die oft als bildungsfern bezeichnet werden. Dabei sind gute Noten für uns keineswegs das einzige Kriterium für eine Förderung. Wir schauen uns genau an, unter welchen Umständen es ein Bewerber bis zum Abschluss gebracht hat", sagt Dr. Wolfgang Jäger, der für Studienförderung zuständige Geschäftsführer der Stiftung, bei der Vorstellung der Auswertung in Düsseldorf. "Gleichzeitig hat uns alarmiert, wie hoch selbst für diese Talente die Hürden auf dem Weg zur Hochschule sind. Wir haben es in den Auswahlgesprächen hunderte Male gehört: Studiengebühren zahlen zu müssen und die Aussicht, nach einem Studium mit hohen Schulden dazustehen, weil einen die Eltern nicht finanziell unterstützen können, wirkt extrem abschreckend. Den Schaden haben die jungen Leute, wenn sie auf Bildungschancen verzichten, obwohl sie alle Voraussetzungen mitbringen - bis auf Geld. Aber auch die Gesellschaft insgesamt erleidet einen Nachteil. Alle Bildungsforscher sind sich einig, dass Deutschland mehr akademisch ausgebildete Fachkräfte braucht, und hier werden Begabungen nicht genutzt."

201 zusätzliche Stipendien in der ersten Runde

Die gemeinnützige Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist das zweitgrößte deutsche Begabtenförderungswerk und hat bisher vor allem Studierende mit Berufserfahrung gefördert. Mit der "Böckler-Aktion Bildung" baut die Stiftung ihre Studienförderung deutlich aus, und sie verstärkt ihr Engagement für mehr soziale Chancengleichheit beim Hochschulzugang. Dafür nutzt sie zusätzliche Gelder, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) allen Begabtenförderungswerken zur Verfügung stellt sowie beträchtliche Eigenmittel.

Die "Böckler-Aktion Bildung" wendet sich direkt an junge Menschen, die gerade ihre Studienberechtigung erworben haben oder kurz vor dem Abschluss stehen. Ein wesentliches Kriterium für die Förderung ist die wirtschaftliche Lage: Das Familieneinkommen ist bei den Bewerbern so niedrig bemessen, dass ein vollständiger BAföG-Anspruch vorliegt. In einer ersten Runde hat die Stiftung kürzlich 201 zusätzliche Stipendiatinnen und Stipendiaten aufgenommen, beworben hatten sich knapp 600 junge Frauen und Männer.

63 Prozent Frauen, knapp die Hälfte hat Migrationshintergrund

Das sozialstatistische Profil der 201 Neu-Stipendiaten unterscheidet sich deutlich von den typischen Studierenden an deutschen Hochschulen. Letztere stammen nach der aktuellen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes zu 62 Prozent aus der Ober- und der oberen Mittelschicht - ein Anstieg von 19 Prozentpunkten gegenüber den frühen 80er Jahren. Dagegen kommt allein mehr als ein Viertel der durch die "Böckler-Aktion Bildung" Geförderten aus Familien, die Hartz-IV-Leistungen beziehen oder von Leistungen der Grundsicherung leben müssen.

Viele der neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten kommen aus größeren Familien, durchschnittlich haben die neu Aufgenommenen zwei Geschwister. 45 Prozent haben Eltern, die nach Deutschland zugewandert sind, oder sie wurden selbst im Ausland geboren. 63 Prozent sind Frauen.

Wirtschafts- und Naturwissenschaften stark gefragt

16 Prozent der Neu-Stipendiaten haben sich für einen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang entschieden, 15 Prozent für Mathematik oder eine Naturwissenschaft. Gut 12 Prozent studieren Medizin,  weitere 10 Prozent haben ein Ingenieursstudium aufgenommen. Knapp 12 Prozent studieren auf Lehramt, sieben Prozent Pädagogik oder Sozialarbeit, jeweils gut acht Prozent Sozial- oder Geisteswissenschaften und sieben Prozent Jura (diese und weitere Daten als Grafik-Charts finden Sie über den letzten Link am Fuß dieser PM).

Die "Böckler-Aktion Bildung" wird fortgesetzt. Interessierte junge Leute können sich bis zum 30. April für ein Stipendium zum Wintersemester 2008/2009 bewerben. Informationen zu den Anforderungen und die Bewerbungsunterlagen finden sich im Internet-Angebot der Hans-Böckler-Stiftung unter www.boeckler.de/stipendium. In den kommenden drei Jahren baut die Stiftung die Zahl ihrer Stipendien von bislang 1600 auf mindestens 2100 aus.

Bei der PK, mit der die Stiftung heute die "Böckler-Aktion Bildung" vorstellt, ordnen Dr. Necla Kelek und Prof. Dr. Klaus Klemm die Initiative in die aktuellen Integrations- und Bildungsdebatten ein. Zudem stellen sich neu aufgenommene Stipendiatinnen und Stipendiaten vor.

Kontakt:

Dr. Wolfgang Jäger
Geschäftsführer

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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