Böckler Impuls Ausgabe 01/2018

Tarifpolitik

Höhere Löhne in Sicht

Die Tariflöhne haben 2017 zugelegt. Weil jedoch auch die Inflation anzog, blieb unter dem Strich ein kleineres Plus als in den Vorjahren. Jetzt könnte wieder mehr drin sein.

Höhere Löhne in Sicht

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Die Tariflöhne sind 2017 nominal im Durchschnitt um 2,4 Prozent gestiegen. Nach Abzug des Verbraucherpreisanstiegs von 1,8 Prozent ergibt sich daraus ein realer Zuwachs von 0,6 Prozent. So fällt die Bilanz für die Tarifpolitik des Jahres 2017 aus, die das Tarifarchiv des WSI vorlegt. „Da die Inflationsrate wieder spürbar höher ist, fällt der Reallohnzuwachs 2017 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich geringer aus“, erklärt Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Ta­rifarchivs. In den Jahren 2014 bis 2016 waren die Tariflöhne wegen der sehr geringen Preissteigerung real zwischen 1,9 und 2,4 Prozent gestiegen.
 
Am höchsten fiel die Steigerung 2017 mit nominal 3,1 Prozent in der Textil- und Bekleidungsindustrie aus, gefolgt vom Metallhandwerk mit 3,0 Prozent. Etwas oberhalb des Durchschnitts lagen die Erhöhungen im öffentlichen Dienst und dem Hotel- und Gaststättengewerbe mit jeweils 2,7 Prozent, der chemischen Industrie mit 2,6 Prozent sowie der Metallindustrie und dem privaten Verkehrsgewerbe mit jeweils 2,5 Prozent. 

Insgesamt konnte der gesamtwirtschaftliche Verteilungsspielraum, der sich aus der Preis- und Produktivitätsentwicklung ergibt, im Jahr 2017 annähernd ausgeschöpft werden. Berücksichtigt man jedoch nicht nur die tatsächliche Preisentwicklung, sondern auch die Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank von annähernd zwei Prozent, so zeigt sich, dass der Lohnanstieg nach wie vor eher moderat ausfällt und immer noch erheblichen Spielraum nach oben aufweist. „Angesichts der guten Konjunkturentwicklung und der relativ niedrigen Arbeitslosigkeit deuten die Zeichen der bereits begonnenen Tarifrunde 2018 eindeutig auf eine expansivere Lohnpolitik hin“, sagt Schulten. „Dies wird auch durch die Forderungen der Gewerkschaften unterstrichen, die mit meist sechs Prozent Lohnerhöhung sowie weiteren Komponenten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen deutlich oberhalb der Vorjahre liegen.“