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20.04.2009

WSI-Tarifhandbuch 2009

Von 86 Pfennig auf 10,41 Euro Stundenlohn -Tarifliche Regelungen von 1949 bis 2009

1949 betrug in der Metallindustrie Nordrhein-Westfalens der unterste tarifliche Stundenlohn 86 Pfennige, Frauen erhielten sogar nur 65 Pfennige. Heute beträgt der unterste Stundenlohn für Männer und Frauen in diesem Tarifgebiet 10,41 Euro. 1965 gab es in der NRW-Metallbranche erstmals tarifliches Urlaubsgeld und ab 1972 auch eine tarifliche Sonderzahlung (Weihnachtsgeld). Die tarifliche Wochenarbeitszeit ging von 48 auf 35 Stunden zurück, der tarifliche Jahresurlaub stieg von zwei auf sechs Wochen. Dies geht aus einer Schwerpunktanalyse im neuen WSI-Tarifhandbuch 2009 hervor, die die tarifpolitische Entwicklung in den vergangenen sechs Jahrzehnten untersucht. Das Tarifhandbuch kommt in diesen Tagen auf den Markt.

"Die tarifpolitische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt eine eindrucksvolle Leistungsbilanz" sagte der Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, Dr. Reinhard Bispinck, "allerdings hat die Bedeutung des Tarifsystems in den vergangenen zehn Jahren deutlich abgenommen." Notwendig sind deshalb aus Sicht des WSI Maßnahmen der Re-Stabilisierung des Tarifsystems, z.B. durch einen gesetzlichen Mindestlohn und eine erleichterte Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen.

Die Schwerpunktanalyse beschreibt die wichtigsten Stationen der tarifpolitischen Entwicklung vom Inkrafttreten des Tarifvertragsgesetzes im April 1949 bis heute:

  • In den 50er Jahren entwickelte sich erst nach und nach ein dichtes Netz von Tarifverträgen.
  • In den 60er Jahren bewegte sich die Tarifpolitik zwischen der politischen Einbindung durch die "Konzertierte Aktion" und spontanen Streiks.
  • In den 70er Jahren folgten auf Boom und hohe Lohnsteigerungen die Krise und  Massenarbeitslosigkeit und drängte die Tarifpolitik in die Defensive.
  • In den 80er Jahren stand der Kampf um die 35-Stunden-Woche im Mittelpunkt der Tarifpolitik.
  • In den 90er Jahren geriet der Flächentarifvertrag durch die Folgen von Rezession, Transformationskrise Ost und zunehmender Globalisierung unter Druck.
  • In den vergangenen zehn Jahren wurden zahlreiche Tarifverträge reformiert, aber zugleich ging die Tarifbindung zurück und das Tarifsystem franste weiter aus.

Wie sich die tariflichen Regelungen und Leistungen von 1949 bis 2009 entwickelten, wird im WSI-Tarifhandbuch 2009 für insgesamt 13 Wirtschaftszweige im Einzelnen dokumentiert. Berücksichtigt werden dabei Löhne und Gehälter, Sonderzahlungen, vermögenswirksame Leistungen, Urlaubsgeld, Urlaub und Wochenarbeitszeit.

Neben der Metallindustrie werden folgende Branchen untersucht: Bankgewerbe, Baugewerbe, Brauereien, chemische Industrie, Druckindustrie, Einzelhandel, Eisen- und Stahlindustrie, Holzverarbeitende Industrie, Landwirtschaft, öffentlicher Dienst, Textilindustrie und das Versicherungsgewerbe.

Das WSI-Tarifhandbuch 2009 informiert darüber hinaus umfassend und aktuell über das Tarifgeschehen in West und Ost, die neueste Tarifrechtsprechung sowie die wichtigsten aktuellen Tarifbestimmungen in 50 Wirtschaftszweigen und Tarifbereichen.

Reinhard Bispinck und WSI-Tarifarchiv, , Frankfurt/Main, 293 Seiten.

Kontakt:

Dr. Reinhard-Bispinck at boeckler.de  

Rainer-Jung at boeckler.de  

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