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21.04.2008

Neue Betriebsräte-Befragung des WSI

Leiharbeit: In jedem vierten Entleihbetrieb werden Stammbeschäftigte ersetzt

 

Gut ein Drittel der mittleren und größeren Betriebe in Deutschland hat in den vergangenen beiden Jahren Leiharbeiter beschäftigt. Zahl und durchschnittliche Einsatzdauer der Zeitarbeiter sind in vielen dieser Entleihbetriebe gestiegen. In jedem vierten Entleihbetrieb haben Leiharbeiter regulär Beschäftigte ersetzt. Das ergibt sich aus der neuen Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Die Untersuchung ist repräsentativ für alle Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern und Betriebsrat. Rund 12 Millionen Menschen sind in Deutschland in solchen Betrieben beschäftigt.  

Nach Angaben der mehr als 2000 befragten Betriebsräte arbeiteten in 37,3 Prozent der Betriebe zwischen Anfang 2005 und Herbst 2007 Leiharbeiter. Gut 54 Prozent der Entleihbetriebe steigerten in diesem Zeitraum die Zahl der Zeitarbeiter. Lediglich 13,7 Prozent verringerten den Einsatz in den vergangenen zwei Jahren. Parallel dazu melden gut 40 Prozent der Betriebsräte, dass die temporären Kräfte in ihrem Betrieb im Durchschnitt länger bleiben - nur rund 14 Prozent berichten von abnehmenden Einsatzdauern. 25,9 Prozent der Betriebsräte von Entleihbetrieben geben an, in ihrem Betrieb hätten zwischen 2005 und 2007 Leiharbeiter regulär Beschäftigte ersetzt.

Der Leiter des WSI, Dr. Hartmut Seifert, erkennt hinter diesen Zahlen Indizien für einen Wandel der Personalstrategie in etlichen Unternehmen. Zwar sei die Bewältigung von Auftragsspitzen vielerorts nach wie vor der wichtigste Grund, Zeitarbeiter zu entleihen. "Doch es ist unübersehbar, dass sich die Funktion von Leiharbeit wandelt. Teilweise ersetzt sie feste Beschäftigung, und manche Unternehmen setzen Leiharbeiter als flexible Quasi-Stammbelegschaft ein", sagt der Wissenschaftler.

Für die Unternehmen sei es häufig finanziell attraktiv, Stammbeschäftigte durch Leiharbeiter zu ersetzen, so Seifert. Zwar werden laut Befragung Stammbeschäftigte und Leiharbeiter in fast jedem vierten Entleihbetrieb für gleiche Tätigkeiten auch gleich bezahlt. In der großen Mehrheit der Betriebe liegt der Lohn der Zeitarbeiter jedoch unter dem von Stammbeschäftigten - durchschnittlich um 29 Prozent.

Hinzu kommt, dass die Verleihunternehmen ihren Kunden gerade bei komplexen Einsätzen immer mehr Arbeit abnehmen: "Große Verleiher bieten ein so genanntes 'On-Site-Management'" an. Das ist eine Art mobiles Personalbüro, das die Leiharbeiter vor Ort im Entleihbetrieb betreut", berichtet der WSI-Forscher. Den Betriebsräten im Entleihbetrieb könnten solche Rundum-Modelle Probleme bringen: Ihr wichtigster Ansprechpartner, die eigene Personalabteilung, ist für den Einsatz der Leiharbeiter nicht mehr zuständig.

Mehr Informationen und Infografik:

im:                   

Kontakt:

Dr. Hartmut-Seifert at boeckler.de  

Rainer-Jung at boeckler.de  

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