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06.03.2008

Neue Studie in den aktuellen WSI Mitteilungen

Lohnspreizung in Deutschland hat deutlich zugenommen

 

Der Abstand von niedrigen zu mittleren und hohen Löhnen, die so genannte "Lohnspreizung", hat in Deutschland deutlich zugenommen. Das ist das Ergebnis einer empirischen Untersuchung von Dr. Johannes Giesecke, Forscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), und Dr. Roland Verwiebe vom Institut für Soziologie der Universität Hamburg.

Die Wissenschaftler analysierten die Reallohnentwicklung von 1998 bis 2005 anhand des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Die Studie untermauert die Befunde älterer Untersuchungen. Die Ergebnisse zeigten, "dass die Zeiten stabiler Ungleichheitsstrukturen in der Bundesrepublik der Vergangenheit angehören", resümieren die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der WSI Mitteilungen. "Zusätzlich zur Umverteilung, wie sie sich in der wachsenden Kluft zwischen Einkommen aus abhängiger Beschäftigung und Unternehmensgewinnen zeigt, hat auch innerhalb der Gruppe der abhängig Beschäftigten die Ungleichheit der Löhne im Zeitverlauf zugenommen."

Dabei wirkten zwei gegenläufige Trends, so die Analyse der SOEP-Daten: Die mittleren Einkommen stiegen im Untersuchungszeitraum leicht, die oberen Einkommen stärker. Die unteren Einkommen sanken hingegen. Die Lohnungleichheit ist bei Frauen wie bei Männern, in Ost- und in Westdeutschland gewachsen, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Für westdeutsche Männer gilt beispielsweise: 1998 übertraf der höchste Lohn im zweit-obersten, dem neunten Zehntel der Einkommensschichtung, den höchsten Lohn im untersten Zehntel um 150 Prozent (so genannte D9/D1-Dezilrelation von 2,5). 2005 betrug der Unterschied bereits 171 Prozent (Relation von 2,71). Bei den ostdeutschen Männern war der Anstieg noch deutlicher: von 158 auf 204 Prozent. Wissenschaftler wählen für den Vergleich mit dem untersten Zehntel oft das zweithöchste Dezil der Einkommensschichtung, weil die Einkommen im obersten Zehntel sehr stark auseinander gehen. 

Die Untersuchung gibt weiteren Aufschluss über die Lohnstrukturen in Deutschland und ihre Entwicklung:

  • Die absoluten Lohnunterschiede sind unter westdeutschen Männern am größten. In der Gruppe der ostdeutschen Frauen sind sie am geringsten.
  • In den alten Ländern sind die Lohnabstände zwischen Frauen und Männern größer als in den neuen.
  • In Ostdeutschland entwickeln sich die Löhne von Frauen und Männern auseinander, weil die Reallöhne der Männer stärker steigen als die der Frauen.

Die Analyse zeigt, welche Mechanismen hinter dem Auseinanderdriften des Lohnspektrums stehen: "Insbesondere das unterdurchschnittliche Lohnwachstum bei un- bzw. angelernten Arbeitern wie bei Facharbeitern führte zu einer relativen Schlechterstellung dieser Gruppen gegenüber anderen Berufsklassen", schreiben die Wissenschaftler. So sei der Lohnabstand zwischen Arbeitern ohne Ausbildung und höheren Angestellten im untersuchten Zeitraum um rund 20 Prozentpunkte auf etwa 60 Prozent gewachsen.

Auch der Strukturwandel schlägt sich den Forschern zufolge in der Lohnverteilung nieder: Während vergleichsweise gut bezahlte Stellen in der Industrie verschwunden sind, kamen neue Jobs im Dienstleistungssektor hinzu - oft mit geringer Stundenzahl und niedrigeren Löhnen.

Weitere Informationen und Grafik:

Johannes Giesecke, Roland Verwiebe: , in: WSI Mitteilungen 2/2008

in: 

Böckler Box "Niedriglöhne - Mindestlöhne"  

Kontakt:

Dr. Gudrun-Linne at boeckler.de  

Rainer-Jung at boeckler.de  

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